Mittwoch, 18. Juli 2018 von Nicole Leukhardt

Von Hamstern und Ministern

Meine Tochter saß neulich wutschnaubend auf dem Sofa. Einerseits, weil die Rabenmutter darauf bestanden hat, dass der Fernseher ausgemacht wird. Andererseits, weil ich herzlich über ihren Verhörer gelacht hatte. „Ich will Erwin und die Chipmunks sehen“, hatte sie protestiert. Ich habe vergeblich versucht, sie zu überzeugen, dass der Anführer der Comic-Streifenhörnchen Alvin und nicht Erwin heißt. Sie ahnen es – ich hatte keine Chance. Dabei habe ich mich auch schon öfter völlig verhört. Dass es in dem Lied der Gruppe „Ich + Ich“ nicht um einen sich echauffierenden Nager handelt, habe ich recht schnell verstanden. Der Sänger singt nämlich „Es tobt der Hass, da vor meinem Fenster“. Einen tobenden Hamster vor dem Fenster finde ich persönlich aber einfach witziger. Erst vor wenigen Monaten allerdings hat mein Mann mir unter schallendem Gelächter erklärt, dass die Kriegsminister aus Nenas Hit 99 Luftballons keineswegs eine liebevolle Beziehung zum Treibstoff haben. Ich hatte nämlich immer „99 Kriegsminister streichelten Benzinkanister“ gesungen. Das Streichholz habe ich da nie gehört.

Wie geht's Ihnen, haben Sie sich auch schon mal über seltsame Textzeilen gewundert? Schreiben Sie's mir, Erwin, der Hamster und ich freuen uns schon!

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Donnerstag, 5. Juli 2018 von Nicole Leukhardt

Sie werden so schnell groß ...

Ich bin ja ein großer Fan von selbstständigen Kindern. Während viele Mamas in meinem Umfeld der längst vergangenen Babyzeit nachtrauern und seufzend feststellen, dass die Kinder viel zu schnell groß werden, freue ich mich über jeden Entwicklungsschritt, der aus meinem kleinen Mädchen ein großes macht. Denn nicht nur meine Tochter wächst, auch ich wachse an ihr. So habe ich beispielsweise gelernt, meine Wünsche ganz präzise zu formulieren. Ein einfaches „Bitte bring die Legos in Dein Zimmer“ führt beispielsweise dazu, dass ich die bunten Bauklötze fünf Zentimeter hinter der Schwelle der Kinderzimmertür finde. Auftrag korrekt ausgeführt. Findet mein Kind. Wozu unklare Kommunikation noch führen kann, erlebte ich just vor wenigen Tagen. Auf die Frage „darf ich mal Freunde einladen“, sagte ich großzügig „ja klar“. Ich stellte mir zwei bis drei Kinder vor, die einen sonnigen Nachmittag in unserem Spielhaus verbringen würden. Bis mich diverse Mütter anschrieben, um zu fragen, was es mit dieser Sommerparty auf dem Sportplatz mit Übernachtung in Zelten denn auf sich habe. Mein fünfjähriges Kind hatte da wohl einen etwas anderen Plan im Kopf als ich. Und beim Gedanken an kommende Teenie-Zeiten verstehe ich nun doch ein wenig, was am Krabbelalter so schön war ...

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Freitag, 15. Juni 2018 von Nicole Leukhardt

Mit der Mücke zum Elefanten

Kennen Sie die Redewendung „aus einer Mücke einen Elefanten machen“? Das Sprichwort ist grottenfalsch. Richtig müsste es heißen: Mit einer Mücke einen Elefanten machen. Ich erkläre auch gern, weshalb. Am Montag vergangener Woche brachte ich meine Tochter frühmorgens auf den Wanderparkplatz, wo ihre Kindergartengruppe sich zum Start in die Waldwoche aufmachte. Als ich in mein Auto stieg, juckte mich mein rechter Knöchel. Ich sah eine etwas dicke Stelle und in deren Mitte einen blutigen Punkt. Ich beschloss, den juckenden Mückenstich so gut ich konnte zu ignorieren. Am Dienstag war die Stelle großflächig rot und heiß geworden. Im Lauf des Dienstags geschah dann etwas Seltsames: Mein kompletter Knöchel begann zu wachsen und hörte gar nicht mehr auf. Am Mittwoch war er so angeschwollen, dass ich mit der Grazie eines fußlahmen Elefanten zum Arzt humpelte. Dieser diagnostizierte eine starke, allergische Reaktion, ein Antiallergikum ließ den Fuß einen weiteren Tag später wieder auf Normalmaß schrumpfen. Der Mücke allerdings wünsche ich von Herzen, dass ihr ein Elefant begegnet, der sie zur Schnecke macht. Aber ordentlich.

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Mittwoch, 9. Mai 2018 von Nicole Leukhardt

Kind, sag die Wahrheit

Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit, sagt man. Zumindest was die Kinder angeht, habe ich einschlägige Erfahrungen. Ich war neulich mit meiner Tochter in der Stadt. Nach einem ausgedehnten Bummel vermeldete das Kind plötzlich Hunger, der keinesfalls mehr den Weg bis zum heimischen Kühlschrank aushalten konnte. Wir suchten also die nächste Bäckerei auf und besorgten gleich Brötchen fürs Abendessen. Nachdem wir bezahlt hatten, reichte die Verkäuferin eine kleine Brezel über die Ladentheke. Zwar bedankte sich meine Tochter artig, konstatierte aber beim ersten Bissen noch im Laden: „Mama, die kannst Du essen, die ist bockelhart.“

Dass nicht nur ich so ein wahrheitsliebendes Kind habe, haben auch andere Eltern schon erlebt. Neulich stand ich auf dem Kindergartenparkplatz und plauderte noch kurz mit einer anderen Mama. Meine Tochter war bereits eingestiegen, als sich ein Kindergartenkumpel neugierig über sie beugte, um unser Auto von innen in Augenschein zu nehmen. Als der Kleine wieder auftauchte, sagte er anerkennend: „Tolle Ausstattung.“ Unnötigerweise fügte er an: „Aber halt dreckig wie d'Sau.“

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Freitag, 4. Mai 2018 von Nicole Leukhardt

Gelb macht nicht glücklich

Urlaub muss auch mal sein, sagte meine Familie kürzlich und lotste mich weg vom Schreibtisch und hin zur Strandpromenade des Bodensees. Und sie hatte Recht – wir genossen ein paar unbeschwerte Tage und waren viel in der Natur. Als wir wieder zurückkamen, stellte ich fest, dass die Natur in unserer Abwesenheit dafür bei uns war. Durch ein vergessenes, gekipptes Fenster hatte gefühlt ein Zentner Blütenstaub den Weg in unsere Küche gefunden. Vom Fensterbrett, über die Kaffeemaschine und sämtliche Ablagen sogar bis hinein in die Schubladen hatte sich ein feiner, zartgelber Schleier ausgebreitet. Kurz überlegte ich, die farblich neugestaltete Küche einfach hinzunehmen. Entspannt, mit einem Kaffee in der Hand. Beim Blick auf den Grund meiner Lieblingstasse verwarf ich die Idee seufzend wieder. Sie ahnen weshalb. Und so nutzte ich den Tag der Arbeit für eine Generalreinigung meiner Küche. Geld macht nicht glücklich, heißt es. Gelb übrigens auch nicht.

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