Freitag, 27. April 2018 von Matthias Zahner

Alles nur ?Zufall?

So richtig wohl habe ich mich neulich nicht mehr gefühlt: Ein gesponserter Facebook-Post eines Bezahlfernsehsenders tauchte auf meiner Timeline auf. Eigentlich nichts Ungewöhnliches und auch kein Grund zur Sorge – eigentlich. Die Tatsachte, dass ich kurz zuvor mit einem Freund im Facebook-Chat darüber diskutiert hatte, ob ich einen Tageszugang für den TV-Sender buchen soll, um das Champions-League-Halbfinale zwischen Liverpool und Rom anzuschauen, erweckte ein mulmiges Gefühl in mir. Alles nur Zufall? Nach den Facebook-Enthüllungen der vergangenen Wochen eher nicht. Bereits im Sommer war die „soziale“ Plattform in der Kritik. Der Vorwurf: Facebook höre Telefonate seiner Nutzer ab und platziere entsprechende Produktwerbung in deren Timeline. Der Milliarden-Konzern stritt die Anschuldigung selbstredend ab. Konsequenzen zog ich damals nicht, es betraf ja andere. Die Facebook-App blieb auf meinem Smartphone. Ist ja schließlich wichtig, über so viele Kanäle wie möglich erreichbar zu sein. Aber an diesem Champions-League-Tag hatte es auch mich erwischt – ausspioniert, mitgelesen. Bitter und beängstigend, aber wohl erneut ohne Konsequenzen für meine Facebook-Mitgliedschaft.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Samstag, 30. Dezember 2017 von Matthias Zahner

Bloß nicht ausrutschen!

Und: „einen guten Rutsch“ – wie viel Leute mir das seit etlichen Jahren kurz nach Weihnachten gewünscht haben, kann ich nicht sagen. Es waren jedenfalls viele, ja fast alle, die ich zu besagter Zeit vermeintlich vor Silvester zum letzten Mal gesehen habe. Als ich als Kind den gängigen Neujahrsgruß von den Erwachsenen hörte, verfestigte sich ein kurioses Bild in meinem Kopf: Ein Mann rutscht auf den zumeist glatten Straßen an Silvester aus. Deshalb fand ich den Wunsch irgendwie komisch. Dass der Gruß aber weder etwas mit „ausrutschen“ noch mit „rüber- oder reinrutschen“ zu tun hat, habe ich erst viel, viel später in einem Online-Artikel gelesen. Und da sich das Internet auch irren kann, habe ich bei einem Experten nachgefragt. Professor Johannes Heil, Rektor der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, bestätigte mir: Der „gute Rutsch“ kommt vom jüdischen Neujahr, dem „Rosch ha-Schana“ – wörtlich übersetzt „Kopf oder Anfang des Jahres“. Der Jude habe seinem christlichen Nachbarn zu Silvester „einen guten Rosh“, also einen „guten Anfang“, gewünscht. Der wollte ebenso freundlich erwidern und sagte: „einen guten Rutsch“. Ein Missverständnis nicht ohne Folgen also. Wie dem auch sei. Ich wünsche Ihnen jedenfalls morgen einen guten Start ins neue Jahr, kommen Sie gut rein, rutschen Sie gut rüber – aber bloß nicht aus!

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.
<1>