Donnerstag, 11. Oktober 2018 von Thomas Godawa

Die Tage werden kürzer

Es ist mal wieder so weit, der Sommer verabschiedet sich. Eigentlich kaum zu glauben nach diesem Sommer, der von April bis September ging. Und doch, die Tage werden kürzer, die Nächte kälter und irgendwo empfinde ich das auch als tröstlich, diese Abfolge der Jahreszeiten. Sie gibt einem das Gefühl von Bewegung, Dynamik und Fortschritt. Und es gibt einem die Sicherheit immer wiederkehrender Rituale, Feste, Familientreffen und neuer Begegnungen und Familienzuwachs. Das Leben wächst weiter in diesem gewohnten Rhythmus, der einem inzwischen vertraut ist. Über die Jahrzehnte hinweg. Und dabei wird mir bewusst, dass der Weg das Ziel ist, mit all seinen Niederlagen und Erfolgen unterwegs, mit den fröhlichen und den traurigen Momenten. Und ja, die Tage werden kürzer.

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Dienstag, 9. Oktober 2018 von Gudrun Stoll

Fahr lieber mit dem Auto

Ganz bewusst übte ich vorige Woche den Verzicht aufs Auto und löste mit Familienmitgliedern und Nachbarn ein Baden-Württemberg-Ticket, um Staus auf der B 27 und der leidigen Suche nach einem Parkplatz in Stuttgart zu entgehen. Unser Ziel war das Historische Volksfest auf dem Schlossplatz, das nicht nur uns, sondern mehr als eine halbe Million Menschen begeistert hat. Das will was heißen bei Schwaben, denen selten ein Lob über die Lippen kommt.

Doch gemach, auch die Bruddler kamen beim Ausflug voll auf ihre Kosten. Der Deutschen Bahn sei Dank. Der IRE von Aulendorf nach Stuttgart fuhr um die Mittagszeit bereits mit Verspätung im Ebinger Bahnhof ein und musste an jedem Haltepunkt bis Tübingen den Gegenzug abwarten. Letztendlich summierte sich bis zum Hauptbahnhof Stuttgart der ständige Stillstand auf eine satte Verspätung. Zugpersonal war nicht an Bord, die Toilette defekt. Wer dennoch aufs stille Örtchen musste, dem blieb nichts anderes übrig, als an einem der Bahnhöfe in Wagen Nummer zwei umzusteigen. Improvisationstheater, das eine Gruppe junger Leute, deren zünftiges Outfit den Cannstatter Wasen als Ziel verriet, mit Humor nahm. Senioren dürfte ob solcher Zustände das Lachen vergangen sein.

Weil es so schön war auf dem Volksfest, nahmen wir den „Lumpensammler“, um ohne Umstieg von Stuttgart wieder nach Ebingen zu kommen. Aber auch dieser letzte IRE am Abend schaffte die ruckelige Fahrt auf die Alb nicht ohne Verspätung. Wie heißt es so schön im legendären Song von Wise Guys: „Für Ihre Leidensfähigkeit danken wir spontan“ – thank you for travelling with Deutsche Bahn.

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Donnerstag, 4. Oktober 2018 von Lydia Wania-Dreher

Das schwere Schweben

Tanzen, als würde es kein Morgen geben. In Ekstase die Welt drum herum vergessen, nur einen einzigen Augenblick den Schmerz nicht fühlen. Die Fernsehserie „Babylon Berlin“ entführt die Zuschauer in eine Zeit des Ausnahmezustands. In die deutsche Hauptstadt 1929. Die Schrecken des Krieges sind präsent und die Zukunft ungewiss. Dieses Leben im Schwebezustand und die Unsicherheit, wer gut und wer böse ist, haben mich in den Bann gezogen. Eine Folge schaue ich nach der anderen an – gefesselt von den Bildern, die bittere Armut zeigen, und dem Handeln der Menschen. Jeder ist sich selbst am Nächsten. Aus dem Verratenen wird im nächsten Augenblick selbst ein Verräter, nur um einen kleinen Vorteil zu bekommen. So schillernd die Kleider auch sein mögen, so kokett die Hüte auch aussehen – ich bin froh, nicht in dieser Zeit zu leben. Und dankbar, anders leben zu können. Aber mir wird durch solche Filme auch immer wieder bewusst, dass mein jetziges Dasein nicht selbstverständlich ist. Und, es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Ich möchte nicht, dass wir uns im Jahr 2029 in einem solchen Schwebezustand befinden.

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Mittwoch, 3. Oktober 2018 von Lydia Wania-Dreher

Das schwere Schweben

Tanzen, als würde es kein Morgen geben. In Ekstase die Welt drum herum vergessen, nur einen einzigen Augenblick den Schmerz nicht fühlen. Die Fernsehserie „Babylon Berlin“ entführt die Zuschauer in eine Zeit des Ausnahmezustands. In die deutsche Hauptstadt 1929. Die Schrecken des Krieges sind präsent und die Zukunft ungewiss. Dieses Leben im Schwebezustand und die Unsicherheit, wer gut und wer böse ist, haben mich in den Bann gezogen. Eine Folge schaue ich nach der anderen an – gefesselt von den Bildern, die bittere Armut zeigen, und dem Handeln der Menschen. Jeder ist sich selbst am Nächsten. Aus dem Verratenen wird im nächsten Augenblick selbst ein Verräter, nur um einen kleinen Vorteil zu bekommen. So schillernd die Kleider auch sein mögen, so kokett die Hüte auch aussehen – ich bin froh, nicht in dieser Zeit zu leben. Und dankbar, anders leben zu können. Aber mir wird durch solche Filme auch immer wieder bewusst, dass mein jetziges Dasein nicht selbstverständlich ist. Und, es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Ich möchte nicht, dass wir uns im Jahr 2029 in einem solchen Schwebezustand befinden.

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Dienstag, 2. Oktober 2018 von Volker Bitzer

Alles auf die Ohren

Lärm muss nicht zwingend laut sein. „Als Lärm oder auch Krach werden Geräusche bezeichnet, die durch ihre Struktur auf die Umwelt störend, belastend oder gesundheitsschädigend wirken“ – so lautet die Wikipedia-Definition. Was für den einen Lärm, ist für den anderen vielleicht nur ein Geräusch am Rande, das er womöglich gar nicht bewusst wahrnimmt. Denn um die Wahrnehmung dreht sich alles.

Sei es ein tieffliegender Düsenjet, der werkelnde Nachbar in der Wohnung über einem oder der laut telefonierende Kollege im Großraumbüro. Jeder empfindet anders, was in einem bestimmten Augenblick Lärm ist und stört. Ein wenig kann sich jeder gegen unliebsame Geräusche schützen. Idealerweise mit dämmenden Ohrstöpseln. Oder Kopfhörern, die entweder Schall absorbieren oder über die spezielle Musik oder Geräusche eingespielt werden. Es gibt sogar Internetshops, um bestimmte Geräuschteppiche zu erwerben. Vom Presslufthammer einer Baustelle über Großstadt-Wirrwarr bis hin zu sanften Vogelstimmen im Wald.

Ein Mediziner, der sich mit auditiver Wahrnehmung beschäftigt und gestern im Radiointerview zu hören war, hat herausgefunden, dass Lärmteppiche im Büroalltag die Arbeitsleistung von Menschen deutlich mindern. Die Konzentration leidet und dadurch die Qualität der Arbeit. Seine Empfehlung lautet sinngemäß, und analog zum Dieselproblem: „Man muss etwas an der Hardware, sprich der Einrichtung verändern! Nur mit einem individuellen Softwareupdate ist es nicht getan!“

Zum Lärmschutz kommt mir noch eine E-Mail eines Gehörschutz-Ladens in den Sinn, die ich neulich im elektronischen Postfach fand. Selbst für Hunde gibt es nun Ohrenschützer. Fehlt nur noch der passende Geräuschteppich für den Vierbeiner-Kopfhörer. Wie wäre es mit Katzenmusik?

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