Freitag, 7. April 2017 von Daniel Seeburger

Berliner Tor im Dunkeln

Terroranschläge sind schlimm, brutal und unmenschlich. Getroffen werden Menschen in ihrem Alltag, das Grauen, der Schmerz, der Tod bricht in ihr Leben. Durch das Mitgefühl mit den Opfern sprechen wir einerseits den Angehörigen unsere Solidarität aus, andererseits versuchen wir so, das Geschehene in unser eigenes Leben einzuordnen. In den vergangenen Monaten wurde bei Terroranschlägen immer mal wieder das Brandenburger Tor in den Farben des von der Gewalt heimgesuchten Landes angestrahlt. Ich fand diese Idee nie besonders gut.Denn tagtäglich sterben Menschen in der ganzen Welt durch Terror und Krieg – gerade auch durch deutsche oder europäische Waffen. Beim jüngsten Giftgasangriff im syrischen Idlib gab es 72 Tote, darunter Dutzende Kinder. Da man das Brandenburger Tor kaum im täglichen Wechsel in den Farben Syriens, Afghanistans, des Iraks, Jemens oder des Südsudans anstrahlen kann, schlage ich vor, es bei Nacht in Dunkel zu hüllen. Solange auf dieser Welt Kinder in Kriegen sterben oder tausendfach verhungern, wäre das meiner Ansicht nach eine angemessene Form der staatlichen Trauerbekundung.

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Dienstag, 28. März 2017 von Daniel Seeburger

Straßenbahn zum Zoo

Ich bin am Sonntag ganz schön erschrocken, als mir auf der B 27 kurz vor Stuttgart die großen Feinstaub-Warnhinweise ins Auge sprangen. Selbst mit meinem sparsamen Diesel könnte ich Probleme bekommen, befürchtete ich. Dabei war der Wilhelma-Besuch seit langem geplant. Also trat Plan B in Kraft. Das Auto wurde im Parkhaus in Degerloch abgestellt und dann ging es mit der Straßenbahn in den Zoo. Etwas skeptisch war ich schon. Was beim Stadionbesuch hervorragend klappte, musste mit zwei kleinen Kindern und zwei Rucksäcken im Schlepptau nicht zwangsläufig auch so reibungslos ablaufen. Meine Bedenken lösten sich aber schon bald in Luft auf. Meine Jungs fanden das Straßenbahnfahren ziemlich lustig, die nervige Tour durch die Innenstadt und die lästige Parkplatzsuche, die es immer dann gibt, wenn das Wilhelma-Parkhaus belegt ist, entfielen und außerdem haben wir mit einigen netten Menschen geplaudert. Mit einer Dame beispielsweise, die uns irgendwie ansah, dass wir nicht nach Gerlingen wollten. Sie erklärte uns, dass wir zwar in der richtigen Linie sitzen, aber in die falsche Richtung fahren. Aber das wird noch. Wir sind ja schließlich noch keine alte Hasen, was Straßenbahnen anbelangt.

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Samstag, 18. März 2017 von Daniel Seeburger

Überzeugt mich

Am 24. September ist Bundestagwahl. Und ich freue mich darauf. Denn in Zeiten, in denen die klassischen Milieus immer mehr verschwinden und die Stammwählerschaften der Parteien zusammenschmelzen, können Wahlen richtig interessant werden. Das hat sich jetzt in den Niederlanden gezeigt. Die sozialdemokratische Partij van de Arbeit (PdvA), die so in etwa unserer SPD entspricht, stürzte von 25 auf 6 Prozent ab. Gleichzeitig verdreifachte sich die Stimmenzahl der niederländischen Grünen. Wenn Parteien sich nicht mehr auf ein Stammwählerpotenzial verlassen können, müssen sie um jede einzelne Stimme kämpfen, um die Wechselwähler überzeugen zu können. Und von denen gibt es immer mehr. Von rund 80 Prozent Wechselwählern in den Niederlanden gehen Demoskopen aus. So hoch ist der Wert in Deutschland noch nicht, aber er wächst stetig an. Als überzeugter Wechselwähler freut mich das. Und deshalb rufe ich den Parteien und Kandidaten heute schon zu: Ich habe mich noch nicht entschieden. Wenn ihr meine Stimme wollt, drescht keine Phrasen und spart Euch die Floskeln. Überzeugt mich.

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Mittwoch, 15. März 2017 von Daniel Seeburger

Superman gibt's gar nicht

Wussten Sie, dass es Superman gar nicht gibt? Ich konnte das auch nicht glauben, bis mich mein Jüngster kürzlich aufgeklärt hat. Als ich ihn im Kindergarten abholte, erklärte er mir, dass ein Freund von ihm heute von einer Spinne gebissen worden sei. Ich muss ziemlich erschrocken dreingeschaut haben, vor allem, als er mir erzählte, dass der Kleine schon ganz rot im Gesicht sei. „Der wird jetzt doch zu Spiderman“, sagte mir mein Sohn und klärte mich auf, dass man auch zu Batman werde, wenn man von einer Fledermaus gebissen wird. Da war ich dann doch beruhigt und bohrte weiter. Welches Tier einen denn beißen müsse, um Superman zu werden, fragte ich meinen Junior. „Mensch Papa“, erwiderte er, „Superman gibt's doch gar nicht!“

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Mittwoch, 8. März 2017 von Daniel Seeburger

Eine Lektion in Sachen Fußball

Als mich neulich sonntags meine zwei Jungs fragten, ob ich nicht mit ihnen Fußball spielen wolle, war der Nachmittag gerettet. Auf dem Sportplatz führte ich die beiden Sturmspitzen der Schörzinger Pampers-League-Mannschaft in die hohe Kunst des modernen Fußballspiels ein. Abwehrverhalten, Kurzpassspiel, Raumdeckung – nichts wurde ausgelassen. Schon nach kurzer Zeit hatten sich weitere junge Fußballer zu uns gesellt und es wurde ein recht unterhaltsamer Nachmittag. Plötzlich zuckelte mein Knie und ich wurde jäh aus meinen taktischen Überlegungen herausgerissen. Meiner Bitte, jetzt nach Hause zu gehen und dort noch einige Kapitel Pipi Langstrumpf zu lesen, wurde nicht entsprochen. Zwischenzeitlich begann es in meinem Oberschenkel zu ziepen und mir blieb nichts anderes übrig, als die Segel zu streichen. Am nächsten Tag kam ich daher wie ein auf Eiern laufender Elefant. Es spaziert sich halt nicht so rund mit einer Patellasehnenreizung im linken Knie und parallel dazu einer Zerrung im rechten Oberschenkel. Und irgendwie wurde mir dann auch klar, weshalb Fußballprofis 25 und keine 52 Jahre alt sind.

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