Freitag, 10. August 2018 von Daniel Seeburger

Die Magie eines echten Buches

Die Magie, die ein Buch ausströmen kann, ist unbeschreiblich. Das heißt, ich kann versuchen, mein Gefühl zu beschreiben, das mich durchflutet, wenn ich den Buchdeckel öffne, den Geruch inhaliere, die ersten Zeilen lese – aber wer dieses Gefühl nicht kennt, wird mich nicht verstehen. Meist habe ich im Hinterkopf, welchen Autor ich als nächstes lesen will. Manchmal aber gibt es unvorhergesehene Ausnahmen. So verschenkte kürzlich jemand Hunderte von Romanen – und ich kam zufällig an seinem Stand vorbei. Antiquarische Bücher ziehen mich sowieso magnetisch an. Klar, dass ich stöbern musste – und eine Perle fand: den amerikanischen Literaten Thomas Wolfe. Wolfe starb 1938 mit 37 Jahren an Gehirntuberkulose. Mit „Schau heimwärts, Engel“ hat er Literaturgeschichte geschrieben. Sein 1940 posthum erschienener 700-seitiger Wälzer „Es führt kein Weg zurück“ ist in Deutschland fast unbekannt geblieben – und heute nur noch antiquarisch zu bekommen. Jetzt steckt meine Nase in diesem Buch mit den vergilbten Seiten, das man im Buchhandel nicht mehr bekommt. Mein Exemplar wurde vor 25 Jahren aus einer öffentlichen Bücherei aussortiert. Und bei jeder Zeile denke ich darüber nach, wer da schon vor mir drin gestöbert hat. Mit Wolfe, von einem Kritiker als „Homer des modernen Amerika“ bezeichnet, werde ich zukünftig immer den leicht modrigen, aber keinesfalls angestaubten, sondern ehrwürdigen Geruch assoziieren. So gerne und intensiv ich Computer, soziale Medien oder die moderne Art der Kommunikation nutze, so sehr möchte ich die alte Form der Literaturvermittlung nicht missen. Ein iPhone ist einfach nicht so sexy wie ein echtes Buch.

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Donnerstag, 9. August 2018 von Pascal Tonnemacher

Warum denn nicht beides?

Ja, ja, die Jugend von morgen wird nur noch am Smartphone kleben und Bücher schon gar nicht mehr kennen. Diese landläufige Kritik am Medienwandel rund um Handys, smarte Lautsprecher und Co. entkräftet mein Großer schon mit drei Jahren. Fürs Wohnzimmer hatten wir uns bereits vor Weihnachten eine Alexa angeschafft. In den letzten Monaten freundeten sich die Kids immer mehr mit ihr an. Ist natürlich unterhaltsam, wenn das kleine schwarze Ding auf Sprachbefehl miaut oder das Intro von Feuerwehrmann Sam abspielt. Auch aus dem anfänglichen „Letza“ wurde ein „Aletza“ – reagieren will sie darauf immer noch nicht, aber es ist ein Schritt nach vorne. Nun bekam der Große in sein Kinderzimmer auch eine Alexa. Die Bibi-Blocksberg-Kassetten-Sammlerei hat damit (irgendwie auch leider) ein Ende. Spotify hat sie alle und noch viel mehr. Doch selbstverständlich bekommen er und sein kleiner Bruder tagsüber von Mama und abends von Papa Bücher vorgelesen – wenn sie denn wollen. Das ist der Knackpunkt meines Erachtens. Denn die Kinder wissen sehr wohl die Vorzüge klassischer als auch neuer Medien zu unterscheiden. So ist der Große beinahe durchgedreht, als „Aletza“ seinen Lieblingssong nicht stoppen wollte, weil er genug hatte und lieber in Ruhe mit Mama reden wollte. Aber auch da wächst er noch rein!

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Mittwoch, 8. August 2018 von Michael Würz

Klugscheißer mit Lerneffekt

Ich fürchte, meine Kollegen können ein Lied davon singen: Kommen mir „Deppenleerzeichen“, falsche Gänsefüßle oder schlimmere Rechtschreibunfälle unter die Augen, ist mit mir nicht gut Kirschen essen. Gut beraten ist dann wohl, wer in der Redaktion einen weiten Bogen um mich macht. Natürlich: Nur derjenige, der nicht schafft, macht keine Fehler (ich mache auch welche). Und dennoch, liebe DHL: Der DHL-Paketbote heißt, verdammt noch mal, nicht DHL Paketbote. Und, lieber NDR, mal ehrlich: Auch das ehrwüdige NDR Philharmonie Orchester hat doch wirklich ein Kompositum, also die Zusammensetzung, verdient. Halbwegs geradeaus zu schreiben – das hat für mich mit Liebe zur Sprache, zumindest aber mit Respekt zu tun. Sie ahnen schon: Ich könnte mir also relativ häufig die Haare raufen.

So ähnlich muss es dem Meteorologen Jörg Kachelmann gehen, der vielen unserer Zunft – vorzugsweise auf Twitter – manchmal im Minutentakt #Vollpfostenjournalismus vorwirft oder halbseidenen Wetterfroschkollegen in unnachahmlicher Weise, genau: #Vollpfostenmeteorologie. Ein bisschen konnte ich Kachelmann jedenfalls verstehen, als es gestern uns erwischt hatte: „Dumm wie die Südwest-Presse“, wetterte der Wettermann. In der Nähe von Freiburg sei die Dreisam durch die Hitze komplett ausgetrocknet, hatten die Kollegen auf unserer Titelseite berichtet. Da war Kachelmann zum Haare raufen. Natürlich war es nicht die Hitze, sondern die Dürre. Eine Petitesse, mögen Sie sagen. Aber es beginnt im Kleinen. Deshalb: Kritik berechtigt, Kollege Klugscheißer.

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Dienstag, 7. August 2018 von Daniel Seeburger

Kälteschock statt Hitzewelle

Am Sonntag war es mir eindeutig zu kalt. Trotz Jacke bekam ich nicht nur einmal so richtige Gänsehaut. Vor allem dann, wenn dicke Wassertropfen auf meine Glatze klatschten. Ich hatte definitiv einen Kälteschock erlitten. Nein, liebe Leser, wir drucken keinen monatealten Artikel versehentlich nochmals. Ich verbrachte meinen Sonntag allerdings auch nicht im Freibad, sondern machte einen Abstecher in die Nebelhöhle bei Genkingen. Während das Thermometer vor dem Höhleneingang selbst im Schatten auf über 30 Grad anstieg, war es einige Meter weiter unten mehr als 20 Grad kühler. Bei acht Grad tropfte zudem das Wasser von der Höhlendecke und ich wurde innerhalb von zwei Minuten vom Hochsommer in den Spätherbst katapultiert. Ungeachtet dessen, dass man gerade bei Hitzewellen in Nebel-, Bären-, Karls- oder Kolbinger Höhle richtig erfrischt wird, sind sie auch noch geologische Sehenswürdigkeiten mit Tropfsteinen, Stalaktiten und Stalagmiten. Wer sich übrigens für eine Höhlenerkundung Anfang November entscheidet, kann den gegenteiligen Effekt erleben. Draußen Frost – drinnen angenehme zehn Grad. Denn die Temperatur in den Höhlen bleibt sommers wie winters fast immer gleich. Nach einer knappen Stunde war es mir dann aber am Sonntag doch zu kalt. Ich ging zurück in die Sonne und genoss erst einmal einen heißen Kaffee – zum Aufwärmen.

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Samstag, 4. August 2018 von Thomas Godawa

Einen kühlen Kopf bewahren

Nicht so ganz einfach, bei den derzeitigen Temperaturen einen kühlen Kopf zu bewahren. Und eigentlich ist es das falsche Bild, denn es geht darum, ruhig zu bleiben, nicht zornig zu werden, Souveränität zu zeigen. Auch nicht immer so ganz einfach in heutigen Zeiten. Um aber nicht am Kopf zu schwitzen und im Büro nicht den Kopf zu verlieren, gibt es etwas Neues. Meine Frau hat es entdeckt, nein, meine jüngste Tochter, und die wohnt in Berlin. Sie hat es für ihren Freund besorgt. Einen nassen Pinguin um den Hals. Hört sich komisch an und ist es auch, denn es ist kein Pinguin, das Tuch heißt nur so: Pinguin Hug.

In den mittleren Teil des Tuches sind Kügelchen in Kissen eingenäht. Diesen Abschnitt legt man in eine Schale kaltes Wasser und wartet eine Weile. Die Kügelchen saugen sich voll. Das Band legt man sich um den Hals und die Verdunstungskälte der Kügelchen kühlt den Hals und den Kopf angenehm und lang anhaltend. Cool.

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