Mittwoch, 2. Juli 2008

Das kann teuer werden

Die Sonnwendfeuer sind abgebrannt und wenn die Entwicklung so weiter geht, dann sind im Herbst auch etliche private Haushalte so weit. Dann werden zwangsläufig nicht nur die Tage kürzer , sondern auch die Einkaufslisten. Denn aufgefressen werden die teilweise erstreikten Lohnerhöhungen vom Ölpreis und von den steigenden Nahrungsmittelpreisen. Aber inzwischen ziehen alle anderen nach, wie erstaunlich. Die Stahlindustrie zum Beispiel braucht viel Energie, Energie ist aber teuer, also wird auch das Produkt Stahl teurer. Und diese Anhebung der Preise wird an den Kunden weiter gegeben. Aber aus Stahl werden Autos gebaut und die Automobilindustrie wird ebenfalls versuchen, den Preis an die Kunden weiter zu geben. Die können sich aber die teureren Autos und Spritpreise nicht mehr leisten. Dann werden keine Autos mehr verkauft und dann kommt der Stellenabbau. Und das kann für alle richtig teuer werden.

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Dienstag, 1. Juli 2008

Fußball – Fast schmerzlos

Beinahe 26 Millionen Deutsche verfolgten das EM-Endspiel ihrer Elf vor der Mattscheibe in den eigenen vier Wänden. Hinzu kommen natürlich noch mehrere Millionen, welche das Wiener Finale öffentlich, in siegesseliger Laune gleich Gesinnter vor Großleinwänden begleiteten. Nur, dass am Ende von Feierlust nicht viel übrig blieb. Die Ernüchterung siegte, Depri-Stimmung machte sich breit und für manchen kam das Null-zu-eins einem Weltuntergang gleich. Sich der schicksalhaften Faszination des runden Leders entziehen konnte sich wohl keiner ganz, selbst ein bekennender Nicht-Fußballfan, wie ich es bin, nicht. Aber habe ich zumindest einen Weg gefunden, eine drohende Niederlage sehr erträglich zu gestalten. Nämlich das Spiel erst gar nicht anzuschauen. Zwar den Fernseher laufen lassen, diesen aber stumm schalten und statt im Wohnzimmer mitzufiebern lieber im Heimbüro am Computer arbeiten. Schon beim Spiel gegen die Türken hat sich diese Variante bewährt. Dringen dann plötzlich Böllerschüsse, Gehupe und Jubelschreie durchs geöffnete Fenster, reicht's locker, den Treffer in der Zeitlupe noch mitzubekommen und um sich mit zu freuen. Bleibt es hingegen absolut leise – so wie leider am Sonntag Abend – ist wenigstens die Enttäuschung über die deutsche Torlosigkeit und über die gegnerischen Treffer nicht ganz so stechend.

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Samstag, 28. Juni 2008

Harmonie in schwarz

Eine Szene auf dem Balinger Wochenmarkt werde ich wohl nie vergessen: Eine ältere Dame sucht bedächtig am Gemüsestand ihrer Wahl nach den Zutaten ihres Sonntagsschmauses. In einer Seelenruhe geht die zierliche Frau ihrer Arbeit nach. Plötzlich schaut sie auf und bemerkt den jungen Mann neben ihr. Ein wahrer Hüne, mindestens 1,90 Meter groß, lange Haare und in voller Heavy-Metal-Kluft. Die äußerlich so ungleichen Marktbesucher kommen schnell ins Gespräch, diskutieren über Tomaten und Gurken und fangen an zu lachen. Keine Berührungsängste, keine Vorurteile. Diese Szene steht für mich stellvertretend für das Balinger Metal-Open-Air. Seit mittlerweile zehn Jahren versammeln sich auf dem Messegelände die Freunde der härteren Klänge, feiern ihre Musikhelden und vor allem auch sich selbst. Denn die Metaller sind wie eine große Familie, das Bang Your Head das jährliche Familienfest. Für viele Metal-Fans stellt die Open-Air-Veranstaltung am Fuße der Alb die schönste Zeit im Jahr dar, und das merkt man an allen Ecken und Enden der Stadt. Denn wo die vornehmlich schwarz gekleideten Musikfreunde auftauchen, herrscht Stimmung. Ob aus Skandinavien, Mittel- oder Osteuropa oder gar Übersee, alle verstehen sich blendend trotz Sprachbarriere, verbrüdern sich und haben einfach eine tolle Zeit unter Freunden. Ein friedliches Miteinander, Völkerverständigung wie sie sein sollte. Nicht nur den Politikern sollte die an den Tag gelegte Toleranz und Offenheit ein gutes Beispiel sein.

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Freitag, 27. Juni 2008

Hehres Ziel der Schwermetaller

Wir wissen nicht, was Ihnen Ihr Hausarzt rät - drei Liter Flüssigkeitsaufnahme am Tag aber sei, so bestätigen alte Hausrezepte, eine durchaus akzeptable Hausnummer.

Ob Medizinmänner diese drei Liter mit sechs Halben gleichsetzen würden? Zumindest scheinen sich die Wirtsleute und Veranstalter unseres diesjährigen „Bang your heads“ das Rezept zu Herzen genommen zu haben: Ihre Gäste müssen trinken, angesichts erwarteter hochsommerlicher Temperaturen ein jeder möglichst drei Liter am Tag, sprich zwölf Halbe an beiden Festivaltagen oder 90 000 Liter Gerstensaft für 15 000 Fans. Wohl weil man sich nicht nachsagen lassen möchte, wie weiland 2005, mit knapp 64 000 Litern seien 20 000 BYH-Fans fast ausgetrocknet am Festivalende nach Hause geschickt worden.

Haben wir da etwas missverstanden? Ist solch hehres Ziel, wie Horst Franz und Erwin Feucht es heuer propagieren, ein bislang verkanntes Prädikat für ungetrübten Genuss phonstarken Schwermetall-Sounds? Nein, nein, das kann nicht sein.

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Donnerstag, 26. Juni 2008

Schnüffelhandy für faule Eltern

Ich schaue nicht gern Fernsehen. Nicht aus kulturpessimistischer Antihaltung heraus, aber in meinen dreißig Programmen finde ich zwischen der 100sten Oldie- Show mit Olli „Hallöchen“ Geissen, getauschten Müttern und auswandernden Deutschen einfach nichts, was mich anspricht.

Jüngst jedoch war ich fasziniert. Da bietet ein Kindersender tatsächlich Kinderhandys mit Eltern-Spezialfunktion an. Der Beitrag zeigt euphorisierte Minderjährige, die überglücklich sind, weil sie mit eigenem Handy nun endlich „dazugehören“, während mindestens ebenso penetrant glückliche Eltern ihr Kind bespitzeln, nämlich über die mit einem Computerprogramm verbundenen Ortungsvorrichtung im Handy.

Schöne, blödsinnige neue Welt. Schuldbewusst bin ich mit meinen beiden gleich zum nächsten Spielplatz gefahren. Da hatten sie tatsächlich Spaß ohne Handy und ich hatte sie im Auge. Auch ohne Handy. Man staunt: Es geht noch..

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