Samstag, 7. Januar 2017 von Michael Würz

Mit Vollgas ins Unglück?

So ein Lokalreporter gehört gemeinhin nicht zur Gruppe derjenigen Autofahrer, die zum akuten Verkehrshindernis werden, wenn ein paar Schneeflocken fallen – schließlich ist unsereins viel unterwegs, Tag und Nacht, bei Wind und Wetter. Dennoch: Am Donnerstagmorgen traue ich meinen Augen kaum. Der Winterdienst ist gegen 5.30 Uhr mit allem unterwegs, was eine Schaufel hat. Gleichwohl wird die Fahrt auf der B 463 zwischen Albstadt und Balingen zu einer einzigen Rutschpartie. Die Schneedecke ist festgefahren, stellenweise ist es spiegelglatt. Das scheint an dem Fahrer eines Kleintransporters entweder vorbeizugehen – oder es ist ihm schlicht egal. Er zieht mit Karacho vorbei, und ich bin dankbar dafür, dass die tollkühne Nummer gut geht. Ein paar Minuten später, kurz vor der Ausfahrt nach Dürrwangen, überholt der Sigmaringer Fahrer eines Mercedes-Kombis gleich eine ganze Autokolonne. Das geht um ein Haar schief: Der Wagen schlingert bereits, dann kommt auch noch Gegenverkehr aus Richtung Balingen. Der Mann presst seinen Wagen gleichermaßen rücksichtslos wie notgedrungen zurück in die Kolonne, direkt vor einen Lastwagen, dessen Fahrer seinen erhöhten Puls per Lichthupe sprechen lässt. Hinter dem Lastwagen klebt – mit einem gefühlten halben Meter Abstand – der Transporter, der mich in Albstadt mit Vollgas überholt hatte. Ich frage mich, ob der Mann eine Frau zu Hause hat, vielleicht Kinder. Und bin heilfroh, als ich unbeschadet in der Redaktion ankomme.

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Mittwoch, 20. April 2016 von Michael Würz

Hitchcock am Heuberg

Wer am Rande der Stadt wohnt, hat viel zu staunen: die allmorgendlichen Spaziergänge von Familie Bambi entlang des Heubergs, zum Beispiel. Familie Bambi und ich, das kann man guten Gewissens sagen, wir verstehen uns prima. Deshalb hatte ich auch an jenem Tag an nichts Böses gedacht, als ich eine Erfahrung der ganz anderen Art machen musste: Kaum war ich aus der Haustür getreten, bemerkte ich im Augenwinkel, wie mich mehrere Krähen ins Visier genommen und zum Sturzflug angesetzt hatten. Geistesgegenwärtig (und plötzlich hellwach) stürzte auch ich mich ... zurück in den Flur. Mit weichen Knien verbarrikadierte ich mich hinter der geschlossenen Tür. Ja, ich würde von Rettung in letzter Sekunde sprechen. Zielstrebig landeten die Angreifer – gefühlt waren es rund 50, tatsächlich vielleicht zwei oder drei weniger – vor der Tür, ganz so, als ob sie auf mich warten würden. Auch meine mutigen Versuche, die Tür einen Spalt zu öffnen, wieder zu schließen und wieder zu öffnen, vertrieb die Krähen mitnichten.

Ich malte mir bereits aus, wie die Kollegen in der Redaktion reagieren würden, wenn ich meine Verspätung mit Krähen erkläre, die vor meiner Tür sitzen (und mich ziemlich sicher fressen wollen). Ein Glück, hatte ich dann auch die rettende Idee: Die Kellertertür auf der gegenüberliegenden Seite des Hauses erwies sich als adäquater Notausgang. Krähen sind schlaue Tiere, schreiben sie im Internet, aber in diesem Moment der neu gewonnenen Freiheit fühlte ich mich dann doch deutlich überlegen. Was die Krähen von mir wollten? Lediglich harmlose Scheinangriffe seien das, behaupten Experten allen Ernstes. Von Hack-Attacken auf Menschen berichtet indes die Bild-Zeitung. Wem ich in dieser Angelegenheit mehr über den Weg traue? Fragen Sie nicht. Aus Gründen.

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Donnerstag, 24. März 2016 von Michael Würz

Deutsche Facebookmuffel

„Klares Ja zum Glasfasernetz“ (Rangendingen), „Planungen für Breitband beginnen jetzt“ (Dotternhausen/Dormettingen), „An der L415 werden Leerrohre eingezogen“ (Rosenfeld). Drei Überschriften aus dieser Zeitung, alle druckten wir sie in diesem Jahr. Mit Riesenschritten in die Zukunft also? Nun. Marktforscher des Pew Research Centers haben 46.000 Menschen in 40 Ländern zu ihrer Internetnutzung befragt. Um es vorwegzunehmen: Die Deutschen sind Muffel. Social-Media-Muffel.

Sicher, wir Onliner sind schon von Berufs wegen ungefähr so, wie Ihre Kinder vermutlich nicht werden sollen: Hängen den ganzen Tag im Netz, legen unser Smartphone nur aus der Hand, um den Computer hochzufahren, und überhaupt, Facebook ist so etwas wie unser zweites Zuhause.

Stirnrunzeln sollten die Ergebnisse der Studie aber nicht nur einem wie mir verursachen. Liegt Deutschland etwa bei der Verbreitung von Smartphones noch auf dem Niveau anderer Industriestaaten, so teilt sich Deutschland bei der Nutzung sozialer Netzwerke den letzten (!) Rang aller betrachteter Staaten mit Pakistan. Wie es anders geht, zeigt dieser Tage einer, von dem man das vielleicht nicht erwartet: Papst Franziskus. Unter dem Account franciscus postet der nun munter auf Instagram.

Wie es ebenfalls anders geht, erfährt, wer hungrig in Salzburg unterwegs ist (zugegeben: Für leckeres Essen lege auch ich mein Smartphone gern beiseite). Kein Café, kein Restaurant, das sich nicht mit all seinen Angeboten im Netz findet. Praktisch daher, dass sie in der Mozartstadt neben kulinarischen Genüssen auch für Empfang gesorgt haben: WLAN gibt es an jeder Ecke – und wenn einmal ausnahmsweise nicht, reicht ein Blick aufs Straßenschild, das den Weg zu Bahnhof, Parkhaus und, klar, dem nächsten Hotspot weist. Ein Käpsele wie Mozart wäre stolz. Ganz sicher.

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Dienstag, 22. März 2016 von Michael Würz

Die Kommunen schaffen das

Schaffen wir das – oder doch nicht? Letzteres scheint der Eindruck vieler zu sein, liest man etwa regelmäßig die Kommentare auf der Facebookseite unserer Zeitung. Das Institut für Demoskopie Allensbach hat jetzt mehr als 350 Kommunalpolitiker zum Thema Flüchtlingskrise interviewt. „Es ist das bislang ausführlichste Stimmungsbild zur Flüchtlingskrise aus Städten, Kreisen und Gemeinden, also von dort, wo Unterbringung, Versorgung und Integration vor allem gestemmt werden müssen“, stellt die Süddeutsche Zeitung fest. Und berichtet von erstaunlichen Ergebnissen der immerhin anonym durchgeführten Befragung: Lediglich sieben Prozent der kommunalen Spitzenpolitiker sieht sich bei der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge überfordert. 42 Prozent sagen gar, die Unterbringung und Versorgung gelinge gut. 51 Prozent meinen, die Lage im Großen und Ganzen im Griff zu haben. Häufigste Sorgen der Verantwortlichen in den Kommunen: erschwerte Bedingungen durch zahlreiche Vorschriften, etwa im Baurecht. Und: die große Personalnot, die viele Kommunen plagt. Fast 70 Prozent der Befragten gaben an, dass es an Personal mangele. Das aber sei für die Integration der Geflüchteten unabdingbar. Umso mehr schätzen die Kommunalpolitiker die zahlreichen freiwilligen Helfer, die sich in den Kommunen um Flüchtlinge kümmern.

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Montag, 21. März 2016 von Michael Würz

Die Kommunen schaffen das

Schaffen wir das – oder doch nicht? Letzteres scheint der Eindruck vieler zu sein, liest man etwa regelmäßig die Kommentare auf der Facebookseite unserer Zeitung. Das Institut für Demoskopie Allensbach hat jetzt mehr als 350 Kommunalpolitiker zum Thema Flüchtlingskrise interviewt.

„Es ist das bislang ausführlichste Stimmungsbild zur Flüchtlingskrise aus Städten, Kreisen und Gemeinden, also von dort, wo Unterbringung, Versorgung und Integration vor allem gestemmt werden müssen“, stellt die Süddeutsche Zeitung fest.

Und berichtet von erstaunlichen Ergebnissen der immerhin anonym durchgeführten Befragung: Lediglich sieben Prozent der kommunalen Spitzenpolitiker sieht sich bei der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge überfordert. 42 Prozent sagen gar, die Unterbringung und Versorgung gelinge gut. 51 Prozent meinen, die Lage im Großen und Ganzen im Griff zu haben. Häufigste Sorgen der Verantwortlichen in den Kommunen: erschwerte Bedingungen durch zahlreiche Vorschriften, etwa im Baurecht.

Und: die große Personalnot, die viele Kommunen plagt. Fast 70 Prozent der Befragten gaben an, dass es an Personal mangele. Das aber sei für die Integration der Geflüchteten unabdingbar. Umso mehr schätzen die Kommunalpolitiker die zahlreichen freiwilligen Helfer, die sich in den Kommunen um Flüchtlinge kümmern.

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