Mittwoch, 20. August 2008

Auf den ersten Blick

Der erste Eindruck ist entscheidend. In Sekundenschnelle, sagen die Wissenschaftler, entscheiden wir darüber, ob wir einen Menschen sympathisch finden oder nicht, ob wir Freund oder Feind in ihm wittern. Aber mit dem Augenkontakt ist es so eine Sache. Denn der direkte Blick ins Gesicht des Anderen sollte wohldosiert sein. Wir möchten zwar wahrgenommen werden, aber nicht angestarrt. Schrumpft der Abstand zwischen Fremden zu stark – zum Beispiel in einem voll besetzten Aufzug – wird's manch einem unangenehm und er schaut lieber auf den Boden. Ein direkter Blick ist eine Aufforderung, verrät die Bereitschaft, in Kontakt zu treten. Und signalisiert Ehrlichkeit. Man sagt: Wer die „Fenster der Seele“ nicht öffnet, wer einem also nicht in die Augen schauen kann, dem ist nicht zu trauen. Interessanterweise haben sich Verkehrsplaner in einem niederländischen Städtchen die Sache mit dem Augenkontakt zu Nutze gemacht. Verkehrsschilder, Ampeln und Gehwege wurden abgeschafft, Unfälle gibt es aber wohl trotzdem keine. Denn wenn man nicht weiß, was man tun soll, sucht man Blickkontakt, um sich auf diese Weise zu verständigen – und dann kann offenbar gar nichts mehr schief gehen.

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Dienstag, 19. August 2008

Einfach loslassen

Das Gespräch im Straßencafé ergab sich rein zufällig. „Irgendwann muss man einfach loslassen“, sagte die Frau am Nebentisch. Sechzig ist sie gerade geworden. Um Missverständnissen vorzubeugen: Mit dem Loslassen meinte sie weder den Ehemann noch die bisherigen Lebenspfade. Mit einem Blick hatte sie meine Leidenschaft fürs Sammeln erkannt. An den vollbepackten Tüten. Flohmarktschnäppchen. Romane und Bildbände, erstanden für wenige Euros. Uhren für die stattliche Sammlung. Kruscht, Krempel und so manche Rarität. Der Besuch von Flohmärkten macht riesigen Spaß. Aber alles hat seine Zeit - und eine Wohnung ihre Grenzen.

Loslassen hieß daher die Devise für einige Tage des Urlaubs. Trödel wanderte streng sortiert in den Müll, im gut gefüllten Kleiderschrank hat die konsequente Inventur für reichlich Platz gesorgt. Auch der Bücherschrank, gehütet wie ein Schatzkästlein, kann nach strenger Auslese wieder Atem holen. Der Erfolg ist phänomenal: Die Wohnung scheint wie neu. Aber was noch viel wichtiger ist: Entrümpeln befreit auch die Seele.

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Samstag, 16. August 2008

Der passende Rechtsanwalt?

In einer Pressemitteilung kündigt die „anwalt.de services AG“ an, dass das von ihr betriebene, bundesweite Web-Portal für die Anwaltssuche im Internet einer umfassenden Überarbeitung unterzogen wurde, unter anderem mit dem Ziel, dass der Rechtsratsuchende noch schneller zum geeigneten Anwalt finde.

Gibt man bei der Suche nach einem „passenden Rechtsanwalt“ auf der Zugangsseite des Portals Albstadt ein, ergeben sich „sechs Treffer“, darunter ein Volltreffer. Ganz vorne auf der Liste findet sich ein Ebinger Anwalt, der sich immer noch freut, den Ratsuchenden auf seinem Profil bei www.anwalt.de begrüßen zu dürfen. Gleichzeitig empfiehlt er aktuell seine Hilfe unter anderem im Bereich Insolvenzrecht.

Doch wie kann ein Anwalt noch werben, gegen den seit Anfang des Jahres gerichtlich ein vorläufiges Berufsverbot verhängt wurde? Der 49-jährige muss sich ab 6. Oktober wegen knapp 100 Fällen der schweren Untreue vor der großen Strafkammer am Hechinger Landgericht verantworten. Bei der Bearbeitung von Insolvenzsachen hat er laut den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft rund 800 000 Euro unterschlagen.

Vom laut eigenen Angaben „Vorreiter und heutigen Marktführer der deutschen Rechtsanwaltsverzeichnisse“ könnte man mehr Aktualität erwarten.

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Freitag, 15. August 2008

Einkaufen kostet Geduld

Es ist Abend, die Arbeit erledigt und die Couch lockt zum gemütlichen Fernsehabend. Allerdings fehlen dazu noch die Verpflegung, also schnell in den Supermarkt. Aber Vorsicht, von wegen schnell! Kaum hat man den Lebensmittelmarkt betreten, wird einem der Weg verstellt. Von einem Einkaufswagen, an dessen Lenkerstange gemütlich eine Kundin hängt. Als gäbe es nichts schöneres auf der Welt, rollt sie langsam und bedächtig durch den Supermarktgang, sieht sich jedes Produkt mit den Händen an und schwenkt völlig unvorhersehbar von der rechten Gangseite auf die linke und wieder zurück. Vorbeikommen? Unmöglich! Nach zwei bis drei missglückten Überholversuchen bleibt einem nichts übrig, als selbst den Schritt zu verlangsamen und auf die einzig richtige Chance zum Überholen zu warten: Dann, wenn sich der Supermarktgang gabelt. Endlich, die Kreuzung ist erreicht. Schnell biege ich rechts ab, packe im Vorbeihasten die ersehnte Tüte Chips und stürme in Richtung Kassen. Aber auch hier heißt es warten. Warten, bis die fünf Kunden vor mir ihren gesamten Wocheneinkauf aufs Band gehievt, bezahlt und wieder eingepackt haben. Endlich bin ich an der Reihe. Meine Chips wandern über den Scanner, doch was ihnen fehlt, ist ein Preis. Ich seufze tief – und übe mich erneut in Geduld.

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Donnerstag, 14. August 2008

Ritter der Landstraße

Jetzt trifft man sie wieder, die lebensmüden Ritter der Landstraße. Kaum beginnt die Dämmerung, huschen sie mit ihren nicht straßenverkehrstauglichen Rennrädern durch die Nacht. Plötzlich ein schemenhaftes Etwas – und schon vorbei. Da bleibt keine Zeit, um sich verwundert die Augen zu reiben. Glücklich, der nicht schreckhafte Autofahrer, der bei dieser etwas anderen Begegnung der unheimlichen Art nicht das Lenkrad verrissen hat. Glück auch für den Rennradfahrer, dass er nicht vom Auto erfasst wurde. Denn bei aller Gedankenlosigkeit dieser Rennradfahrer bleibt zu hoffen, das sie nie schneller Radfahren als ihr Schutzengel fliegen kann.

Diese unverbesserlichen Ritter der Landstraße gefährden nicht nur sich, sondern auch die Seelenruhe so manchen Autofahrers. Doch vielleicht gehört dieser Kick zu ihrem Lebensgefühl dazu. Denn ihnen gehört die Landstraße, es ist ihr Sportplatz. Sehr wahrscheinlich ist es der gleich Typus Rennradfahrer, der – obgleich keine zwei Meter entfernt parallel ein Radweg verläuft – sich mit seinem Sportgerät als Verkehrshindernis präsentieren muss. Gnade, wenn sie in Massen auftauchen, doch das ist wieder eine andere Geschichte.

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