Dienstag, 4. Dezember 2018 von Lydia Wania-Dreher

Ein Engel ohne Flügel

Es gibt sie. Die menschlichen Engel, die ganz unverhofft kommen und Licht ins Dunkel bringen. So erreichte uns vor einigen Tagen ein Brief von Marianne Fischer. Sie schrieb uns, dass sie in der Bahnhofstraße in Balingen geparkt hatte und einige Besorgungen machte. Als sie zurückkam, rutschte ihr der Autoschlüssel aus der Hand und fiel zwischen den Eisenstreben hindurch in einen Schacht. „Angesichts von zwei Terminen, die zeitnah wahrgenommen werden wollten, stand ich nun da und eine leise Panik begann sich in mir auszubreiten“, beschreibt sie die Situation. Die Menschen auf dem Gehweg eilten vorbei. Niemand nahm sich ihrer an. In ihrer Not betrat sie das in unmittelbarer Nähe liegende Antalya Kebab Haus. „Alle waren beschäftigt, gleichwohl wurde mir sofort aufmerksam, anteilnehmend zugehört und augenblicklich bahnte sich eine Lösung an“, schreibt Marianne Fischer. Ein freundlicher türkischer Mann angelte kurzerhand mit einem gebogenen Draht den Schlüssel aus dem Schacht. Erleichtert und glücklich konnte Marianne Fischer weiterfahren. Dank einem Menschen, der zuhörte, sich Zeit nahm und half.

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Donnerstag, 22. November 2018 von Lydia Wania-Dreher

Plastik schlägt auf den Magen

Vier Plastikflaschen, 115 Plastikbecher, 25 Plastiktüten, ein Nylonsack, zwei Flipflop-Sandalen und mehr als 1000 weitere Plastikteile. All das fanden kürzlich Forscher im Magen eines verendeten Wals, der an der Küste von Indonesien gestrandet war. Der Müll aus dem knapp zehn Meter großen Meerestier wog insgesamt 5,9 Kilogramm. Solche Nachrichten machen mich traurig und auch nachdenklich. Immer wieder überlege ich mir, was ich ganz konkret machen kann, um Plastik und so auch Plastikmüll zu vermeiden. Denn ich bin der Meinung: Auch Kleinvieh macht Mist. So nehme ich seit mehreren Monaten statt einer Plastikflasche eine mit Leitungswasser gefüllt Glasflasche mit ins Büro. Dazu benutze ich einfach eine herkömmliche Milchflasche. Günstig und leicht zu reinigen.

Doch allzu oft greife ich immer noch ganz selbstverständlich zu Plastik – zum Einfrieren, zum Abdecken, zum Transportieren. Dann habe ich manchmal ein schlechtes Gewissen, weil die durchsichtige Folie nur wenige Stunden im Gebrauch war. Dann denke ich an den Wal.

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Donnerstag, 4. Oktober 2018 von Lydia Wania-Dreher

Das schwere Schweben

Tanzen, als würde es kein Morgen geben. In Ekstase die Welt drum herum vergessen, nur einen einzigen Augenblick den Schmerz nicht fühlen. Die Fernsehserie „Babylon Berlin“ entführt die Zuschauer in eine Zeit des Ausnahmezustands. In die deutsche Hauptstadt 1929. Die Schrecken des Krieges sind präsent und die Zukunft ungewiss. Dieses Leben im Schwebezustand und die Unsicherheit, wer gut und wer böse ist, haben mich in den Bann gezogen. Eine Folge schaue ich nach der anderen an – gefesselt von den Bildern, die bittere Armut zeigen, und dem Handeln der Menschen. Jeder ist sich selbst am Nächsten. Aus dem Verratenen wird im nächsten Augenblick selbst ein Verräter, nur um einen kleinen Vorteil zu bekommen. So schillernd die Kleider auch sein mögen, so kokett die Hüte auch aussehen – ich bin froh, nicht in dieser Zeit zu leben. Und dankbar, anders leben zu können. Aber mir wird durch solche Filme auch immer wieder bewusst, dass mein jetziges Dasein nicht selbstverständlich ist. Und, es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Ich möchte nicht, dass wir uns im Jahr 2029 in einem solchen Schwebezustand befinden.

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Mittwoch, 3. Oktober 2018 von Lydia Wania-Dreher

Das schwere Schweben

Tanzen, als würde es kein Morgen geben. In Ekstase die Welt drum herum vergessen, nur einen einzigen Augenblick den Schmerz nicht fühlen. Die Fernsehserie „Babylon Berlin“ entführt die Zuschauer in eine Zeit des Ausnahmezustands. In die deutsche Hauptstadt 1929. Die Schrecken des Krieges sind präsent und die Zukunft ungewiss. Dieses Leben im Schwebezustand und die Unsicherheit, wer gut und wer böse ist, haben mich in den Bann gezogen. Eine Folge schaue ich nach der anderen an – gefesselt von den Bildern, die bittere Armut zeigen, und dem Handeln der Menschen. Jeder ist sich selbst am Nächsten. Aus dem Verratenen wird im nächsten Augenblick selbst ein Verräter, nur um einen kleinen Vorteil zu bekommen. So schillernd die Kleider auch sein mögen, so kokett die Hüte auch aussehen – ich bin froh, nicht in dieser Zeit zu leben. Und dankbar, anders leben zu können. Aber mir wird durch solche Filme auch immer wieder bewusst, dass mein jetziges Dasein nicht selbstverständlich ist. Und, es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Ich möchte nicht, dass wir uns im Jahr 2029 in einem solchen Schwebezustand befinden.

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Mittwoch, 19. September 2018 von Lydia Wania-Dreher

Ganz besondere Früchte

Äpfel wohin das Auge blickt. In diesem Jahr hängen die Obstbäume richtig voll. Auch in unserer Redaktion geht das nicht spurlos vorbei. Fast jeden Tag bringt ein anderer Kollege Äpfel aus seinem Garten mit und hat dazu auch gleich noch eine Geschichte zu erzählen, denn mit einer kleinen Anekdote isst es sich noch viel besser. So stammen die Früchte des einen Kollegen von einem gepfropften Baum. Daher weiß er die Sorte nicht, was unter den fachkundigen Apfelbaumbesitzern in der Redaktion gleich zu Mutmaßungen führt. Das könnte doch ein so und so sein oder vielleicht auch der oder der.

Ein andere Kollege weiß ganz genau, was er in seinen Garten gepflanzt hat: einen Fraas'schen Sommerkalvill. Quasi einen Ur-Balinger. Denn er ist nach Dekan Christoph Friedrich Fraas benannt. Dieser war nicht nur Geistlicher in der Eyachstadt, sondern auch ein begeisterter Obstzüchter. Durch Zufall entdeckte Dekan Fraas die robuste Sorte mit den süßen Früchten. Im September 1850 wurde dann Eduard Lucas auf seiner pomologischen Reise, die ihn auch durch Balingen führte, auf die schmackhafte Apfelsorte aufmerksam. Der königliche Garteninspektor beschrieb in einem Buch erstmals den sogenannten Fraas'schen Sommerkalvill. Schön, dass es heute noch einige Bäume dieser alten Balinger Sorte gibt und wir auch heute noch die Früchte des Dekans genießen können.

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