Dienstag, 11. September 2018 von Nicole Leukhardt

Schlaf gut, Helikopterkind

Kinder sind eine absolute Bereicherung. Daran soll kein Zweifel aufkommen, wenngleich ich vor meiner Mutterschaft eine eher naive Sicht auf manche Dinge hatte. Seit der Geburt meiner Tochter lande ich öfter auf dem Boden der Tatsachen als mir lieb ist. Manchmal sogar beinahe im Wortsinn. Denn wer glaubt, ein Kind im Gräbele liege einfach nur da und kuschle sich allenfalls hin und wieder schutzsuchend, von Albträumen geplagt, an Mamas oder Papas Schulter, hat entweder keine Kinder oder kein Gräbele oder ein schlechtes Gedächtnis. Unsere Fünfjährige im Elternbett entwickelt durch fortwährende Rotation um die eigene Achse das Raumbedürfnis eines landenden Helikopters, dessen Pilot die erste Flugstunde absolviert. Mal liegt ein Kopf auf dem Kissen neben mir, mal Füße. Mal liegen auch Kind und Kissen auf mir. Früher hatte ich eine REM-Phase, heute habe ich eine Ramm-Phase. Die Einzige, die sich morgens genüsslich streckt und von den nächtlichen Exkursionen quer durch zwei Betten und retour nichts mitgekriegt hat, ist meine Tochter. Dafür gab sie mir nach unserer Diskussion neulich, wer in welchem Bett am besten aufgehoben wäre, einen guten Tipp: „Es ist schon ok, wenn ich bei Euch bin. Die Mama müsste sich halt manchmal ein biiisschen dünner machen.“ Na dann – gute Nacht, geliebter Helikopter.

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Samstag, 8. September 2018 von Holger Much

Dieser Kuchen bringt Herbst

Drei von vier Jahreszeiten mag ich. Den Frühling mit seinem zarten Erwachsen, den Sommer mit seiner Kraft und Fülle und den langen, lauen Nächten, die einem erlauben, auch nach Feierabend noch draußen zu sitzen, und den Herbst.

Letzterer macht mich allerdings schon etwas melancholisch. Denn bei aller Pracht von bunt gefärbtem Laub, bei der Schönheit goldenen Lichts, das sich in den Morgennebeln bricht, so bedeutet die dritte Jahreszeit doch auch einfach ein langsames Sterben hin zum Winter.

Über solcherlei düstere Gedanken trösten natürlich manche wunderbaren Dinge hinweg wie das eben erwähnte bunte Laub, durch das man raschelnd durch den duftenden Herbstwald laufen kann. Oder die Jahr für Jahr große Faszination von glänzenden runden Kastanien.

Als ich jüngst zur Arbeit fuhr, fiel mir sofort ein großes Schild auf, das vor meiner Nachbarsbäckerei aufmerksamkeitsheischend auf dem Fußweg stand. In großen Lettern war dort zu lesen: „Frischer Rahmzwiebelkuchen“. Und während mir einerseits das Wasser im Munde zusammen lief, vor allem bei der Vorstellung, ein Glas frischen Suser dazu zu trinken, war mit gleichzeitig schmerzlich bewusst: Jetzt ist der Herbst gekommen. Denn der kommt nicht etwa, wenn es im Kalender steht, sondern dann. wenn es Zwiebelkuchen gibt.

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Freitag, 7. September 2018 von Lydia Wania-Dreher

Ballast abwerfen

Kofferpacken ist eine Kunst für sich. Und ich falle eindeutig in die Kategorie Minimalismus. Das habe ich erst neulich wieder gedacht. Da verstaute ich meine sieben Sachen für ein verlängertes Wanderwochenende in einem Rucksack. Bei jedem Teil überlegte ich mir, ob ich es wirklich brauche, oder ob es nicht auch ohne geht. Und am Ende blieb mal wieder erstaunlich wenig übrig: Kamm und Haarspray braucht kein Mensch in den Bergen – eine einfache Bürste tut es auch. Das kleine 3-in-1-Duschgel ersetzt Seife, Shampoo und Gesichtsreinigung. Und eine warme Jacke reicht vollkommen. So blieb mein Rucksack leicht und mein Rücken freute sich.

Aber auch bei anderen Urlauben packe ich à la Minimal-Art. Oft habe ich den kleinsten Koffer von allen dabei. Statt zig T-Shirts nehme ich lieber Rei aus der Tube mit. Wenn ich dann die großen Taschen der anderen sehe, freue ich mich immer, dass ich nicht so viel Ballast mit mir rumschleppen muss und mit wenig auskomme. Vermisst habe ich bisher übrigens noch nichts. Im Gegenteil, wenn ich nach dem Urlaub alles wieder auspacke, ärgere ich mich über die Dinge, die ich gar nicht gebraucht habe.

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Donnerstag, 6. September 2018 von Nicole Leukhardt

Aber bitte mit Schlagobers!

Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen – dieses Sprichwort wird Goethe zugeschrieben. Was Goethe verschwieg – man kann drei Fremdsprachen relativ gut beherrschen und in Österreich trotzdem an der Speisekarte scheitern. Im Café Graf Leopold, just unterhalb des Grazer Uhrturms, blätterte ich mit knurrendem Magen durch die Speisenauswahl. Dass man in Österreich nicht einfach Kaffee trinkt, sondern einen Braunen oder einen Verlängerten mit Schlagobers bestellt, finde ich ganz charmant. Ich ging trotzdem auf Nummer sicher und bestellte einfach Cappuccino. Auch unter einem Antipastiglaserl konnte ich mir noch etwas vorstellen. Endgültig ratlos ließ mich allerdings das Angebot „Verhackert oder Grammelschmalz im Glas“ zurück. Die Googlesuche war hilfreich: Verhackert ist ein Brotaufstrich aus Speck, Grammelschmalz ist auf der Alb als Griebenschmalz bekannt. Wer die Speisekarte ins Englische übersetzt hat, war wohl trotzdem kein Goethe-Fan. Denn aus „Verhackert oder Grammelschmalz“ wurde „Verhackert or Kren (horseradish)“. Und wie das Schmalz zum Meerrettich wird, ist vermutlich ein weiteres gut gehütetes Geheimnis steirischer Küche.

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Mittwoch, 5. September 2018 von Volker Bitzer

Dicke Luft unter dem Schirm

Sommerzeit ist Freiluft-Vergnügen. Was gibt es Schöneres, als draußen im Biergarten oder auf der Terrasse eines Restaurants die warmen Monate zu genießen? Bei einem kühlen Pils, 'nem schönen Rosé, einem Eisbecher oder einem Cappuccino. Das am besten im wohltuenden Schatten, von obenher gut beschirmt gegen die Sonne.

? Ja, das kann so richtig Spaß machen. Wäre da nicht hin und wieder richtig dicke Luft unter den großen Sonnenschirmen, die – geschickt überlappend aneinander gereiht – wie ein Dach für Behaglichkeit sorgen. Allerdings so auch den stinkenden Qualm der Raucher wie eine Dunstglocke über den Tischen halten. Das kann bisweilen so schlimm sein, dass man selbst im Sommer lieber im rauchfreien Innenraum sitzt.

? Die Gastronomie – bislang leider nur die etwas gehobenere – hat aber dankenswerterweise reagiert: Hier darf auch im Außenbereich nicht an allen Tischen frei drauflos gepafft werden. Hier gibt's, ausreichend distanziert, das Rauchereck: mit hindernislosem Abzug des blauen Dunstes gen Himmel. Freie Bahn also für ungesunde Laster. Und frischere Luft für leidende Mitmenschen.

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