Mittwoch, 20. Juni 2018 von Lydia Wania-Dreher

Das, was im Kopf bleibt

Was sind Ihre frühsten Erinnerungen? Oft bestehen sie ja nur aus Fetzen oder Bildern, deren Zuordnung schwer fällt. Manchmal ist man sich nicht sicher, ob man sich wirklich an eine Begebenheit erinnert oder diese nur mit Hilfe eines Fotos im Gedächtnis rekonstruiert. Ich habe noch den Duft der Speisekammer meiner Ahne im Kopf. Süß wie Lakritz und ein bisschen muffelig – doch seit vielen Jahren existiert der Geruch nur noch in meiner Erinnerung. Er wird nie mehr wieder kommen, aber ich habe ihn in meinem Kopf ... und ein bisschen auch in meinem Herz. Solche Erinnerungen sind ein Schatz, den man jeder Zeit bei sich hat und den einem niemand wegnehmen kann.

? Doch es gibt auch andere Arten von Erinnerungen. Erinnerungen, die viele Menschen haben. Wie etwa der Anschlag auf die Türme des World Trade Centers 2001. Die Professorin Aleida Assmann forscht zu diesem sogenannten kollektiven Gedächtnis. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Jan Assmann wurde sie nun für ihre Arbeit mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Denn die beiden legten unter anderem wissenschaftlich dar, dass ein offener und ehrlicher Umgang mit der Vergangenheit grundlegende Bedingung für ein friedliches Miteinander ist.

? Als ich von dieser Auszeichnung gehört habe, freute ich mich sehr. Denn ich und wahrscheinlich viele andere habe Erinnerungen an Aleida Assmann. Im Bachelorstudium an der Universität Konstanz verfolgte ich begeistert die Vorlesungen dieser starken Frau. Vor über zehn Jahren sagte eine Kommilitonin zu mir: „Da musst du hin. Sie hat sogar einen Eintrag auf Wikipedia.“ Damals war das eine wirkliche Besonderheit.

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Dienstag, 12. Juni 2018 von Lydia Wania-Dreher

Schnuppernde Schwestern

Wer sucht eigentlich Ihr Parfüm aus? Bei mir ist das ganz einfach: ich selbst. Denn ich besitze nur ein einziges und dessen Duft verbinde ich mit einer schönen Begebenheit. Sollte ich mir doch mal wieder ein neues Parfüm zulegen, werde ich dieses Mal eine Begleiterin zum Kauf mitnehmen: meine Schwester. Denn Forscher der Karls-Universität Prag fanden heraus, dass sie am besten bei der Wahl des Duftes beraten kann. Sogar besser als der eigene Partner. Getestet wurde das allerdings mit Männern. Deren Schwestern suchten einen deutlich maskulineren Duft raus als sie selbst. Von den Testern wurde dieser dann als am passendsten eingestuft. Gefolgt von den Favoriten der Partnerinnen. Ganz zum Schluss kam ihre eigene Wahl. Ich hoffe nun, dass mein Parfüm trotzdem zu mir passt. Maskulin ist es schon mal, denn es ist eigentlich „pour homme“.

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Freitag, 9. März 2018 von Lydia Wania-Dreher

Tulpen sollen verblühen

Eine gelbe Blume im Vorfrühlingsgrau. Was gibt es Schöneres? Am liebsten erfreue ich mich an kleinen Blüten in der Natur. Die, die einem so ganz unverhofft am Wegesrand begegnen. Doch auch auf unserem Esstisch steht in schöner Regelmäßigkeit ein Strauß mit Blumen. Im Sommer am liebsten selbstgepflückt und auch sonst soll er möglichst naturnah sein. Doch bei den jüngsten Tulpen ärgerte ich mich. Beim Kauf waren alle Blüten noch geschlossen. In den nächsten Tagen gingen die Tulpen etwas auf. Doch was war das? Beim vermeintlich perfekten Aussehen – wie in der Floristenwerbung – stoppten die Blumen. Seitdem vertrocknen sie langsam, obwohl sie genügend Wasser haben. Die Tulpen sind weder gewachsen noch verblüht. Kein einziges Blütenblatt fiel herunter. Eine neue Sorte, die im angeblich perfekten Stadium verharrt, klärte man mich auf. Für mich ist das ein Unding. Für mich gehört es einfach dazu, dass Blüten aufgehen, erstrahlen und irgendwann verblühen. Ein ganz normaler Vorgang, in den man meiner Meinung nach nicht eingreifen sollte. Ich brauche keine Tulpen, die zwanghaft im angeblich besten Stadium stehenbleiben müssen.

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Mittwoch, 21. Februar 2018 von Lydia Wania-Dreher

Erste Hilfe von der Ameise

Das Tierreich überrascht mich immer wieder. Gerade die kleinen Dinge verblüffen mich. So fanden Forscher der Universität Würzburg vor kurzem heraus, dass Ameisen Erste Hilfe leisten. Ist eines der sozialen Tiere verletzt, wird es von den anderen zurück ins Nest gebracht. Hier lecken die Artgenossen die verletzte Stelle ab. Diese Prozedur kann einige Minuten dauern. Die Forscher nehmen an, dass so die Wunden gereinigt werden. Sie gehen davon aus, dass sich in dem Speichel antibakterielle Substanzen befinden. Diese Form der Ersten Hilfe ist offenbar sehr effektiv. Dank der Versorgung sterben nur rund zehn Prozent der geretteten Ameisen an ihren Verletzungen. Ohne eine solche Behandlung sind es 80 Prozent. Ob eine verletzte Ameise versorgt wird, entscheiden übrigens nicht die Helfer, sondern das verletzte Tier selbst. Denn die Forscher fanden auch heraus, dass schlimm verletzte Tiere so stark mit den Beinen um sich treten, dass sie nicht abtransportiert werden können.

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Samstag, 27. Januar 2018 von Lydia Wania-Dreher

Kakao für die Seele

Draußen ist es kalt und ungemütlich. Nieselregen über Stunden hinweg. Es gibt solche Tage, da würde ich mich am liebsten nur verkriechen oder erst gar nicht aufstehen. Doch das geht natürlich in den allermeisten Fällen nicht. Aber ich habe ein Mittel, das mir solche Tage erleichtert: eine Tasse heißer Kakao. Und ich meine jetzt nicht einen fertigen Kaba. Der ist mir viel zu süß. Nein. Ich erhitze meine Milch und gebe dann mindestens zwei Teelöffel reinen Kakao und ein klein wenig Zucker hinein. Kurz umrühren und schon ist der flüssige Glücklichmacher fertig. Allein das Gefühl auf der Zunge ist herrlich. Danach gehe ich wieder frohen Mutes mit einem guten Gefühl im Bauch durch die Welt und genieße noch ein bisschen den wohltuenden Geschmack im Mund.

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