Mittwoch, 15. August 2018 von Holger Much

Ein Plädoyer für Vogelhäuschen

Wir füttern in unserem Garten das ganze Jahr über die Vögel. So wie es der bekannte Vogelkundler Peter Berthold fordert. „Es ist unsere moralische Pflicht, Vögel zu füttern“, sagt er sogar. Ich finde, er hat recht. Eine Studie aus Nordrhein-Westfalen kam bereits 2016 zu dem katastrophalen Ergebnis, dass dort bis zu 80 Prozent weniger Fliegen, Mücken und Käfer leben. Die Vögel finden daher immer weniger Nahrung. Landwirtschaftliche Monokulturen sowie verarmte Gärten mit englischem Rasen und den offenbar immer beliebter werdenden Schotterflächen tragen mit dazu bei.

Nach der aktuellen Nabu-Vogelzählung wurden pro Garten im Schnitt nur 33,3 Vögel gemeldet. Das ist die niedrigste Vogelzahl seit Beginn der Aktion vor 14 Jahren und ein erneutes Minus von über fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der European Bird Census Council meldet, dass in den letzten drei Jahrzehnten die Zahl der Vögel in der Agrarlandschaft in 28 Staaten Europas um mehr als die Hälfte zurück ging. All das bedrückt mich mittlerweile immer mehr und ich versuche, quasi als Tropfen auf dem heißen Stein, wenigstens im privaten Rahmen zu tun, was ich kann. Und füttere Vögel, das ganze Jahr.

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Dienstag, 31. Juli 2018 von Holger Much

Lust auf saure Katzenfiedla?

Unser wunderbarer, einzigartiger Dialekt ist einfach immer wieder ein Quell der Freude und der Faszination. Schwäbisch mag als sprachliche Ausdrucksform ihre eher groben Momente haben, genauso wie die Sprecher dieses Idioms. Gleichzeitig kann man immer wieder wunderbare Redewendungen entdecken. Wer weiß beispielsweise noch, was ein „Potschamber“ ist? Das Wort hat meine Mutter jüngst ausgegraben, und wer ein wenig des Französischen mächtig ist, der kommt von „pot de chambre“ auf die Bedeutung des Nachttopfs – eine Einrichtung, deren Verschwinden ich nicht wirklich nachtrauere. Das Wort ist dennoch herrlich.

Eine freundliche Leserin hat mir jüngst, eingedenk meiner Liebe für abstruse schwäbische Ausdrücke, einen Brief geschrieben mit netten Begriffen darin. Da finden sich die „Glufen“ (Stecknadeln) , samt dem „Glufenmichel“, der einen einfältigen Menschen bezeichnet, ebenso wie der „Meggl“, eine schwäbisch-charmante Bezeichnung für den Kopf. Wer „spreuzt“, der gießt – zur Zeit sehr aktuell – seinen Garten. Und wer sich danach stärken möchte, der gönnt sich etwas, das ich noch nicht kannte – ein „saures Katzenfiedla“ – nämlich einen Wurstsalat.

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Donnerstag, 26. Juli 2018 von Holger Much

Einfach mal an Schnee denken

Wenn keiner schaut und niemand es hört, dann ächze ich in der letzten Zeit auch schon mal über die Hitze. Aber nur ein ganz klein wenig. Denn im Gegensatz zu vielen Teilen Deutschlands, in denen es gefühlt seit Monaten nur noch warm und vor allem so trocken ist, dass der Rasen gelb wird – von anderen Teilen Europas zur Zeit gar nicht zu reden – haben wir es hier auf der Alb noch gut. Dennoch hört man immer wieder den Klageruf „Ist das warm“. Denn wenn der Schweiß in Strömen rinnt, das Deo versagt und sich temperaturbedingte Mattigkeit in Hirn und Körper ausbreitet, fühlt man sich schon dazu verleitet, ein wenig zu jammern. Auch ich.

Dann denke ich bewusst an den Winter. Ich denke an eisige Kälte, an morgendliches Schneeschippen, an das nervige Kratzen an zugefrosteten Autoscheiben oder an die oft genug gefährliche Fahrt auf total vereisten Straßen, an düstere Monate ohne Grün, ohne Blumen und Pflanzen und an Schnupfen und Halsweh. Und schwupps, genieße ich die Hitze.

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Dienstag, 24. Juli 2018 von Holger Much

Herzensworte aus dem All

Diese wenigen Minuten waren sicher etwas vom Beeindruckendsten, was ich jemals erlebt habe – zumindest im Rahmen eines Konzertes. Denn ich war dabei, als Alexander Gerst zusammen mit den Elektro-Legenden der Gruppe Kraftwerk deren Song „Spacelab“ auf einem Tablet-PC mitspielte – als Liveschaltung aus 400 Kilometern Höhe über dem Atlantik, während er in der ISS mit unglaublichen 28 000 Kilometern pro Stunde im Weltraum um die Erde raste.

„Wir begrüßen nun Alexander Gerst“, sagte Kraftwerk-Gründer und Chef Ralf Hütter plötzlich mitten im Lied, und dann tauchte der sympathische Astronaut auf der rieseigen Leinwand auf dem Stuttgarter Schlossplatz auf und grüßte die 7000 Konzertbesucher. Diese Kombination aus kompletter Überrumpelung , faszinierender Technik und unerwarteter Kreativität begeisterte an sich schon. Doch dann waren da noch die Worte von Alexander Gerst, der erzählte, wie auf der Raumstation für die Forschung mehr als 100 Nationen friedlich nebeneinander und miteinander arbeiten, „um das tägliche Leben auf der Erde besser zu machen“.

Der erhobene Zeigefinger fehlte. Dennoch, oder gerade deshalb, kam diese wunderbare, positive Botschaft des Friedens, unterstützt noch von der universellen Sprache der Musik, so direkt in den Herzen an. Eine Botschaft, die in unseren Zeiten so wichtig ist und deshalb so gut tut.

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Dienstag, 17. Juli 2018 von Holger Much

Knuddeln mit Vizemeistern

So ganz persönlich, ich gebe es zu, kann ich mit Sport im Allgemeinen und mit Fußball im Besonderen nicht viel anfangen. Da fehlt mir ein besonderes Gen, das man benötigt, um in sportlichen Aktivitäten anderer oder im Denken in Mannschaften und Tabellen Faszination zu finden.

Die Freude, die jüngst in Albstadt zu spüren war, kurz nachdem die WM entschieden war, hat mich aber dennoch berührt. Die paar wenigen Autos mit französischen Flaggen, die von Fahrern mit glücklichen Gesichtern durch die Straßen gelenkt wurden, Kroaten, die begeistert ihren zweiten Platz feierten und mich, als ich Fotos für den ZAK machte, einfach mal spontan umarmten, all das fand ich herzerwärmend. Dass Fußball auch anders kann, dass es auch Aggression und Gewalt gibt, weiß ich. Hier jedoch begegneten sich teils wildfremde Menschen, beglückwünschten sich und freuten sich für den anderen.

Es ist schön, so etwas erleben zu dürften – gerade in den heutigen Zeiten.

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