Mittwoch, 20. Dezember 2017 von Dagmar Stuhrmann

Es lebe der alte Zeitplaner

Den Arzttermin, die Verabredung mit der Freundin, den Geburtstag des Lieblingsneffen – all das hätte man sich noch vor ein paar Jahren feinsäuberlich handschriftlich in einem Taschenkalender notiert. Heutzutage läuft das freilich anders. Der gut organisierte moderne Mensch nutzt anstelle des Taschenkalenders natürlich sein Smartphone für alles, was er nicht vergessen darf.

In diesem Sinne bin ich aber wohl weder besonders gut organisiert noch modern. Noch bis vor kurzem dachte ich zuweilen sogar, ich wäre wohl der letzte „Dinosaurier“, der irgendwann einmal mit einem Taschenkalender beerdigt wird. Denn mein abgegriffener Timeplaner ist mir lieb und teuer und eine Trennung ist nicht in Sicht.

Umso erstaunter war ich, als ich letztens im Café eine etwa 25-jährige Frau dabei beobachtete, wie sie – das Smartphone auf dem Tisch neben der Kaffeetasse liegend – aus ihrer Handtasche einen ollen papiernen Terminkalender zutage förderte, der meinem Zeitplaner sehr ähnlich sah, aber etwas kleiner war, und wie sie mit einem Kuli irgendetwas in das Ringbuch hineinschrieb. Es gibt sie also doch noch, die Taschenkalendernutzer, sogar bei den U30-ern. Schön, und ein bisschen tröstlich. Es lebe der alte Timeplaner!

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Freitag, 26. August 2016 von Dagmar Stuhrmann

Einkaufen für die Mülltonne?

Es ist eine unvorstellbare Verschwendung: Jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, werfen wir weg. Pro Person und Jahr sind das rund 82 Kilogramm Lebensmittelabfall. Ein Großteil davon wäre vermeidbar, wenn es uns gelänge, nicht in die typischen „Wegwerffallen“ zu tappen. Wir kaufen zu viel und zu planlos ein, die Folge ist ein überfüllter Kühlschrank. Dadurch verlieren wir die Lebensmittel aus dem Blick. Wandert der Joghurt erst einmal nach hinten, hat er gute Chancen, dort zu vergammeln.

Es soll auch immer noch Menschen geben, die Lebensmittel in die Tonne kippen, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist oder es in Kürze abläuft. Dabei müsste sich doch inzwischen herumgesprochen haben, dass dieses Datum nichts darüber aussagt, ob etwas noch genießbar ist oder nicht. Offenbar haben wir obendrein auch noch verlernt, wie man aus Resten etwas Leckeres zaubert. Dabei können aus Äpfeln mit Druckstellen immer noch Apfelkrapfen werden. Pizzareste lassen sich mit Tomaten und Käse am nächsten Tag aufmotzen. Für die Verwertung von altbackenem Brot und Eiern bieten sich arme Ritter an.

Da fällt mir ein: Was mache ich denn mit dem schrumpelnden Paprika im Gemüsefach? Haben Sie da vielleicht einen Tipp für mich?

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Dienstag, 10. Mai 2016 von Dagmar Stuhrmann

Grüße vom Super-Gehirn

Unser Gehirn ist ein Hochleistungsorgan. Was das bedeutet, ist mir erst unlängst bei einem Seminar für Journalisten so richtig klar geworden. Es ging um Hirnforschung. Obwohl es nur zwei bis drei Prozent der Körpermasse ausmacht, verbraucht das Gehirn rund 20 Prozent der Energie, die wir aufwenden müssen, um unseren Körper am Laufen zu halten. Kein Wunder, denn es arbeitet auch sehr viel. Und es arbeitet gern. Andernfalls würde es verkümmern. Die Forscher haben herausgefunden, dass wir beim Lesen die Bedeutung eines Satzes in wenigen Millisekunden erfassen. Ein ungewohntes Schriftbild oder schwierige Wörter führen dazu, dass sich die Lesegeschwindigkeit verringert. Andere Faktoren hingegen erleichtern uns das Lesen. So lassen uns beispielsweise vertraute Begriffe weniger stolpern als Fremdwörter, Aktivkonstruktionen verstehen wir schneller als passive, Konkretes besser als Abstraktes. Kurze Sätze mögen wir lieber als lange. Doch wir dürfen unsere Denkzentrale getrost öfters über die Maßen fordern. Es kann nämlich mehr als wir denken. Wollen Sie testen, was Ihr Gehirn so alles leistet? Und zwar ohne größere Anstrengung? Dann lesen Sie doch einfach mal die folgenden Zeilen: „Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät ist es nchit witihcg in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das Ezniige was wcthiig ist, ist dass der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion snid.“ Beeindruckend, oder?

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Samstag, 7. Mai 2016 von Dagmar Stuhrmann

Schleimer haben's schwer

Kaum haben die ersten schönen Tage Einzug gehalten, höre ich sie schon: die Klagen der Hobbygärtner. Alles weg, sagen sie. Die Kohlrabi- und Karottenpflänzchen im Gemüsebeet – ratzeputz vernichtet. Der Salat – bis auf die Wurzeln abgenagt. Vertilgt von Nacktschnecken, die den schönen Namen „Arion vulgaris“ tragen und sich mit Begeisterung über zartes Grün hermachen. Die Kollegen von der „Süddeutschen“ widmeten den gefräßigen Schleimern unlängst einen zweiseitigen Artikel, in dem sie auch Tipps für die Schneckenabwehr unter die Lupe nehmen. Aussichtsreich scheint mir die Bitterstoff-Variante zu sein. Da Schnecken beispielsweise Ringelblumen überhaupt nicht mögen, kann man seine liebevoll gezogenen Gemüsesetzlinge hinter einem Bannstreifen aus Ringelblumen verbergen und sie so vor Kahlschlag schützen. Nicht ratsam dagegen ist der Schneckenweitwurf. Englische Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Weichtiere offenbar so etwas wie einem Heimatinstinkt haben. Sie schleuderten für ihr skurriles Experiment mit einem farbigen Punkt gekennzeichnete Schnecken etwa fünf Meter weit über Hecke, Straße und Zaun in eine benachbarte Brachfläche. Und siehe da: Nach 17 Tagen tauchte die erste markierte bereits wieder in ihrem Heimatgarten auf. Die anderen folgten. Erst ab einer Entfernung von 20 Metern verlieren Schnecken die Orientierung und die Chancen stehen gut, dass sie den Heimweg nicht mehr finden.

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Dienstag, 5. April 2016 von Dagmar Stuhrmann

Der Mond lässt grüßen

Eigentlich bin ich nicht der Typ, der Veränderungen liebt. Ich hab's gern vertraut um mich herum. Nur im Frühjahr geht es mir wie vielen anderen auch: Dann brauche ich Tapetenwechsel. Dieses Jahr sogar im ganz wörtlichen Sinne. Seit drei Tagen ist mein einst so gemütliches Wohnzimmer eine triste, von aller Heimeligkeit befreite Baustelle. Ich hätte nicht gedacht, dass beim Abschleifen von Wandunebenheiten so viel Staub aufgewirbelt wird, dass vom Bücherregal bis zur Yuccapalme alles unter einer millimeterdicken weißen Schicht verschwindet. Das wieder sauber zu bekommen, wird mich Tage kosten. Klar: Abdecken hätte die bedrückende „Mondlandschaft“ verhindert. Aber wer denkt schon im Renovierungseifer an solche Kleinigkeiten?

Ich jedenfalls nicht. Mit dem Ergebnis, dass meine Vorfreude auf den neuen Anstrich einen gewaltigen Dämpfer bekommen hat und ich mich schon wieder frage: Hätte nicht alles bleiben können, wie es war? Die alte Farbe war doch eigentlich noch ganz schön... Nein, sagt jetzt meine innere Stimme. Ab und zu müssen Veränderungen sein. Auch wenn der Weg dahin manchmal steinig, respektive staubig, ist. Schon bald jedoch werde ich die Unterbrechung des Gewohnten und den Schmutz vergessen haben und mich über frisch gestrichene Wohnzimmerwände und ein neu gewonnenes Raumgefühl freuen. Auch wenn ich mir das im Moment noch nicht so ganz vorstellen kann.

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