Samstag, 9. Juni 2018 von Daniel Seeburger

Weihnachten schon im Mai

Die Sonne brennt. 30 Grad im Schatten. Den unzähligen Kindern, die da im Playmobil-Funpark in Zirndorf wippen, sandeln, Floß fahren, Burgfräulein und Ritter spielen, das Piratenschiff erobern, matschen, Schätze suchen und Kletterwände erklimmen, ist das völlig egal. Sie wuseln, laufen, springen, und hopsen vorwärts, rückwärts und seitwärts. Als ich versuche, meine zwei Jungs in einem Pulk von Nuggetschürfern in einem riesigen Sandkasten zu finden, fällt mir auf, dass Kinder immer rennen – es sei denn sie schlafen oder sitzen vor der Glotze. Der Bewegungsdrang meines Nachwuchses ist an diesem Tag enorm, während Mama und Papa jedes Schattenplätzchen, das man einmal ergattert hat, mit Zähnen und Klauen verteidigt. Die Ruhe, die man dort findet, wähnt allerdings nur kurz. Denn schon haben meine Kinder die nächste Attraktion entdeckt und stürmen los. Hat man sich dann erfolgreich zum Ausgang vorgekämpft, wartet noch die ultimative Herausforderung für Kinder und Eltern: der Playmobil-Shop. Meine Kinder erweisen sich in den Verhandlungen mit den Eltern als echte Profis und sichern sich die um über 30 Prozent reduzierte Falkenritterburg, die aber trotzdem immer noch so teuer ist wie eine viertel Spülmaschine. Der Deal: die Eltern bezahlen, die Burg gibt's aber erst zu Weihnachten. Und so profitieren beide Parteien vom Geschäft. Bei den Kindern startet die Vorfreude auf Heiligabend äußerst früh und die Eltern ersparen sich viel Stress, denn sie haben sich das wichtigste Weihnachtsgeschenk schon Ende Mai gesichert.

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Donnerstag, 7. Juni 2018 von Daniel Seeburger

Wo sind nur die Schwalben hin?

Hurra! Heute morgen habe ich einen Feldhasen gesehen. Er hoppelte einsam über ein Maisfeld, war auf der Suche nach einer Hecke, in der er Deckung suchen konnte. Feldhasen sind selten geworden. Genau so wie Schwalben. Die Vogelzählung vom 10. bis 13. Mai brachte ein ernüchterndes Ergebnis: es gibt 26 Prozent weniger der schwarz-weißen Gesellen als im vergangenen Jahr. Einer der Gründe dafür ist die Verdolung von Bachläufen. Denn die Schwalben holen den Baustoff für ihre Nester von Wasserstellen, die nicht mehr als 300 Meter von ihrem Brutort entfernt liegen. Ein weiteres Problem ist der schleichende Rückgang der Insekten. Durch den vermehrten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und eine intensivierte Landwirtschaft wird der Lebensraum für Insekten immer mehr eingeschränkt. Dabei gäbe es durchaus Möglichkeiten, hier auch im Kleinen Abhilfe zu schaffen. Brennnesseln im Garten sind kein Unkraut, sondern wichtig für Schmetterlinge. Totholz bietet Wildbienen und Hummeln Unterschlupf. Klinisch reine Gärten sind der Tod für viele Nutzinsekten. Und auch die Gemeinden können einiges für den Schutz von Insekten und Vögeln tun. Weshalb beispielsweise werden in vielen Städten und Dörfern im vier- bis sechswöchigen Rhythmus die Randstreifen an Straßen und Wegen abgemäht? Dass das an Bundes-, Landes- und Kreisstraßen aus Sicherheitsgründen notwendig ist, ist klar. An allen anderen Wegen allerdings wird durch intensives Mähen die Lebensgrundlage zahlreicher Tiere und Pflanzen zerstört. Wie es mit den Insekten, Schwalben und Hasen in unserer Umwelt weiter geht, liegt an uns. Wir können unser Verhalten ändern, die Tiere nicht.

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Freitag, 25. Mai 2018 von Daniel Seeburger

Glyphosat als Durstlöscher

Ich trinke ganz gerne mal ein Bier. Als Durstlöscher. Bei der Auswahl dieses Getränks schaue ich natürlich darauf, dass es lecker schmeckt. Ein Export oder ein Lagerbier mag ich besser, als Pils oder Weißbier. Und auch ein süffiges Bockbier verachte ich nicht. Ein weiteres Auswahlkriterium ist die Herkunft des Bieres. Ich bevorzuge jene aus der Region. Schaumkronen, für die große Brauereiriesen verantwortlich zeichnen, meide ich. Zukünftig wird wohl ein weiteres Auswahlkriterium dazukommen: die Frage nach den im Bier erhaltenen Spuren von Herbiziden. Namentlich Glyphosat. Die Stiftung Warentest hat kürzlich 20 alkoholfreie Biere getestet, lediglich zwei Biobiere waren glyphosatfrei. 28 Mikrogramm des Pflanzenschutzmittels pro Kilogramm war die höchste Konzentration, die in den anderen Bieren gefunden wurde. Da müsse ein Erwachsener rund tausend Liter Bier pro Tag trinken, um in den gefährlichen Bereich zu kommen, zitiert Spiegel Online das Bundesinstitut für Risikobewertung. Man könnte sich also beruhigt zurücklehnen und sein Bierchen genießen. Ja, könnte man. Will ich aber nicht. Wenn ich Bier trinke, will ich Bier trinken. Gerne auch einmal ein India Pale Ale oder Biere mit besonderen Aromen. Die dann aber auf der Bierflasche vermerkt sind. Was ich im Bier drin haben will, sind vor allem Gerste, Hopfen und Wasser. So wie es das Reinheitsgebot von 1516 festlegt. Von Glyphosat war in den vergangenen 502 Jahren nie die Rede.

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Dienstag, 8. Mai 2018 von Daniel Seeburger

Literatur stinkt

Nun hat es also auch den Literaturnobelpreis erwischt. Im Hintergrund des Nobel-Komitees liefen Dinge, die nicht in Ordnung waren. Korruption, sexueller Missbrauch, Günstlingswirtschaft lauten die Vorwürfe. In diesem Jahr wird der Preis nicht vergeben. Es ist offensichtlich. In den höchsten Etagen des Literaturbetriebs stinkt es ganz gewaltig. Dass nicht nur dieser stinkt, sondern selbst Bücher einen eigenwilligen Geruch haben können, wurde mir bei einem knapp zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt klar. Zu einer schweren Operation nahm ich den 1280-Seiten-Schmöker „Das achte Leben (Für Brilka)“ der georgischen Autorin Nino Haratischwili mit in die Klinik. Dort bildete ich mir ein, die Infusionen, die mir täglich verabreicht wurden, hätten einen üblen Eigengeruch. Als ich wieder zu Hause war, hatte ich den Gestank immer dann in der Nase, wenn ich mein Buch aufschlug. Ich bemerkte, dass mir nicht die Infusionen, sondern der spezifische Eigengeruch des Romans unangenehm in die Nase stieg. Es wurde so schlimm, dass ich auf Seite 800 das Buch zur Seite legte und seither nie wieder aufschlug, weil ich beim Lesen des Werks immer den Eindruck hatte, eine Infusionsnadel in der Armbeuge stecken zu haben. Neulich machte ich wieder den Geruchstest. Sieben Monate nach der OP riecht das Buch zwar immer noch – allerdings assoziiere ich nicht mehr „Krankheit“ damit. Ich kann also die letzten 500 Seiten in Angriff nehmen. Ob sich der Gestank des Literaturnobelpreises im Laufe der Zeit auch so einfach verflüchtigt? Ich bezweifle es.

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Dienstag, 10. April 2018 von Daniel Seeburger

Echte Archäologen

Wir hatten ein Problem: Mein achtjähriger Sohn hat sich in den Kopf gesetzt, Archäologe zu werden. Begonnen hatte seine Liebe zur Vor- und Frühgeschichte mit Asterix und Obelix. Genau wie sein Papa, liebt er diese Comics und hat zwischenzeitlich auch die meisten lateinischen Sprüche intus, die die Römer loslassen. Da die Gallier, zu denen sich Asterix und Obelix zählen, Kelten sind, war am Sonntag ein Besuch im Freilichtmuseum Heuneburg bei Hundersingen obligatorisch. Dort sah mein Filius, was sich mittels moderner Archäologie alles machen lässt – und er war begeistert. Das alles wolle er später auch mal machen. Vor allem die kleinen Bagger auf den Ausstellungsfotos faszinierten ihn. Dann kam Klaus Haller, der neue Leiter des Museums. Der Archäologe fachte für die Kinder ein Feuer an und die Kleinen durften selbst Fleischerhaken schmieden. Wir kamen mit Haller ins Gespräch. Nein, Archäologie könne er dem Filius keineswegs empfehlen. Die Berufsaussichten seien alles andere als rosig. Ja, man müsse ein gerüttelt Maß an Idealismus mitbringen. Meinen Sohn berührte das herzlich wenig. Gerade deshalb, weil Archäologe als Berufswunsch bei ihm im Augenblick nur knapp über Fußballprofi rangiert. Eines aber lässt sich mein Filius nicht nehmen: Er will auf jeden Fall an Pfingsten zum großen Event auf die Heuneburg, bei dem verschiedene Epochen, von der Steinzeit bis zum Mittelalter, lebendig werden. Man trifft dort Urzeitmenschen, Kelten, Römer, Karolinger, Ottonen und Ritter. Und eben echte Archäologen.

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