Donnerstag, 20. Dezember 2018 von Benno Schlagenhauf

Der Grinch im Kanzleramt

Im Kino läuft gerade die Neuauflage des Grinchs. Der grüne Griesgram hasst Weihnachten und will das Fest sabotieren. Die Bildzeitung hat ebenfalls einen Grinch ausgemacht, einen echten sogar. In die Rolle des Weihnachtsverderbers schlüpft in diesem Fall Annette Widmann-Mauz aus dem Wahlkreis Tübingen-Hechingen.

In ihrer Weihnachtsgrußkarte wünscht die Integrationsbeauftragte im Kanzleramt nicht etwa „Frohe Weihnachten“. Stattdessen steht da geschrieben: „Egal woran Sie glauben ... wir wünschen Ihnen eine besinnliche Zeit und einen guten Start ins neue Jahr.“

Bei der Bild gehört das natürlich direkt auf die Titelseite: Skandal! Widmann-Mauz schafft Weihnachten ab!

Doch ist das wirklich diese Aufregung wert? Wenn mir von Freunden, die Weihnachten nicht feiern, „Frohe Weihnachten“ gewünscht wird, hab' ich mich oft schon gefragt, wie ich antworten soll. „Dir auch“ passt ja nicht. Da finde ich den Ausdruck „Besinnliche Zeit“ ganz treffend. Schließlich freuen sich auch Anders- und Nicht-Gläubige über die festliche Zeit am Jahresende und gehen gerne auf Weihnachtsmärkte auch wenn sie Weihnachten selbst nicht feiern. Menschen, mit denen eine Integrationsbeauftragte qua Amtes häufig zu tun hat.

Auch unsere Redaktion erreichten zahlreiche Grußkarten. Viele wünschen schon auf dem Titel „Frohe Weihnachten“ andere ein „Frohes Fest“ oder „Frohe Festtage“. Das Schlagwort „Weihnachten“ haben aber dann im Innenteil glücklicherweise noch alleuntergebracht. Sonst wäre das ja der nächste „Skandal“ gewesen.

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Samstag, 10. November 2018 von Benno Schlagenhauf

Reise, Reise zu Rammstein

An der Nachricht, dass Rammstein auf große Europa-Tour gehen, war in den vergangenen Tagen kaum vorbeizukommen – selbst dann wenn man sich nicht groß für die Musik der Band interessiert. Wer Karten für eines der begehrten Konzerte haben wollte, brauchte Geduld, starke Nerven und eine gehörige Portion Glück, denn wer es am Donnerstag, an dem der Vorverkauf startete, überhaupt erst auf die völlig überlastete Website des Ticketanbieters schaffte, hing erst lange in Warteschleifen fest und musste dann zusehen, wie ein Spielort nach dem anderen „ausverkauft“ meldete.

Wie groß das Interesse an den Konzerten war, kann man schon an den Google-Suchanfragen ablesen: Dort war „Rammstein eventim“ mit über einer Million Anfragen der meistgesuchte Begriff des Tages.

Glücklich können sich diejenigen schätzen, die eines der begehrten Tickets ergattern konnte, denn alle Konzerte waren in kürzester Zeit ausverkauft.

Ich ging am Donnerstag auch mit zwei Laptops, einem Computer und einem Tablet parallel auf Ticketjagd. Aus den erhofften Stehplätzen in München oder Frankfurt wurden Sitzplätze in Wien – aber für solch ein Konzert nimmt man einen kleineren Umweg in die Stadt, die erst kürzlich wieder zur lebenswertesten der Welt gewählt wurde, doch gerne in Kauf. Und verglichen mit Barcelona, wo ein befreundeter Rammstein-Fan gelandet ist, ist es bis Wien ja nur ein Katzensprung.

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Samstag, 1. September 2018 von Benno Schlagenhauf

Heimspiel in der Fremde

Am Sonntag treten die Fußballer der TSG Balingen gegen den amtierenden Meister der Südwest-Regionalliga an. Mit dem FC Saarbrücken kommt ein Klub, der bereits in der Bundesliga gespielt hat und dank treuen Fans auch zahlreiche Gästezuschauer mitbringt. Jedoch nicht nach Balingen. Denn das Heimspiel – sicherlich eines der Saison-Highlights für Aufsteiger Balingen – wurde wegen Sicherheitsbedenken von der Bizerba-Arena ins Stadion des SSV Reutlingen verlegt.

Darüber, ob die Einstufung als Hochsicherheitsspiel und die hohen Auflagen in diesem Fall gerechtfertigt sind, kann man streiten. Es macht für Saarbrückens Ultras sicherlich einen großen Unterschied, ob sie zu einem Spiel gegen einen langjährigen Rivalen oder gegen einen ihnen unbekannten Aufsteiger spielen. Aber sei's drum: Es ist halt so entschieden worden.

Bleibt zu hoffen, dass die Balinger neben den verpassten Einnahmen im eigenen Stadion und den Mehrkosten in Reutlingen nicht auch noch den Heimvorteil einbüßen müssen.

Denn wenn genug Balinger die Reise nach Reutlingen antreten und ihr Team unterstützen, hält vielleicht auch „auswärts“ im Stadion an der Kreuzeiche die beeindruckende Serie: Seit 18. März 2017 hat die TSG kein Heimspiel mehr verloren.

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Freitag, 13. April 2018 von Benno Schlagenhauf

Wehe, es spoilert jemand

Für Comicfans fallen in diesem Monat Weihnachten, Ostern, Geburtstag und alle anderen Festtage zusammen. Denn am 26. April kommt Marvels Infinity War in die Kinos. Zehn Jahre nachdem mit der Comicverfilmung von Iron Man der Startschuss für den Siegeszug der Superheldenfilme und das Fundament für das Marvel-Universum gelegt wurde und nach mittlerweile knapp 20 weiteren Filmen, in denen neue Helden und Schurken vorgestellt wurden, werden nun alle Puzzle-teile in einem epischen Finale zusammengesetzt. Darin verteidigen alle Helden gemeinsam die Menschheit gegen eine übermächtige Bedrohung.

Kein Wunder also, dass der Streifen der am heißesten erwartete Film des Jahres ist (und höchstwahrscheinlich alle Zuschauerrekorde brechen wird).

Die Geheimhaltungsstufe ist enorm hoch. Es wurden Fake-Szenen gedreht, damit neugierige Paparazzi am Filmset und selbst die Darsteller keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Handlung ziehen können. Nur eine Handvoll Leute kennt das gesamte Drehbuch. Alles, um zu verhindern, dass die Kinogänger die Handlung schon vorab erfahren und der Filmgenuss dadurch verdorben – neudeutsch: gespoilert – wird.

Kürzlich widmeten sich sogar die Regisseure in einem Brief an die Fans mit der Bitte, ebenso vertraulich mit den Filminhalten umzugehen, wie es die Filmemacher getan haben.

Also: Wehe, jemand spoilert!

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Freitag, 26. Januar 2018 von Benno Schlagenhauf

Das böse, böse F-Wort

Rund sechs Millionen Zuschauer haben im vergangenen Jahr den dritten Teil von „Fack ju Göhte“ im Kino gesehen, was ihn mit Abstand zum erfolgreichsten deutschen Film des Jahres macht. Auch die ersten beiden Filme waren Kassenmagneten und stehen auf Platz vier und fünf der erfolgreichsten deutschen Filme aller Zeiten. Ob die Filme wohl noch besser gelaufen wären, wenn sie einen freundlicheren Titel gehabt hätten?

Den Richtern am Luxemburger EU-Gericht ist der Titel auf jeden Fall zu anstößig. Als der Filmtitel als Marke eingetragen werden sollte, lehnten sie das humorlos ab. Auch wenn die Komödie Millionen Menschen gesehen hätten, könne er dennoch Leute schockieren.

Nun kann man sich natürlich trefflich darüber streiten, wie böse das böse F-Wort im Jahr 2018 tatsächlich noch ist. Eines zeigt das Urteil jedoch: die Inkonsequenz der Gerichte. Denn ein bekannter Partyschnaps, der ebenfalls nach der vulgären Variante von koitieren benannt ist, wurde 2011 als Marke eingetragen.

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