Samstag, 29. September 2018 von Rosalinde Conzelmann

Wie in der Achterbahn

Haben Sie schon Heizöl getankt? Dann sind Sie zu beneiden. Ich habe zwar noch eine Reserve im Tank, dieser Tage aber für die Nachbarn die gemeinsame Bestellung organisiert, weil deren Bestände zur Neige gehen. Außerdem wird es einem Schwaben ja auch mulmig, wenn zum einen ein kalter Winter prophezeit wird und der Tank nicht randvoll sind, zum anderen man dauernd die Preise vergleichen muss, um ja den richtigen, sprich preisgünstigsten, Zeitpunkt nicht zu verpassen. Also wir haben ihn wahrscheinlich verpasst, denn ich habe vorgestern bestellt. Weil mich das sonst kirre macht und mich Trumps „Zündeleien“ auf dem weltweiten Ölmarkt maßlos aufregen. Mit dem Sprit ist es ja das selbe Theater. Als ich gestern nach Feierabend an die Zapfsäule fuhr und voll machte, meinte die nette Verkäuferin, dass es vor einer halben Stunde noch zehn (!!!) Cent günstiger gewesen ist. Ableiten ließe sich daraus aber überhaupt nichts: „Heute Nachmittag ist es stündlich rauf und runter.“ Ich weiß schon, warum ich auf dem Rummel nie mit der Achterbahn fahre.

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Freitag, 28. September 2018 von Klaus Irion

CCCP-Trikot im Neckarstadion

E s war der 22. Juni 1988. Die Mercedes-Benz-Arena hieß noch Neckarstadion, Russland noch Sowjetunion. An diesem Tag trafen Italien und die UdSSR im Halbfinale der Fußball-EM in Stuttgart aufeinander. Die Italiener hatten zu meinem Leidwesen den Deutschen in der Vorrunde den Gruppensieg überlassen müssen. Dadurch spielte Deutschland sein Halbfinale in Hamburg gegen die Niederlande, und ich musste stattdessen mit den Tifosi vorliebnehmen. Denn die Blanko-Halbfinalkarten hatte ich natürlich schon lange vor dem Turnier gekauft. Für den Spieltag lieh ich mir von einem Mitschüler ein knallrotes CCCP-Trikot. Vor dem Spiel begrüßten mich einige wenige sowjetische Fans überschwänglich und die Italiener schmunzelten. Nach dem Abpfiff (2:0 für die Sowjetunion) beeilte ich mich, ungeschoren vom Ort des Geschehens wegzukommen. Seit gestern ist klar: Im Jahr 2024 kommt die Fußball-EM nach Stuttgart zurück. Ich freue mich sehr darauf.

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Donnerstag, 27. September 2018 von Rosalinde Conzelmann

Der letzte (Blüten)-Zauber

Nach dem wunderbaren Sommer und den heißen Tagen und Nächten atmet mein Garten wieder auf – und ich auch. Denn ich habe die langen, warmen Sommerabende ausgekostet, jede Sekunde. Ich bin nun „sonnensatt“ und bereit für die neue Jahreszeit, die ihren eigenen Zauber hat. Bevor aber der Raureif meine Stauden überziehen wird und ich den Winterschnitt machen werde, genieße ich noch jede freie Minute im Garten. Die Regentage haben die Pflanzen nochmals erblühen lassen. Besonders die auf den ersten Blick unscheinbare Fetthenne und die leuchtenden Herbstastern wirken zauberhaft. Noch immer habe ich reichlich Besuch von Bienen und Wespen, die sich an den zuckersüßen Weintrauben laben. Schade nur, dass mir wenig Zeit für diesen Anblick bleibt, denn wenn ich von der Arbeit heim komme, ist es schon kühl und ruckzuck dunkel. Aber der goldene Herbst hat ja erst begonnen und der Zauber wirkt noch eine Weile.

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Mittwoch, 26. September 2018 von Holger Much

Ein kleiner Riss in der Welt

Wenn jemand stirbt, den man kannte und mochte, ist das immer eine unglaublich einschneidende Situation. So war ich jüngst auf der Beerdigung eines Familienmitglieds, das ganz unerwartet gestorben ist. Die Trauer überfällt einen, füllt einen ganz aus und verdrängt schnell alles andere.

Es ist natürlich zuallererst einfach die Trauer darüber, dass ein geschätzter Mensch einfach nicht mehr da ist. Das ist dann schwer zu begreifen. Und es ist auch die Trauer über den Schmerz seiner nächsten Angehörigen.

Dazu kommt aber noch das Gefühl, dass die eigene Welt plötzlich unvollständig ist. Dass da jemand eine Lücke im Gefüge des Lebens hinterlassen hat, einen Riss, der nie wieder gefüllt werden kann. Der Begriff „Nie mehr“ bekommt in solchen Situationen plötzlich eine sehr tonnenschwere Bedeutung von Endgültigkeit, auch für das eigene Leben und den eigenen Alltag.

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Freitag, 21. September 2018 von Holger Much

Das gibt fast einen Caprese

Gibt es eigentlich so etwas wie einen Pulitzerpreis für herausragende gärtnerische Glanzleistungen? Wenn ja, hätte meine Frau diese Auszeichnung mehr als verdient.

? Sie hegt und pflegt seit vielen Jahren drei Olivenbäumchen, die auch stets Jahr für Jahr tapfer austreiben und sogar ab und an kleine Blüten ausbilden. Man muss dazu sagen, dass die Bäumchen diese Leistung weder in den südlichen Gefilden von Balingen vollbringen, noch beispielsweise im relativ geschützten Talkessel von Ebingen, sondern auf den von eisigen Winden umbrausten Hochflächen des Tailfinger Wohngebietes Stiegel. Dort kann man in strengen Wintern von ferne eher Mammuts vorbeiziehen sehen als Olivenbäume züchten.

? Dennoch dürfen wir uns über eine kleine botanische Sensation freuen: Nach dem warmen Sommer hat eines der Bäumchen doch tatsächlich eine einzige, winzige Olive hervorgebracht. Wenn das so weitergeht, haben wir in zwanzig Jahren genug Früchte, um einen Caprese aufzupeppen.

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