Mittwoch, 22. Oktober 2008

Sie haben einen Wunsch frei

„Sie haben einen Wunsch frei,“ höre ich neben mir einen jungen Mann sagen, den ich – im Einkaufsstress – um ein Haar gar nicht wahrgenommen hätte. Was schade gewesen wäre, denn er hat mich zum Nachdenken gebracht. Auch wenn er ganz andere Ziele hatte, weil er mir nämlich eigentlich einen neuen Handyvertrag schmackhaft machen wollte. Einen solchen brauche ich aber nicht – und so lenkte mich in den folgenden Minuten nichts davon ab, mir den Kopf darüber zu zerbrechen, was eigentlich mein größter Wunsch wäre. Auch wenn Sie jetzt neugierig sind: Ich werde Ihnen meinen Wunsch nicht verraten. Viel wichtiger scheint mir, dass ich erkannt habe, wie wichtig es ist, Wünsche zu haben. Wer keine hat, strebt nicht nach vorn, sondern hat sich für den Stillstand entschieden. Dabei ist's mit den Wünschen ja so eine Sache: Ein Wunsch, hat einmal ein bekannter Schriftsteller gesagt, kann durch nichts mehr verlieren, als dadurch, dass er in Erfüllung geht. Was wohl heißt, dass ich mir wünschen muss, dass mein oben erwähnter Wunsch nicht in Erfüllung geht...

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Dienstag, 21. Oktober 2008

Gehämmer im Garten

Es begann vor zehn Tagen, in der Nacht als über Balingen die Regenmassen hereingebrochen waren. Das Unwetter hatte sich gerade verzogen, da klopfte es leise, irgendwo draußen in der Dunkelheit. Eiligst anberaumte Reparaturarbeiten wegen möglicher Wasserschäden war am nächsten Morgen die scheinbare Lösung der nächtlichen Aktivitäten. Doch das Hämmern kehrte zurück. Immer dann wenig in unserm Viertel abends Ruhe einkehrte. Oder morgens, wenn die Natur erwacht, der Mensch aber größtenteils noch ruht. Mit der Zeit kam mir das stakkato-artige Gehämmer bekannt vor. Allerdings aus dem Wald, nicht aus dem eigenen Garten.

Des Rätsels Lösung: Ein Buntspecht hat sich unseren großen Apfelbaum für sein Tag- und Nachtwerk auserkoren. Eine schöne ornithologische Abwechslung vor der eigenen Hautür. Insgeheim hoffe ich schon, dass sich „Dendrocopos major“ unseren Apfelbaum nicht nur vorübergehend als Futterquelle auserkoren hat, sondern kräftig weiter hämmert und seinem Namen als „Höhlenbrüter“ alle Ehre macht. Das werde ich aber wohl erst im kommenden Frühsommer wissen. Bis dahin bleibt nur die Hoffnung, dass das Hämmern seine Fortsetzung findet.

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Samstag, 18. Oktober 2008

Es geht nichts über Papier

Mögen Sie Bücher? Ich schon. Kaum etwas mache ich lieber, als in einem Buchladen die Regale zu durchstöbern, hier reinzublättern, dort „testzulesen“ und schließlich die literarische Errungenschaft stolz nach Hause zu tragen. Kaum bin ich daheim, werfe ich mich aufs Sofa und vertiefe mich mit allen Sinnen in den neuen Roman: Voller Spannung blättere ich Seite für Seite um, spüre das Papier zwischen den Fingern – mal ist es dick und störrisch, mal dünn und Bibelpapier ähnlich – und ertaste in einer Lesepause den in den Einband geprägten Buchtitel.

Die neue Generation der so genannten E-Books dagegen, die derzeit auf der Frankfurter Buchmesse mit großem medialem Wirbel präsentiert werden, sind mir ein Graus. Klein und handlich sind die elektronischen Lesegeräte. In null Komma nix kann man den neusten Roman des Lieblingsautors aus dem Internet direkt auf sein E-Book laden und sofort loslesen. Ich gebe zu, praktisch ist das ja schon. Aber der gesamte Genuss rund ums Lesen bleibt dabei auf der Strecke: kein Stöbern im Buchladen, kein „Umblätter-Erlebnis“ und schließlich auch kein sorgfältiges Einordnen ins heimische Bücherregal. Nein, auch wenn ich mich sonst gegen elektronische Neuheiten nicht verschließe, ein E-Book kommt mir nicht in die Tüte.

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Freitag, 17. Oktober 2008

Humor geht mit Anspruch

Heute soll es soweit sein: Marcel Reich-Ranicki, der im Rahmen der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises seine Berufung zum strafenden Donnergott entdeckte und erfrischend saftig vom Leder zog gegen den „Dreck“, der das zeitgenössische Deutsche Fernsehprogramm charakterisiere, wird heute mit Thomas Gottschalk über das Jammertal TV sprechen.

Bildungsauftrag ade, Spaß komm raus auf größt möglichem Nenner – das wollte der Literaturpapst nicht mehr unterstützen und sagte brutal ehrlich, was sich sonst keiner traut im großen bunten Medienzirkus. Und viele reiben sich dennoch heimlich und zufrieden die Hände. Denn Reich-Ranicki, selbst beileibe den Segnungen der Fernsehwelt nicht abhold und kein Kind von Traurigkeit, hört man gern zu.

„Endlich sagt einer, der einen entsprechenden Namen hat, mal, was Sache ist“, freut sich auch Richard Rogler gestern im Telefongespräch mit mir. Dem politischen Kabarettisten, Professor für Kabarett und Ex-Scheibenwischer-Mitstreiter stinkt es schon lange, wie mit Beiträgen anspruchsvollen Inhaltes im Fernsehen umgegangen werde: Verbannt auf nächtliche Sendeplätze. „Deshalb mache ich kein Fernsehen mehr“, konstatiert er, der, präsentiert vom ZOLLERN-ALB-KURIER, am 22. Oktober im Thalia Theater auftritt. Dort will er zeigen, dass Humor auch mit Anspruch geht.

Schön, wenn es noch Streiter für Inhalt, Geist und Botschaft gibt. Schön, wenn sie trotz allem ihren Humor behalten. Und schön, wenn sie sogar Gehör finden.

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Donnerstag, 16. Oktober 2008

Die Flut der Karten

Wie käme unsere Gesellschaft heute auch zurecht, wenn es nicht den Werkstoff Plastik gebe. Kein Mensch wäre im Besitz einer Karte, weder einer Kreditkarte, noch einer Mitgliedskarte, einer Bonuskarte, einer Service-Karte, einer Club-Karte, einer Karte für das Firmentor oder den Arbeitsplatz und was man sich sonst noch alles denken kann. Nur mit Karte ist Mann oder Frau dabei. Sie gehören dann zum inneren Zirkel, zu den auserwählten, denen, die auch auf die Internetseite dürfen und Online bestellen. Es gibt Bonuspunkte und Prämien und man wird als Kunde umworben und informiert. Doch die Flut der Karten kann auch zum Fluch der Karten werden. Wo sie unterbringen, aufbewahren, sortieren. In den normalen Geldbeutel passen sie von der Zahl und vom Umfang her schon lang nicht mehr. Und doch, nicht von allen kann man ganz lassen, sind sie einem doch zur Gewohnheit geworden, beim Geldholen am Automaten, beim Tanken, beim Einkaufen, beim Buchen. Einfach einschieben und Nummer eingeben, diesen Fluch werden wir wohl nicht mehr los.

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