Freitag, 2. Juni 2017 von Nico Pannewitz

Nicht nur im Moment leben

Bei einigen aus meiner oder jüngeren Generationen sehe ich ab und zu eine vielleicht etwas buddhistisch angehauchte Einstellung: Lebe mehr im Moment! Ob durch Meditation oder Konzentration auf unmittelbaren Spaß und Belohnung: Leute mit dieser Philosophie versuchen, Vergangenheit und Zukunft außer Acht zu lassen und möglichst „nur“ in der Gegenwart zu leben – sich von der Wahrnehmung der Zeit als Abfolge von Momenten zu entfernen und stattdessen alle Momente miteinander zu verbinden und als einen „ewigen“ Moment erscheinen zu lassen. Dadurch mögen vielleicht Zukunftssorgen verschwinden und das Leben schöner erscheinen – dennoch sollte diese Denkweise meiner Meinung nach nur in Maßen gepflegt werden. Denn sie macht den Menschen letztlich zu einem passiven Subjekt, das die Welt nur „erfährt“, sie aber nicht nachhaltig plant, gestaltet und verändert. Wir haben heute den Luxus, so zu denken und zu handeln, weil unsere Vorfahren und auch Menschen heute nicht so gehandelt haben und handeln. Und es sollte auch in Zukunft genügend Menschen geben, die mit Langzeitplanung und Blick auf die Zukunft die bisherige Gesellschaft zumindest erhalten, so dass Menschen auch künftig ab und zu mal „im Moment“ leben können.

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Freitag, 28. April 2017 von Nico Pannewitz

Rote Gefahr von innen

W as halten Sie vom Satz: „Nationalsozialismus hatte gute Ideen und was die Nazis getan haben, war kein richtiger Nationalsozialismus“? Würden Sie der Person, die das sagt, zustimmen und sie gar noch zum Dozenten machen? Wohl kaum. Umso perplexer bin ich,wenn ich sehe, mit welcher Teilnahmslosigkeit des Staates und der Bürger marxistische Lehren in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr eine Renaissance bei westlichen Studenten und Professoren feiern. Denn nicht vergessen: Marxismus hat mit rund 100 Millionen Toten weitaus mehr Menschenleben auf dem Gewissen als der zurecht verteufelte Faschismus und Nationalsozialismus. Und der oft gehörte Satz „Marxistische Ideen sind gut, wurden bisher aber falsch umgesetzt“ ist Schwachsinn. Marxismus besteht aus schlechten Ideen, die zwangsläufig grausige Konsequenzen haben. Die Überzeugung, dass es richtig sei, Individuen ihres Besitzes und ihrer Individualität zu berauben und sie einem Kollektiv unterzuordnen, das aber wiederum von Individuen angeordnet und geführt werden müsse ... kann nur zu Konflikt und Diktatur führen. Einige osteuropäische Länder, die die Gräuel des Marxismus am eigenen Leib erlebt haben, betrachten uns zunehmend mit Misstrauen – wen wundert's?

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Dienstag, 25. April 2017 von Nico Pannewitz

Ein Hoch auf die 90er-Jahre

Wenn es um Nostalgie für vergangene Dekaden geht, scheinen die 90er-Jahre bei vielen Menschen nicht sehr hoch im Kurs zu stehen. Während gerade die 80er-Jahre durch ihre Musikhits, Neonlichter und wahnsinnige Kleidung als Kult gelten, wird das Jahrzehnt, in dem ich meine Kindheit verlebte, als eher uncool angesehen. Aber warum? Sonderbare, einzigartige Mode, Technologie und Spielzeug gab es in jeder Dekade, genauso wie gute und schlechte Musik. Und im Gegensatz zu den vom Kalten Krieg beherrschten 80ern oder den vom 11. September und Terrorismus gezeichneten 2000ern gab es für die Deutschen der 90er-Jahre auch keine unmittelbare Bedrohung, die den Horizont verfinsterte. Vielleicht liegt es teilweise aber genau daran, dass die 90er-Jahre selbst bei jenen, die in ihnen aufgewachsen sind, keine großen Emotionen auslösen können – vielleicht waren sie im Rückblick als Ruhephase nach der vorhergegangenen Krisenzeit und vor dem nächsten „Sturm“ vergleichsweise ereignislos und „langweilig“. Langeweile muss aber nicht schlimm sein – im Gegenteil: Wohl nur wenige im Laufe der Geschichte können von sich behaupten, in einer Zeit und Umgebung ohne Krieg, Armut und Elend aufgewachsen zu sein. Ich hatte dieses Glück – dafür werde ich die 90er-Jahre immer in wohliger Erinnerung behalten.

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Donnerstag, 30. März 2017 von Nico Pannewitz

Hassliebe zum Sonntag

Der verkaufsoffene Sonntag erfüllt mich persönlich nicht gerade mit Freude. Auch in Albstadt bin ich vorigen Sonntag nicht durch die Läden getigert. Denn einerseits habe ich, dem typischen Männerklischee entsprechend, stets einen genauen Plan, welche Lebensmittel und Waren ich brauche und besorge diese kurzfristig unter der Woche oder am Samstag. „Bummeln“ gehe ich sowieso nie. Und der Sonntag an sich ist für mich auch ein emotional widersprüchlich aufgeladener Tag. Als Kind mochte ich ihn nicht so wie den Samstag, weil er zwar auch ein freier, aber der letzte freie Tag vor der Schule am Montag war. Dass das unangenehme Gefühl des immer näher kommenden Schulbeginns ja aber eben dadurch verstärkt wurde, dass durch die geschlossenen Geschäfte am Sonntag nicht viel Ablenkung möglich war, sollte eigentlich für die verkaufsoffenen Sonntage sprechen. Dass ich mir dieses Widerspruchs bewusst bin, hilft mir dennoch nicht, die negativen Assoziationen aus der Kindheit und Jugend loszuwerden. Genauso wenig wie die Tatsache, dass ich die Vorstellung von amerikanischen Läden, die jeden Tag rund um die Uhr geöffnet sind, ja eigentlich ganz reizvoll fände. Umgeben von der Stille der Nacht um drei Uhr morgens in aller Ruhe einzukaufen – das hätte was.

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Dienstag, 31. Mai 2016 von Nico Pannewitz

Rassentrennung von links

Haben Sie sich schon mal auf Whatsapp von Ihren Emojis diskriminiert gefühlt? Ich jedenfalls habe nie gedacht, dass die ursprünglich gelben Smilies und sonstigen Symbole, mit denen man Whatsapp-Nachrichten ergänzt, Unterdrückung symbolisieren. Weil ich bei Menschen eben nicht auf die Hautfarbe achte, sondern sie nach individuellen Charakter- und sonstigen Eigenschaften beurteile, kam es mir nie in den Sinn, dass die gelbe Farbe eine Hautfarbe symbolisieren könnte. Nein, es war einfach die Smilie-Farbe. Marxistisch angehauchte, sogenannte „Kämpfer für soziale Gerechtigkeit“, die davon ausgehen, dass bestimmte kulturelle und sexuelle Minderheiten im freien Westen nach wie vor grundsätzlich marginalisiert werden, können hingegen in allem Rassismus und Unterdrückung erkennen. Auf ihren Druck hin hat Whatsapp deshalb vor einiger Zeit die Emoji-Palette erweitert, viele Smilies sind nun in unterschiedlichen Hautfarben vorhanden, der „Diversität“ zuliebe. Nicht nur, dass die Whatsapp-Handhabung jetzt etwas komplizierter ist: Läuft diese Maßnahme nicht komplett der Gleichbehandlung der Menschen entgegen, welche diese Aktivisten angeblich wollen? Muss ich, der sich um Hautfarbe nicht schert, mir Rassismus unterstellen lassen von denen, die selbst Hautfarbe so sehr in den Vordergrund stellen? Sind in der heutigen freien Gesellschaft nicht eher diejenigen Rassisten, die sich mehr für kulturelle als für individuelle Rechte einsetzen und denen Diversität von Rasse und Hautfarbe wichtiger ist als Diversität von Ideen und Charakteren? Verstärken diese und weitere „gut gemeinte“ linksregressive Maßnahmen nicht eher die wahrgenommenen Unterschiede zwischen „Kulturen“ und propagieren eine Überlegenheit bestimmter „Rassen“, anstatt allen dieselbe „Farbe“ zu geben und sie damit „gleich“ zu behandeln?

Ich jedenfalls weigere mich nach wie vor, vermeintlichen Menschengruppen in heutigen Zeiten grundsätzlich eine Opferrolle und damit eine Sonderbehandlung einzuräumen. Aber ich frage mich jeden Tag, was als Nächstes von links kommt: Kehren wir zu einzelnen Waschbecken für bestimmte Hautfarben zurück? Denn das wäre ja irgendwie „diverser“ und „gerechter“.

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