Freitag, 23. Februar 2018 von Nicole Leukhardt

Karma als Einparkhilfe

Ich halte mich für einen gelassenen Autofahrer. Überholt mich jemand unnötig, gurkt im Schneckentempo vor mir her oder verschläft die Grünphase der Ampel, besinne ich mich aufs Karma. Früher oder später holt es jeden ein. Was ich allerdings ganz schwer ertragen kann, ist Dreistigkeit. So blieb mir neulich nichts anderes übrig, als fluchend einen Parkplatz aufzugeben, weil es Blechschaden gegeben hätte, hätte ich auf mein Recht bestanden. Denn bei Parklücken gilt: Wer zuerst seine Parkabsicht signalisiert, dem gehört die Lücke. Ich hatte einen Abendtermin, erspähte einen Platz für mein Auto auf der linken Seite, stellte mich parkbereit auf die Fahrbahn und blinkte links. Den Gegenverkehr, den ich heranfahren sah, wollte ich noch vorbeilassen. Womit ich nicht gerechnet hatte: Diese Fahrerin hatte die Lücke dann auch entdeckt und als die ihre auserkoren. Sie bremste ab, blinkte rechts und zack, stand das Auto in der Bucht, die ich geduldig angeblinkt hatte. In der Straßenverkehrsordnung heißt es: An einer Parklücke hat Vorrang, wer sie zuerst unmittelbar erreicht. Das war ich. Aber weil alles Ärgern nichts hilft, vertraue ich jetzt einfach wieder aufs Karma.

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Donnerstag, 22. Februar 2018 von Gudrun Stoll

Das Ende des Wurstzipfels

Olympische Spiele haben für mich längst jenen Glanz verloren, den ich in den Jugendjahren noch mit dem Satz „Dabei sein ist alles“ verbunden habe. Wer glaubt heute noch an Spiele ohne Doping oder an die Mär, bei der Vergabe des alle vier Jahr anstehenden Großevents gehe es um etwas anderes als Geld und Profit? Dennoch schaue ich immer noch gerne zu, wenn unsere Sportler top Leistungen zeigen, Medaillen erringen oder zu tragischen Helden werden. Doch wer kann sich schon ganze Nächte um die Ohren schlagen oder Urlaub nehmen, um live bei den Wettkämpfen in Südkorea mitzufiebern? Man muss ja froh sein, dass ARD und ZDF im Poker um die Übertragungsrechte eine Sublizenz ergattert, besser gesagt, für viel Geld erkauft haben. Wer tagsüber allerdings keine Gelegenheit hat, Olympia zu schauen, dem bleibt auch am Abend das Nachsehen. Österreich und die Schweiz bieten ihren Bürgern jeden Abend nach der Tagesschau eine Zusammenfassung der Höhepunkte. Danach sucht man bei den öffentlich-rechtlichen Sendern in Deutschland vergeblich. Tagesthemen und Heute Journal sind zu später Stunde der an kurzer Kette gehaltene Rettungsanker. Das ist ärgerlich, denn wir bezahlen ja schließlich das öffentlich-rechtliche Fernsehen.

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Mittwoch, 21. Februar 2018 von Lydia Wania-Dreher

Erste Hilfe von der Ameise

Das Tierreich überrascht mich immer wieder. Gerade die kleinen Dinge verblüffen mich. So fanden Forscher der Universität Würzburg vor kurzem heraus, dass Ameisen Erste Hilfe leisten. Ist eines der sozialen Tiere verletzt, wird es von den anderen zurück ins Nest gebracht. Hier lecken die Artgenossen die verletzte Stelle ab. Diese Prozedur kann einige Minuten dauern. Die Forscher nehmen an, dass so die Wunden gereinigt werden. Sie gehen davon aus, dass sich in dem Speichel antibakterielle Substanzen befinden. Diese Form der Ersten Hilfe ist offenbar sehr effektiv. Dank der Versorgung sterben nur rund zehn Prozent der geretteten Ameisen an ihren Verletzungen. Ohne eine solche Behandlung sind es 80 Prozent. Ob eine verletzte Ameise versorgt wird, entscheiden übrigens nicht die Helfer, sondern das verletzte Tier selbst. Denn die Forscher fanden auch heraus, dass schlimm verletzte Tiere so stark mit den Beinen um sich treten, dass sie nicht abtransportiert werden können.

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Dienstag, 20. Februar 2018 von Rosalinde Conzelmann

Mit Mieze nachts on Tour

Diese Fragen treiben jeden Katzenbesitzer um, der seine Mieze rauslässt. Wo hat der Stubentiger sein Revier? Wie weit sind seine Wege? Wo nur treibt er sich tagelang rum, wenn er wie vom Erdboden verschwunden ist? Dieser Tage gab es Antworten in einer interessanten Reportage, in der Katzenfreunde ihre Lieblinge mit einem GPS-Sender ausstatten ließen. Dabei kam Erstaunliches zu Tage. Kater Felix beispielsweise, ein sieben Kilogramm unkastriertes Schwergewicht, überquert regelmäßig nachts eine Schnellstraße. Er sitzt dann am Straßenrand und wartet bis kein Auto mehr kommt. Erst dann überquert er die gefährliche Trasse. Wilhelmine, eine gescheckte Diva, bevorzugt nicht Mäuse anstatt ihres Dosenfutters, wie ihre Familie vermutet. Nein, sie hat ein zweites Zuhause, wo ihr Edleres kredenzt wird. Der Besuch von Wilhelmines Frauchen war den „Adoptiveltern“dann richtig peinlich. Wilhelmine hat das Ganze eher kalt gelassen. Bis zu fünf Kilometern legen die Miezen bei ihrer nächtlichen Tour zurück. Dabei meiden sie den Kontakt zu Wildkatzen. Mal sehen, ob wir unsere roten Tiger Oskar und Fritz auch mal mit einem GPS-Sender ausstatten. Obwohl, im Grunde genommen, will ich gar nicht so genau wissen, wo die beiden sich bei ihren Streifzügen rumtreiben. Hauptsache, sie finden jederzeit den Weg nach Hause zurück.

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Samstag, 17. Februar 2018 von Holger Much

Beherrschung fällt schwer

Die Sehnsucht wird übermächtig. Und es wird von Tag zu Tag schwerer, die Beherrschung zu bewahren. Die Beherrschung, die dazugehört, nicht jedes Primelchen zu kaufen, das irgendwo in der Auslage steht. Es zieht mich mit unwiderstehlicher Kraft in den Garten. Ich möchte graben und buddeln. Ich möchte das alte graue Laub wegrechen, das zarte Grün darunter endlich vom Schmutz und der eisigen Umarmung des Winters befreien und mit jedem Blümchen, das ich in die Erde pflanze, den milden Frühling ein kleines Stückchen mehr heraufbeschwören.

All das nicht zu tun kostet große Überwindung, ich gestehe es. Doch jeder Tag, der vergeht, nimmt mir etwas mehr von der Kraft, der Blumensucht zu widerstehen und endlich wieder Farben und Düfte im Garten zu genießen. Aber immerhin befinden wir uns im Endspurt. Dienstag, 20. März, ist Frühlingsanfang. Bis dahin schaffe ich es gerade noch.

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