Dienstag, 8. Mai 2018 von Daniel Seeburger

Literatur stinkt

Nun hat es also auch den Literaturnobelpreis erwischt. Im Hintergrund des Nobel-Komitees liefen Dinge, die nicht in Ordnung waren. Korruption, sexueller Missbrauch, Günstlingswirtschaft lauten die Vorwürfe. In diesem Jahr wird der Preis nicht vergeben. Es ist offensichtlich. In den höchsten Etagen des Literaturbetriebs stinkt es ganz gewaltig. Dass nicht nur dieser stinkt, sondern selbst Bücher einen eigenwilligen Geruch haben können, wurde mir bei einem knapp zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt klar. Zu einer schweren Operation nahm ich den 1280-Seiten-Schmöker „Das achte Leben (Für Brilka)“ der georgischen Autorin Nino Haratischwili mit in die Klinik. Dort bildete ich mir ein, die Infusionen, die mir täglich verabreicht wurden, hätten einen üblen Eigengeruch. Als ich wieder zu Hause war, hatte ich den Gestank immer dann in der Nase, wenn ich mein Buch aufschlug. Ich bemerkte, dass mir nicht die Infusionen, sondern der spezifische Eigengeruch des Romans unangenehm in die Nase stieg. Es wurde so schlimm, dass ich auf Seite 800 das Buch zur Seite legte und seither nie wieder aufschlug, weil ich beim Lesen des Werks immer den Eindruck hatte, eine Infusionsnadel in der Armbeuge stecken zu haben. Neulich machte ich wieder den Geruchstest. Sieben Monate nach der OP riecht das Buch zwar immer noch – allerdings assoziiere ich nicht mehr „Krankheit“ damit. Ich kann also die letzten 500 Seiten in Angriff nehmen. Ob sich der Gestank des Literaturnobelpreises im Laufe der Zeit auch so einfach verflüchtigt? Ich bezweifle es.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Samstag, 5. Mai 2018 von John Warren

Was für eine Karriere!

Vor kurzem habe ich aufgeräumt und meine alte Nintendo 64-Konsole wiedergefunden. Eine Runde spielen muss drin sein, dachte ich. Ich wählte den Fußball-Klassiker FIFA 98, der am bekanntesten dafür ist, dass man bei einem Modus in der Halle spielen kann. Das gab es in den 20 darauf folgenden Versionen des Konsolen- und Computerspiels nicht mehr. Auch die Option, nach dem Torerfolg verschiedene Torjubel auszuwählen, war damals etwas ganz Neues. Mit etwas Wehmut stellte ich fest, dass nun wohl auch alle der damaligen Fußballer ihre Karriere beendet haben müssen. Mit Francesco Totti trat im vergangenen Jahr wohl einer der letzten 98er-Kicker ab.

Interessiert recherchierte ich, was meine damaligen Helden (an der Konsole und im echten Leben) heute so treiben. Viele sind – logisch – Fußballtrainer und hampeln an der Seitenlinie wie Rumpelstilzchen herum. Bei anderen Spielern wiederum sind unterdessen die Söhne bereits als Profikicker aktiv, so wie bei Patrick Kluivert und seinem Sohn Justin, der für Ajax Amsterdam spielt. Besonders außergewöhnlich: die Karriere von George Weah: Der Weltfußballer von 1995 ist seit Januar der Präsident von Liberia.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Freitag, 4. Mai 2018 von Nicole Leukhardt

Gelb macht nicht glücklich

Urlaub muss auch mal sein, sagte meine Familie kürzlich und lotste mich weg vom Schreibtisch und hin zur Strandpromenade des Bodensees. Und sie hatte Recht – wir genossen ein paar unbeschwerte Tage und waren viel in der Natur. Als wir wieder zurückkamen, stellte ich fest, dass die Natur in unserer Abwesenheit dafür bei uns war. Durch ein vergessenes, gekipptes Fenster hatte gefühlt ein Zentner Blütenstaub den Weg in unsere Küche gefunden. Vom Fensterbrett, über die Kaffeemaschine und sämtliche Ablagen sogar bis hinein in die Schubladen hatte sich ein feiner, zartgelber Schleier ausgebreitet. Kurz überlegte ich, die farblich neugestaltete Küche einfach hinzunehmen. Entspannt, mit einem Kaffee in der Hand. Beim Blick auf den Grund meiner Lieblingstasse verwarf ich die Idee seufzend wieder. Sie ahnen weshalb. Und so nutzte ich den Tag der Arbeit für eine Generalreinigung meiner Küche. Geld macht nicht glücklich, heißt es. Gelb übrigens auch nicht.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Donnerstag, 3. Mai 2018 von Volker Bitzer

Die luftigen Lasten des Lenz

Bitte halten Sie unbedingt alle Fenster und Türen geschlossen… – Solche Warnhinweise, üblicherweise per Lautsprecher oder Medieninfo verkündet von Polizei oder Feuerwehr, könnten derzeit landauf landab erfolgen. Zum Glück aber nicht, weil irgendwelche Schadstoffe in der Luft oder Giftwolken unterwegs sind, sondern weil die Bäume in Frühlingslaune sind. Gelb-grüne Blütenteppiche überziehen die Gehwege, legen sich wie durch ein Mehlsieb gedrückt auf die Autos, vor allem aber dringen sie durch geöffnete Fenster und sogar durch die kleinsten Ritzen in Häuser und Wohnungen. Selbst ein feinmaschiges Fliegengitter vermag den Pollenstaub nicht aufzuhalten. Eine Chatfreundin schrieb mir jüngst per Whats-app, dass sie sich gerade sehr über diese Hinterlassenschaften von Bäumen und Sträuchern ärgert. Soviel wie dieses Jahr sei es noch nie gewesen! Frisch gewaschene Wäsche sei im Nu wieder befleckt und täglich sei sie mehrmals draußen, um die Terrasse zu fegen. Schlimm. Wirklich schlimm? Nein, nicht wirklich. Sofern man nicht gerade Allergiker ist. Ich freue mich über die grüne Explosion in der Natur. Entsprechend leger auch meine Rückantwort über den Nachrichtendienst: „Lieber Blütenstaub als Schneeflocken. Also, freuen wir uns doch einfach über die warme Jahreszeit.“

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Samstag, 28. April 2018 von Gudrun Stoll

Selten so geschmunzelt

Tübingen sorgt dieser Tage mit eigenem Geld für ordentlich Furore. Der violette 0-Euro-Schein ist auf dem gleichen Papier wie echte Geldnoten gedruckt und zeigt das Motiv der Neckarfront. Die Rückseite zieren bekannte Bauwerke wie der Eiffelturm oder das Brandenburger Tor. Sammler machen bereits Jagd auf das Souvenir, das natürlich nicht zum Nulltarif zu haben ist. Aber die Auflage von 5000 Stück lässt den Wert über die Jahre steigen. Da sind drei Euro wirklich gut angelegt.

Der zweite Streich ist einem Anonymus aus Reutlingen gelungen, der in der Nähe eines Gymnasiums ein Schild aufgehängt hat, das im In- und Ausland Aufmerksamkeit erregt. Das dreieckige Schild mit rotem Rand warnt vor „Smombies“. Noch nie etwas von dieser Spezies gehört? Das ist nicht weiter schlimm, aber gesehen hat schon jeder die jungen Frauen und Männer, die wie hypnotisiert auf ihr Smartphone starren, während sie die Straße überqueren. Für den professionell wirkenden Gag gab es haufenweise Lob fürs Reutlinger Stadtmarketing. Doch aus dem Rathaus kommt die Idee nicht. Und dummerweise darf das „Smombie“-Schild auch nicht hängen bleiben. Die Straßenverkehrsordnung kennt da kein Pardon. Schade, denn besser lässt sich das aus den Begriffen Smartphone und Zombie gebildete Kunstwort „Smombie“ grafisch nicht umsetzen. Und der Erfinder hat wirklich kein Bußgeld für seine Ordnungswidrigkeit verdient, sondern einen Orden.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.