Mittwoch, 15. Oktober 2008

Ein Lob der Roten Wurst

Immer samstags beschäftigt sich der Gastro-Kritiker Jürgen Dollase in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit den Höhen und Tiefen der „Haute Cuisine“. Der Stil Dollases ist grandios. Man wähnt sich in einem philosophischen Oberseminar, wenn der frühere Rockmusiker („Wallenstein“) über die „Textur“ und die „Sensorik“ verschiedener Speisen referiert. Da legen sich bei den Ravioli „zwei kleine Milch-Sphären“ wie „ein sanfter Vorhang über die beiden Basiselemente aus kräftig aromatisierten Linsen und Kaviar“. Dollase hofft auf ein „sensibles Verständnis des Essers“ und fordert diesen auf, diese Sphären ja nicht zu zerkauen, sondern dezent mit der Zunge zu zerdrücken .

Der Schwabe hat ein eher praktisches Verhältnis zum Essen. Am Sonntag traf ich nach einer Wanderung über Oberhohenberg und Hochberg abgekämpft auf dem Lemberg. Das kulinarische Angebot in der Albvereinshütte war reduziert, aber regionaltypisch. Es gab Rote Würste und Bauernbratwürste – in schwäbischer Metzgerqualität. Ich nahm die Rote. Mit einem sensiblen Essverständnis ist man dieser schwäbischen Spezialität allerdings nicht beizukommen. Da ist ein kräftiges Hineinbeißen Pflicht – nur dann streichen die deftigen Aromen in voller Kraft über den Gaumen. Das Geschmackserlebnis ist phänomenal. Vor allem, wenn die Wurst auf der Zunge von einem Hauch mittelscharfen Senfs dezent umspielt wird. Dazu mundet ein süffiges Export viel besser als ein „Grand Cru“. Das ganze kostet zusammen schlappe 3,50 Euro. Ich war glücklich – wer isst schon Ravioli mit Linsen?!

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Dienstag, 14. Oktober 2008

„Der macht den Kuranyi“

Es ist doch eigentlich kaum zu glauben, wie schnell jemandem aus einem, na, sagen wir mal, Ausrutscher, ein Strick gedreht wird. Da verlässt Kevin Kuranyi etwas früher das Stadion, offenbar aus Frust, weil er jüngst nicht selbst auf dem Rasen, zusammen mit 19 anderen Feldspielern, einem Fußball hinterher jagen durfte. Naja, vielleicht nicht gerade die feine Art, um den Teamgeist zu stützen, aber dass der arme Kerl im Nachklang gleich für soviel Zündstoff, „Hau-den-Lukas“ oder gar für den Wetterbericht herhalten muss? Ja, tatsächlich: Gestern morgen sagte doch glatt der Radiosprecher in SWR1, als es ums Auflösen von Früh-Nebelfeldern ging: „Die machen den Kuranyi; sie verziehen sich.“ Na gut: Wenn der Schalke-Kicker gegenwärtig schon nicht aufgrund seiner fußballerischen Fähigkeiten aufzufallen vermag, so bringt es sein Nachname immerhin zum geflügelten Wort. Auf dem grünen Rasen ist der Stürmer jedenfalls gerade „Kerkeling“: Er ist dann mal weg...

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Samstag, 11. Oktober 2008

Mit dem Bussle unter die Leut'

Mit seinem Einkaufsangebot braucht Meßstetten den Vergleich mit gleich großen Städten nicht zu scheuen. Sowohl im Zentrum als auch auf der grünen Wiese locken zahlreiche „Schnäppchentempel“ mit Angeboten. Da werden die großen Familienkombis Samstag für Samstag gefüllt bis unters Dach. Aber was ist mit den älteren und behinderten Mitbürgern, die kein Auto haben oder Verwandte, die für sie die Besorgungen machen? In den so genannten TOP-7-Heuberg-Gemeinden greift da zum Beispiel der Verein „Hilfe von Haus zu Haus“ ein, in der Heubergstadt fährt ab dem 21. Oktober zweimal in der Woche ein „Einkaufsbussle“. Wer den Dienst in Anspruch nehmen will, muss sich einfach einen Tag vorher im Rathaus melden. Der kostenlose Fahrdienst geht auf die Initiative der Wählervereinigung zurück. Bei der Umsetzung hilft der eh schon rührige Altenhilfeförderverein mit. Vielleicht macht ja dieses Beispiel Schule. Denn ein weiterer wichtiger Aspekt ist, die Menschen kommen unter die Leut'. Viele verbringen den ganzen Tag im stillen Kämmerlein, ohne irgendwelche sozialen Kontakte. Und da ist es doch schön, an der Wursttheke oder in der Bäckerei eine Jahrgängerin oder einen früheren Schulfreund wieder zu treffen, ein kleines „Schwätzle“ inklusive.

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Freitag, 10. Oktober 2008

Nass erwischt!

Seit der Hochwasserkatastrophe im Killertal am 2. Juni sind wir Zollernälbler sensibilisiert und hören ganz genau hin bei den täglichen Wettermeldungen – zumal es uns als Redakteure bei den Bereitschaftsdiensten zu jeder Zeit erwischen kann. Am Mittwoch hatte ich Bereitschaft. Ich habe die Wettermeldung gehört und beruhigt vorm Fernsehen Platz genommen. Als der Bildschirm zu flimmern angefangen hat, habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich habe einfach umgeschaltet. Pustekuchen. Jeder Sender flimmerte – in der Regel ein Zeichen, dass es stürmt oder extrem stark regnet. Spätestens jetzt klingelten alle Alarmglocken. Dann blieb eh keine Zeit mehr für die Glotze. Das Telefon klingelte: Rein in die Regenjacke, die Trekkingschuhe an und los zu den vielen Hochwasser-Einsätzen in dieser Nacht. Kalt, nein, nass erwischt. Beruhigend zu wissen, dass ich nicht die Einzige war, der es so ergangen ist. Meinte doch ein Endinger Feuerwehrmann kopfschüttelnd, während er in Heselwangen einen Keller auspumpte: „Jetzt kündigad die Wetterfrösch' doch jedan Tropfen an und heut' hond se vom vereinzelta Regenschauern g'schwätzt.“ Er hat weitergearbeitet. Ich übrigens auch, denn in meinem Keller stand das Wasser ebenfalls zentimeterhoch.

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Donnerstag, 9. Oktober 2008

Hilfsbereitschaft in der Not

Es gibt sie schon, die Momente, in denen man gerne bereit ist, das Leben durch einen graue, triste Brille zu betrachten. Und Schlagzeilen von einer steigenden gesellschaftlichen Kälte, die auch vor dem Miteinander der Menschen nicht Halt mache, vor grassierendem Egoismus und Kaltschnäuzigkeit den Problemen anderer gegenüber, glaubt man angesichts mancher Vorkommnisse nur allzu gern. Manchmal.

Dennoch darf man auch die gegenteiligen Erfahrungen nicht ignorieren. Erst dieses Wochenende hatte ich solch ein Erlebnis. Während des Sonntagsdienstes beschloss ich, kurz für fünf Minuten frische Luft zu schnappen. Kaum war ich zur Tür draußen, passierte es: Eine ältere Dame, die offenbar mit ihrer Tochter unterwegs war, stolperte und stürzte mit einem unterdrückten Schmerzensschrei unglücklich aufs Pflaster. Es ging so schnell, man registrierte es erst wirklich, als sie hilflos am Boden lag und ihre Tochter sich besorgt zu ihr hinkniete.

Doch gleich nach der ersten Schrecksekunde sprangen zwei jüngere Männer vom benachbarten Café hinzu, um der Frau auf- und ihr in einen der Stühle des Straßencafés zu helfen. Ein dritter stellte das Kuchentablett auf den Tisch und ein junges Mädchen kam, um Taschentücher anzubieten, da die ältere Dame aus der Nase blutete. Dies alles innerhalb weniger Sekunden, spontan und von Herzen.

So schlimm der Sturz für die Frau sicherlich war, so tröstlich war dennoch die Versicherung: Es gibt sie immer wieder, die Momente, in denen Mitmenschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Wärme einem anderen gegenüber zählen. Und das tut einfach gut.

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