Freitag, 29. Juni 2018 von Volker Bitzer

Die Magie eines Fußballtrikots

Nein, ich habe in der Nacht auf Donnerstag nicht vom Fußball geträumt. Trotzdem setzte sich bei mir in einer wachen Minute ein kurioser Gedanke fest, der mich lange nicht mehr losließ: Habe ich womöglich eine Mitschuld an der Pleite der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Russland? Denn das allererste Mal in meinem Leben überhaupt habe ich – nicht gerade als der passionierte Fußball-Fan verschrien – gestern zur Fernseh-Übertragung einen original Deutschland-Dress getragen. Das grüne Auswärtstrikot war's. Jenes, in welchem Jogis Jungs gegen Südkorea einen Schlaftabletten-Kick auf den Rasen legten und letztlich erbärmlich untergingen. Omen? Aberglaube? Oder was auch immer ... Es sind ja oft die abstraktesten Bilder, die einen nachts im Bett beschäftigten. Noch nie in der WM-Geschichte waren die Deutschen so schlecht. Noch nie hatte ich bisher ein Deutschland-Trikot. Kaum bin ich Fußball-Laie einmal richtiger Fan und schon geht es so etwas von in die Hose. Welch merkwürdiger Zusammenhang? Wäre das tatsächlich so, dann wüsste ich nun zumindest, welches neue Trikot ich die nächsten Tage noch anziehen würde. Portugal vielleicht? Oder doch lieber Frankreich? Nein, Schweiz nicht. Denen drücke ich dann lieber die Daumen.

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Donnerstag, 28. Juni 2018 von Thomas Godawa

Die Rosenblüte ist herrlich

In unserem Garten vor der Terrasse stehen etliche Rosenstöcke. Eingeführt wurden sie aus dem Garten- und Blumenland Holland. Freunde hatten uns vor Jahren beim Kauf beraten. Und bisher gab es auch nichts zu meckern. In den zurückliegenden zwei Monaten hatte ich jedoch schon echte Befürchtungen, ob es denn in diesem Jahr überhaupt noch was wird mit der Blüte. Doch allem Zweifel zum Trotz, seit zwei Wochen zeigen die Rosenblüten ihre ganze Pracht in dichtem Besatz. Die nach einer Königin benannte, genauso wie jene, die den Namen einer Schauspielerin trägt oder die Schönheit, die eine Namens-Zuordnung nach einem französischen Künstler bekommen hat. Von oben, vom Balkon aus betrachtet, bietet sich ein herrliches Blütenmeer, gefüllt oder nicht. Und ein Duft liegt in der Luft.

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Mittwoch, 27. Juni 2018 von Gudrun Stoll

Albtraum im Dreivierteltakt

Mehr als 30 Millionen Touristen nehmen jährlich Venedig ein. In der einst auf 118 künstlichen Pfahlinseln erbauten Lagunenstadt herrscht Tag für Tag Belagerungszustand. Die Reiseführer halten mit hoch in den Himmel gereckten Schirmen und Täfelchen ihre Gruppen in Schach, damit die Gäste aus aller Herren Länder in den drangvoll engen Gassen nicht verloren gehen. Der Markusplatz ersäuft in der Masse Mensch. Der von Napoleon einst als schönster Festsaal Europas bezeichnete Platz ist fest in der Hand von Touristen, Tauben – und jener erschreckend schnell wachsenden Spezies von Mensch, die am Selfie-Wahn leidet und sich vor dem Dogenpalast für das Selbstpotrait in Pose stellt. Wenn die Gondoliere ihre Barken vertäuen, kehrt Ruhe ein in den Kanälen und Seitenstraßen. Doch der abendlich illuminierte Markusplatz wartet mittlerweile nicht nur zur Winterzeit mit einem Phänomen auf, das die Touristen ebenso fasziniert wie die historischen Bauten. Flut und Scirocco drücken das Wasser der Adria landeinwärts, der nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegende Platz wird daher immer wieder überflutet.

Zuerst sprudelt das Wasser aus den Abflusskanälen, dann bilden sich Inseln, die sich nach und nach zu einer großen Wasserfläche vereinen. Ein packendes Schauspiel, das viele Nachtschwärmer in Plastikstiefeln genießen oder barfuß, sich im Dreiviertaltakt und feurigen Tangorhythmen der in den Lokalen aufspielenden Kapellen wiegend. Ein Tanz auf dem Vulkan, entzündet vom langsam steigenden Meeresspiegel, dem sinkenden Baugrund und dem Tribut an den Massentourismus, der durch die Invasion der Kreuzfahrtschiffe noch beflügelt wird. Venezia, die Stolze und Schöne, kämpft gegen den Untergang. Aber Venedig gehört zu jenen Orten, die man einmal im Leben gesehen haben muss. So wie ich. Auch wenn's zum Albtraum wird.

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Dienstag, 26. Juni 2018 von Klaus Irion

Es ist nicht nur ein Spiel

Es ist doch nur ein Spiel. Gemeint ist das Treiben auf den großen Fußballbühnen dieser Welt. Dieser Satz hat eigentlich noch nie die Realität abgebildet. Seit Anbeginn internationaler Kickvergleiche waren die Stadien immer wieder mal auch ein Nebenkriegsschauplatz mit – wohlwollend betrachtet – patriotischem oder – negativ betrachtet – nationalistischem Hintergrund. Man denke nur an die „Folter-WM“ 1978 im damals diktatorisch regierten Argentinien. Was sich jedoch dieses Jahr bei der Weltmeisterschaft in Russland abspielt, sprengt meiner Ansicht nach alles bisher Dagewesene. Und ich meine jetzt nicht zuvorderst die Frage, ob diese WM ausgerechnet in Putins Reich hätte stattfinden müssen? Und auch nicht mehr die Diskussion um das Erdogan-Treffen von Özil und Gündogan oder das des ägyptischen Starspielers Mo Salah mit dem Tschetschenenführer Kadyrow. Was ich erlebe, ist ein serbischer Trainer, der den deutschen Schiri vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag sehen möchte. Sind serbische „Fans“, die albanischstämmige Schweizer auspfeifen, die wiederum mit dem albanischen Doppeladler-Jubel die Serben provozieren. Sind Spieler aus Kolumbien und Schweden, die nach einem Handspiel beziehungsweise einem Foul Morddrohungen aus den eigenen Reihen erhalten und im Fall des Schweden massiv rassistisch beleidigt werden. Da muss man ja fast schon froh sein, dass es die beiden Offiziellen des DFB-Trosses beim völlig sinnentleerten Beschimpfen der schwedischen Offiziellen und Ersatzspieler belassen haben. Ja, die Welt wird zunehmend unübersichtlicher und nationalistischer. Das färbt leider auch auf den Fußball ab. Es ist eben leider doch nicht nur ein Spiel.

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Samstag, 23. Juni 2018 von Anna Wittmershaus

Ein echtes WM-Dilemma

Zum ersten Mal beteilige ich mich bei dieser Fußball-Weltmeisterschaft an einem Tippspiel. Davor habe ich nur ab und zu mit meinem Vater mal einen Tipp ausgetauscht. Nun rate ich mit meinen Kollegen aus der Redaktion um die Wette, wie die einzelnen Spiele denn ausgehen. Erst nach der Anmeldung zu dem Online-Tippspiel ist mir aufgefallen, dass ich als Sportredakteurin eigentlich nur verlieren kann. Schließlich bin ich vom Fach, während die anderen sich als Lokaljournalisten schön rausreden können, wenn es nicht gut läuft.

Also sitze ich nun bei jedem Spiel vor dem Fernseher oder habe während der Arbeit immer ein Auge auf den Live-Ticker. Ich muss zugeben, ich schaue jetzt die Spiele anders. Denn nun schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Normalerweise sympathisiere ich gern mit den Außenseitern wie Panama oder Island. Allerdings halte ich Siege dieser Mannschaften nicht immer für wahrscheinlich und habe gegen sie gewettet – und lag damit bislang leider auch oft ordentlich daneben. So sitze ich nun vor dem Fernseher oder PC-Bildschirm und kann mich nicht entscheiden, ob ich zum Beispiel lieber für einen Sieg der Isländer oder für Punkte auf meinem Tippspiel-Konto bin – ein echtes WM-Dilemma, denn es macht viel mehr Spaß die Spiele zu schauen, wenn man mit einer Mannschaft von ganzem Herzen mitfiebert.

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