Dienstag, 23. Dezember 2014 von Michael Würz

Eskalation im Wohnzimmer

Gehören Sie zu den Menschen, die begnadet mit Hammer und Bohrer umgehen? Die mit gezieltem Blick den passenden Bit aus der Werkzeugkiste fummeln? Die wissen, dass eine Trennscheibe nicht in Fensterrahmen eingebaut wird? Dann haben Sie für mich vermutlich nur ein müdes Lächeln übrig. Die Chance, dass ein Möbelstück noch in seiner Aufbauphase als Totalschaden endet, ist bei mir, nun, durchaus gegeben.

Aber ein paar Weihnachtskugeln? Die müssen doch an den Baum zu kriegen sein. Davon war ich überzeugt, als ich mich in der vergangenen Woche hoch motiviert daran machte, die (mühsam ausgerichtete und nach nicht einmal einer halben Stunde kerzengerade stehende) Tanne zu schmücken. Um es vorwegzunehmen: Die Mission war erfolgreich, die mannshohe Tanne erstrahlt in voller Pracht.

Aber was bitte schön haben sich die Menschen nur dabei gedacht, als sie Kugelaufhänger erfunden haben, die ungefähr alles können, außer zuverlässig am Baum zu hängen? Und wieso ist die Menschheit in der Lage, aus dem Weltraum zu twittern, aber nicht in der Lage, Lichterketten zu erfinden, deren Anbringung am Baum nicht in einer kaum vorstellbaren Eskalation im weihnachtlichen Wohnzimmer endet? Fehlt eigentlich nur noch, dass in einem solchen Moment einigermaßen schmerzfreie Radioleute mit schlimmer Weihnachtsmusik um die Ecke ... Kaum habe ich den Gedanken beendet, legt der Mann im Radio ohne mit der Wimper zu zucken ‚Last Christmas‘ auf. Reden wir nicht weiter darüber.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Mittwoch, 19. November 2014 von Michael Würz

Fit für den Ernstfall

Die Patientin liegt regungslos auf dem Boden. Sofort wiederbeleben, denke ich. Nein, halt, sie atmet. Also in die stabile Seitenlage mit ihr! Kopf überstrecken! Und an den Notruf denken! In meinem eigenen Kopf geht es drunter und drüber. Für einen Augenblick vergesse ich beinahe, dass alles nur gespielt ist – und die Patientin eine quietschlebendige Kollegin, die sich wie ich zur betrieblichen Ersthelferin in unserem Verlag ausbilden lässt. Doch unser Ausbilder, ein DRK-Sanitäter, weiß natürlich, dass genau das immer und überall passieren kann. Und auch wir Reporter wissen das – allzu oft treffen wir uns draußen auf der Straße. Wir wissen deshalb auch, dass die Rettungskräfte einen guten Job machen.

Doch das wichtigste Glied in der Rettungskette sind die Ersthelfer, erklärt uns unser Ausbilder. Denn die Profis sind mit Blaulicht und Martinshorn zwar schnell da, können aber oft nur noch helfen, wenn die Ersthelfer bereits gehandelt haben. Das leuchtet mir ein. Und, ganz ehrlich: Wie die meisten hatte ich zuletzt für den Führerschein einen Erste-Hilfe-Kurs belegt. Das ist viele Jahre her. Jetzt habe ich wieder das gute Gefühl, im Ernstfall handeln zu können. Ein schönes Gefühl. Und wann waren Sie zuletzt in einem Erste-Hilfe-Kurs?

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Freitag, 15. August 2014 von Michael Würz

Keine voreiligen Schlüsse

Polizei und Staatsanwaltschaft haben die Informationen unserer Zeitung gestern bestätigt: Beide Brände im Asylbewerberheim in Hechingen wurden vorsätzlich gelegt. Der Fall hält uns in der Online-Redaktion seit Tagen auf Trab: Nachdem Landrat Günther-Martin Pauli sich am Montagabend zu Wort gemeldet hatte, witterten einige Zeitgenossen „Betroffenheitsjournalismus“, gar einen Klüngel zwischen Politik und Medien, der die Taten von vornherein als ausländerfeindlich erscheinen lassen sollte. Eines war den größten Kritikern dabei gemein: Sie hatten offenbar gar nicht gelesen, was Landrat Pauli eigentlich gesagt hatte. Dass nicht ausgeschlossen werden könne, dass das Feuer aus den Reihen der Bewohner gelegt worden ist, zum Beispiel. Auch über diese Aussage kann man meiner Meinung nach streiten, nur eines ist sie natürlich nicht: die Aussage eines, wie jene Zeitgenossen sagen, Gutmenschen – wobei ich mich regelmäßig frage, was das Gegenteil eines Gutmenschen eigentlich sein soll. Ein Schlechtmensch?

Nein, der Landkreis ist schlicht verantwortlich für das Asylbewerberheim. Schon allein deshalb hat Landrat Pauli alle Gründe, sich Sorgen zu machen. Wer die Kommentare und Zuschriften jener Diskutanten liest, die sich für Kritiker halten, merkt schnell, worum es ihnen geht: Einer will den Pressekodex abschaffen, andere wollen ihre Vorurteile bestätigt sehen, wollen lesen, dass es Bewohner des Asylbewerberheims waren, die gezündelt haben. Das ist nicht besonders unwahrscheinlich. Aber kein Grund für unverhohlenen Rassismus.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

@An die Redaktion:

Was haben die Ermittlungen in dem Fall gegeben? Warens tatsächlich die dumpfbackigen Nazis?

Hans Maier am 16.09.2014 03:20:07

Welche Kommentare?

Ich habe hierzu keine Kommentare gelesen aber vielleicht war die Kommentarfunktion wieder einmal deaktiviert.

Otto Schneider am 15.08.2014 13:41:38

Dienstag, 12. August 2014 von Michael Würz

Tatort mit Lokalbezug

Klar, über Fernsehkrimis schütteln echte Polizisten meist nur den Kopf. Doch der Tatort, der am Sonntagabend lief, hatte nicht nur Realitäts-, sondern auch Lokalbezug. Angebliche Tierschutzvereine, die Menschen in ausweglosen Situationen anwerben, sie in Drückerhäusern einsperren und ihre Seele brechen, treiben auch in der Region ihr Unwesen. Die Bosse, die ihren Sportwagen üblicherweise näher stehen als dem Wohl der Tiere, misshandeln ihre Mitarbeiter, nehmen ihnen ihre Freiheit, lassen sie auf der Straße oder an der Haustür Scheine schreiben. So nennen sie in der Szene das Anwerben von zahlungskräftigen Mitgliedern. Wer abends nur wenige Neumitglieder vorweisen kann, nachdem er etwa stundenlang und unter Beobachtung auf dem Balinger Marktplatz stand, muss die leeren Scheine schon mal aufessen. Die Flucht aus dem Teufelskreis (und aus dem Drückerhaus) gelingt nur selten.

Eine junge Frau und ein junger Mann sind vor ein paar Jahren aus einem solchen Haus – idyllisch zwischen Balingen und Stuttgart gelegen – abgehauen. Sie hatten das akribisch geplant, wollten ihr Schweigen brechen und erzählten mir, dem damaligen Fernsehreporter, ihre Geschichte, über die bis heute immer wieder berichtet wird. Und: Sie nahmen ihren Mut zusammen und zeigten ihre Peiniger an. Doch juristisch ist den Drahtziehern häufig nur schwer beizukommen. Zu professionell sind sie organisiert, zu wenig ernst nehmen Ermittler die eingeschüchterten Opfer. Im obigen Fall brachte die Polizei beide möglicherweise sogar in Lebensgefahr, weil Ermittler dem Drückerboss aus Versehen ihren Aufenthaltsort – ein Hotel in Rottweil – verrieten. Wenn Sie das nächste Mal in der Stadt angesprochen werden, etwa mit der Frage, ob sie Tiere mögen (und wer sagt da schon nein?), lassen Sie sich nicht in ein Gespräch verwickeln – auch dann nicht, wenn die Leute mit der Genehmigung der Stadt wedeln und ihre Freundschaft zum Oberbürgermeister betonen. Ihm lässt die Gesetzeslage keinen Spielraum. Deshalb muss ein generelles Sammelverbot gegen dubiose Drücker her. Rheinland-Pfalz hat es bereits vorgemacht.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Donnerstag, 15. Mai 2014 von Michael Würz

Wo die jungen Menschen sind

Wer in diesen Tagen bei Wahlveranstaltungen auftritt, sollte keine großen Erwartungen an sein Publikum haben: Es ist entweder gar nicht da – oder besteht aus den üblichen Verdächtigen, jenen Menschen, die am 25. Mai ohnehin an die Urne treten. Junge Leute, die sich für Politik interessieren? Fehlanzeige.

Annette Schavan ist den jungen Menschen unterdessen dicht auf den Fersen. Sie weiß genau, wo sie sich herumtreiben: „Die kippen Sachen in ihren Computer, auch jetzt, während wir hier sitzen. Nach 23 Uhr ist es am schlimmsten“, sagt Schavan am Dienstagabend in Dürrwangen. Ich befürchte, die Frau meint das ernst.

Landrat Pauli, der zu Recht stolz ist auf einen Videoclip, den er produzieren ließ, um junge Menschen auf die Kommunalwahl aufmerksam zu machen, bleibt in diesem Moment nichts, als höflich zu schmunzeln. Ob die Zuhörer wissen, dass Paulis Clip im Netz gerade große Kreise zieht? Ich bin sicher, unser Landrat würde sich wohler fühlen, wären die beiden jüngsten Zuhörer nicht Redakteure dieser Zeitung, sondern echte Besucher.

Als Schavan darüber berichtet, wie sie die Proteste gegen Stuttgart 21 erlebt hat, spitze ich meine Ohren. Damals, 2010, habe ich mir als Fernsehjournalist die Nächte um die Ohren geschlagen und fürs Frühstücksfernsehen berichtet, was sich am Bauzaun tut. „Wir wurden überrollt“, sagt Schavan. „Das hat sich alles im Netz abgespielt und plötzlich standen die auf der Straße.“ Schavan plaudert in kleiner Runde aus dem Nähkästchen, berichtet überraschend offen über das Milliardengrab Stuttgart 21. „Es ging uns in der Landesregierung natürlich auch darum, München zu zeigen, was dieses Stuttgart draufhat“, sagt sie. Dumm gelaufen: Die jungen Leute haben das durchschaut und in den Computer gekippt.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Ja wo sind sie denn?

Beim Frühstücksfernsehen sind die jungen Leute aber auch nicht und in Stuttgart haben nur gutsituierte Golden Agers demonstriert, die mit ihrem Cayenne angereist sind.

Lisa Witsch am 15.05.2014 15:01:06

Antwort auf Ja wo sind sie denn?

Hallo,

darf man fragen, von welcher Partei oder Werbeagentur Sie sind?
Denn so einen Schwachsinn kann man nur bezahlt verzapfen. Zum Glück gibt es genug private Aufnahmen im Netz, die auch die jungen Leute zeigen bzw. deren Aufnahmen...
Nur mal nach 30.09.2010 oder schwarzer Donnerstag googeln...
Hauptsache Tatsachen verdrehen.

Anton Mous am 15.05.2014 16:15:59

Antw......twort auf Ja wo sind sie denn?

Gibt's in der Verwaltungsformation Albstadt nichts zeitlich und örtlich Näheres, als auf den 30.9.2010 oder den "Schwarzen Donnerstag" z'Schtuagert zu verweisen? In der Verwaltungsformation Albstadt selbst gibt es doch, wem auch immer sei's geklagt, mehr als genug, wofür sich mehr als die paar öffentlich Wahrnehmbaren engagieren könnten.

Aniela Schneider am 19.05.2014 23:02:52

Antwort auf Antwort auf Ja wo sind sie denn?

Kennst du Wayne?

Lisa Witsch am 16.05.2014 12:50:38

Antwort auf Antwort auf Antwort auf Ja wo sind sie denn?

Unerträglich, was diese "Lisa Witsch" immer von sich gibt. Zu allem und zu jeden Thema hat sie
etwas zu sagen. Und der Beitrag "Kennen Sie Jay"
ist nun wirklich nachdenkenswert. Er hat diese
mehr als flappsige Antwort nicht verdient !!!

Helmut lOECHEL am 19.05.2014 06:45:57

Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Ja wo sind sie denn?

Löchel, du bist beim falschen Artikel.

Lisa Witsch am 19.05.2014 08:20:28

Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Ja wo sind sie denn?

HERR Löchel, sie rotzfreche Göre!

Dieter Blaumann am 20.05.2014 10:28:38

Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Ja wo sind sie denn?

Sorry, leider etwas verrutscht, ändert aber an der
Sache nichts.

Helmut Loechel am 19.05.2014 16:04:02

Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Ja wo sind sie denn?

Vielen Dank für Ihr Kommentar.

Lisa Witsch am 19.05.2014 21:33:35

Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Ja wo sind sie denn?

Ihren! Es muss IHREN heißen!

Dieter Blaumann am 20.05.2014 10:29:15

Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Ja wo sind sie denn?

Thomas, deinen Kommentar habe ich nicht gemeint.

Lisa Witsch am 20.05.2014 10:34:45

Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Antwort auf Ja wo sind sie denn?

Vielen Dank für Ihr Kommentar

Lisa Witsch am 20.05.2014 10:33:40