Dienstag, 31. Juli 2018 von Holger Much

Lust auf saure Katzenfiedla?

Unser wunderbarer, einzigartiger Dialekt ist einfach immer wieder ein Quell der Freude und der Faszination. Schwäbisch mag als sprachliche Ausdrucksform ihre eher groben Momente haben, genauso wie die Sprecher dieses Idioms. Gleichzeitig kann man immer wieder wunderbare Redewendungen entdecken. Wer weiß beispielsweise noch, was ein „Potschamber“ ist? Das Wort hat meine Mutter jüngst ausgegraben, und wer ein wenig des Französischen mächtig ist, der kommt von „pot de chambre“ auf die Bedeutung des Nachttopfs – eine Einrichtung, deren Verschwinden ich nicht wirklich nachtrauere. Das Wort ist dennoch herrlich.

Eine freundliche Leserin hat mir jüngst, eingedenk meiner Liebe für abstruse schwäbische Ausdrücke, einen Brief geschrieben mit netten Begriffen darin. Da finden sich die „Glufen“ (Stecknadeln) , samt dem „Glufenmichel“, der einen einfältigen Menschen bezeichnet, ebenso wie der „Meggl“, eine schwäbisch-charmante Bezeichnung für den Kopf. Wer „spreuzt“, der gießt – zur Zeit sehr aktuell – seinen Garten. Und wer sich danach stärken möchte, der gönnt sich etwas, das ich noch nicht kannte – ein „saures Katzenfiedla“ – nämlich einen Wurstsalat.

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Samstag, 28. Juli 2018 von Thomas Godawa

Geht manchmal etwas länger

Passiert Ihnen das auch immer wieder. Sie gehen zum Einkaufen und haben dafür so über den Daumen eine halbe Stunde einkalkuliert. Der Einkaufszettel steckt griffbereit in der Brusttasche des Hemdes, um keine Zeit zu verlieren und in der Regalstraße und am Wurststand auch gleich immer das Richtige aus dem Sortiment herauszunehmen.

Und dann passiert es. Du triffst einen Bekannten, den Erich oder den Uwe oder eine Bekannte, die Sabine oder die Christa. Und schon stockt der ganze gut durchorganisierte Ablauf.

Aber ist das so schlimm? Eigentlich nicht, wenn nicht gerade irgendwelche vorher getroffenen Terminabsprachen in Mitleidenschaft gezogen werden. Oft ist es auch ganz angenehm aus dem Galopp etwas abgebremst zu werden, sich Zeit zu nehmen und sich zu erkundigen. Und nicht selten ist es gar eine Freude einen alten Weggefährten wieder zu treffen und einen kleinen Plausch zu halten. Dann geht das Einkaufen eben manchmal etwas länger.

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Freitag, 27. Juli 2018 von Gudrun Stoll

Das ist des Pudels Kern

Die Welt ist ein Tollhaus, ein Krise jagt die nächste. Und doch gibt es immer wieder Momente, die einen glücklich und froh stimmen. Um auf des Pudels Kern zu kommen: Die Polizei in Baiersbronn hat wohl zum ersten Mal seit Menschengedenken mit einem Foto nach einem Hund gefahndet. Der Vierbeiner hat weder einem unangenehmen Zeitgenossen in die Waden gebissen noch an einen Laternenpfahl gepinkelt.

Timmi ist am Samstag nach dem Öffnen der Haustür einfach seinem 82-jährigen Frauchen entwischt. Sie hatte ihn erst zwei Tage zuvor für ihren vor kurzem verstorbenen Hund bei sich aufgenommen. Die Suche nach dem sechs Jahre alten Pudel blieb erfolglos, in ihrer Not wandte sich die Seniorin schließlich an die Polizei. Diese erwies sich als Freund und Helfer und schrieb Timmi samt Foto zur Fahndung aus. Und siehe da: Wunder gibt es immer wieder. Der braungelockte Vierbeiner hatte irgendwann genug vom Herumstreunen und schloss sich mit feiner Nase am Mittwoch einer Wandergruppe an, die eine Gaststätte ansteuerte. Da Zeitungsleser einfach mehr wissen, wurde der Pudelmann anhand des Fahndungsfotos sofort erkannt. Timmi ist mittlerweile wieder zu Hause. Ende gut, alles gut.

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Donnerstag, 26. Juli 2018 von Holger Much

Einfach mal an Schnee denken

Wenn keiner schaut und niemand es hört, dann ächze ich in der letzten Zeit auch schon mal über die Hitze. Aber nur ein ganz klein wenig. Denn im Gegensatz zu vielen Teilen Deutschlands, in denen es gefühlt seit Monaten nur noch warm und vor allem so trocken ist, dass der Rasen gelb wird – von anderen Teilen Europas zur Zeit gar nicht zu reden – haben wir es hier auf der Alb noch gut. Dennoch hört man immer wieder den Klageruf „Ist das warm“. Denn wenn der Schweiß in Strömen rinnt, das Deo versagt und sich temperaturbedingte Mattigkeit in Hirn und Körper ausbreitet, fühlt man sich schon dazu verleitet, ein wenig zu jammern. Auch ich.

Dann denke ich bewusst an den Winter. Ich denke an eisige Kälte, an morgendliches Schneeschippen, an das nervige Kratzen an zugefrosteten Autoscheiben oder an die oft genug gefährliche Fahrt auf total vereisten Straßen, an düstere Monate ohne Grün, ohne Blumen und Pflanzen und an Schnupfen und Halsweh. Und schwupps, genieße ich die Hitze.

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Mittwoch, 25. Juli 2018 von Gudrun Stoll

Wo geht's denn hin?

Sind die Koffer schon gepackt? Baden-Württemberg startet am Donnerstag in die Schulferien. Als vorletztes Bundesland. Wohin es die Schwaben zieht, hat das Online-Reisebüro „Ab in den Urlaub“ aus den bereits gebuchten Reisen ausgewertet. Wenn es um die schönsten Tage im Jahr geht, lassen sich die Menschen ihre Urlaubspläne weder vom Fußballdebakel, der Rassismusdebatte, den peinlichen Herren aus dem DFB-Elfenbeinturm noch vom Alleinherrscher am Bosporus vermiesen: Ganz oben auf der Liste der Ziele steht die türkische Riviera. Dorthin zieht es 15,8 Prozent der Reisenden.

Obwohl die Mallorquiner die Invasion der Touristen und deren Feierexesse gründlich satt haben, belegt die Baleareninsel im Sommer 2018 Platz zwei auf der Beliebtheitsskala.

Gerne verbringen die Badener und Württemberger den Sommer auch in den ägyptischen Badeorten am Roten Meer oder fliegen auf eine der zahlreichen griechischen Inseln. Auf Korfu oder Kreta, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, gelten Touristen nicht als lästige Plage. Die Einheimischen schreiben Gastfreundschaft und Freundlichkeit groß.

Ein Klassiker bleibt Italien. Und wer gerne zu Hause ausspannt, braucht sich nicht zu verstecken: Auch das Ländle ist „besonders“. Und man muss nicht mal Hochdeutsch können.

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