Donnerstag, 18. Oktober 2018 von Holger Much

Der Genuss aus der Pappbox

Oft sind die einfachen Dinge doch die besten Dinge. Ich komme in den letzten Jahren immer mehr auf das vermeintlich Schlichte zurück, lerne das Einfache immer mehr schätzen. Woran das liegt? Ich kann den Grund hierfür offen gesagt nicht wirklich genau benennen. Vielleicht, und das darf ich nun mit dem Überschreiten der 50er-Grenze vielleicht sagen, liegt es einfach daran, dass man mit den Jahren im Einfachen zugleich auch das Wesentliche sieht.

Diese Einstellung kann natürlich zahlreiche Lebensbereiche betreffen, sei es die Wohnungseinrichtung, sei es die Frage, wie und wo – und für wie viel Geld – man seinen Urlaub verbringt. Oder man kann es natürlich auch an Nahrungsmitteln festmachen.

Da ist mir mittlerweile ein Käsebrot oder ein Wurstsalat oft lieber als ein aufwendiges viergängiges Menü.

Oder es ist einfach ein Glas frisch gepressten Apfelsaftes, dessen Geschmack einen in Begeisterung versetzt. Ein Bekannter hat Äpfel im Garten und diese aufgrund der schieren Menge pressen lassen. Nun habe ich eine Fünf-Liter-Pappbox in der Küche stehen und jeder Schluck ist eine Offenbarung.

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Mittwoch, 26. September 2018 von Holger Much

Ein kleiner Riss in der Welt

Wenn jemand stirbt, den man kannte und mochte, ist das immer eine unglaublich einschneidende Situation. So war ich jüngst auf der Beerdigung eines Familienmitglieds, das ganz unerwartet gestorben ist. Die Trauer überfällt einen, füllt einen ganz aus und verdrängt schnell alles andere.

Es ist natürlich zuallererst einfach die Trauer darüber, dass ein geschätzter Mensch einfach nicht mehr da ist. Das ist dann schwer zu begreifen. Und es ist auch die Trauer über den Schmerz seiner nächsten Angehörigen.

Dazu kommt aber noch das Gefühl, dass die eigene Welt plötzlich unvollständig ist. Dass da jemand eine Lücke im Gefüge des Lebens hinterlassen hat, einen Riss, der nie wieder gefüllt werden kann. Der Begriff „Nie mehr“ bekommt in solchen Situationen plötzlich eine sehr tonnenschwere Bedeutung von Endgültigkeit, auch für das eigene Leben und den eigenen Alltag.

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Freitag, 21. September 2018 von Holger Much

Das gibt fast einen Caprese

Gibt es eigentlich so etwas wie einen Pulitzerpreis für herausragende gärtnerische Glanzleistungen? Wenn ja, hätte meine Frau diese Auszeichnung mehr als verdient.

? Sie hegt und pflegt seit vielen Jahren drei Olivenbäumchen, die auch stets Jahr für Jahr tapfer austreiben und sogar ab und an kleine Blüten ausbilden. Man muss dazu sagen, dass die Bäumchen diese Leistung weder in den südlichen Gefilden von Balingen vollbringen, noch beispielsweise im relativ geschützten Talkessel von Ebingen, sondern auf den von eisigen Winden umbrausten Hochflächen des Tailfinger Wohngebietes Stiegel. Dort kann man in strengen Wintern von ferne eher Mammuts vorbeiziehen sehen als Olivenbäume züchten.

? Dennoch dürfen wir uns über eine kleine botanische Sensation freuen: Nach dem warmen Sommer hat eines der Bäumchen doch tatsächlich eine einzige, winzige Olive hervorgebracht. Wenn das so weitergeht, haben wir in zwanzig Jahren genug Früchte, um einen Caprese aufzupeppen.

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Freitag, 14. September 2018 von Holger Much

Meine Mutter ist klasse

Ich bin jedes Mal tief beeindruckt, wenn mir meine Mutter wieder etwas aus der großen Abenteuerwelt der digitalen Möglichkeiten erzählt. In dem Bereich hat sie mir doch einiges voraus.

Egal ob SMS, Whats App oder Skype – sie ist in allen digitalen Kommunikationsmitteln firm. Wenn wir uns auf einen Kaffee treffen, schaut sie mindestens genau so oft aufs Handy wie ich. Auch in Facebook ist sie unterwegs, postet und kommentiert und ist mitten drin in Zuckerbergs faszinierendem Kosmos aus Likes, Memes und mehr oder minder sinnvollen Videos. Das hat auch den Nebeneffekt, dass ich auch in meinem virtuellen Freundeskreis mütterlicherseits nie unbeobachtet bin. Das ist auch besser so, dann benehme ich mich wenigstens nicht daneben.

Nein, ernsthaft, ich freue mich unglaublich, dass die Mama auch in diesem Bereich mit zu meiner kleinen virtuellen Familie gehört und genauso angeregt mit meinen Facebook-Freunden aus ganz Deutschland und darüber hinaus plaudert wie ich.

Während wir in Sachen Facebook oder bei den unterschiedlichen Apps zur Kommunikation noch halbwegs gleichauf sind, schlägt sie mich um Längen. Wenn es um weitere digitale Errungenschaften geht wie Onlinebanking oder Shoppen im Netz, ist sie mir über. Beiden Themen bin ich abhold – sollte ich aber dennoch mal etwas wissen müssen, frage ich meine Mutter. Dann denke ich mir im Stillen für mich, ob ich dereinst in dem Alter auch so up to date sein werde...

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Samstag, 8. September 2018 von Holger Much

Dieser Kuchen bringt Herbst

Drei von vier Jahreszeiten mag ich. Den Frühling mit seinem zarten Erwachsen, den Sommer mit seiner Kraft und Fülle und den langen, lauen Nächten, die einem erlauben, auch nach Feierabend noch draußen zu sitzen, und den Herbst.

Letzterer macht mich allerdings schon etwas melancholisch. Denn bei aller Pracht von bunt gefärbtem Laub, bei der Schönheit goldenen Lichts, das sich in den Morgennebeln bricht, so bedeutet die dritte Jahreszeit doch auch einfach ein langsames Sterben hin zum Winter.

Über solcherlei düstere Gedanken trösten natürlich manche wunderbaren Dinge hinweg wie das eben erwähnte bunte Laub, durch das man raschelnd durch den duftenden Herbstwald laufen kann. Oder die Jahr für Jahr große Faszination von glänzenden runden Kastanien.

Als ich jüngst zur Arbeit fuhr, fiel mir sofort ein großes Schild auf, das vor meiner Nachbarsbäckerei aufmerksamkeitsheischend auf dem Fußweg stand. In großen Lettern war dort zu lesen: „Frischer Rahmzwiebelkuchen“. Und während mir einerseits das Wasser im Munde zusammen lief, vor allem bei der Vorstellung, ein Glas frischen Suser dazu zu trinken, war mit gleichzeitig schmerzlich bewusst: Jetzt ist der Herbst gekommen. Denn der kommt nicht etwa, wenn es im Kalender steht, sondern dann. wenn es Zwiebelkuchen gibt.

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