Dienstag, 9. Oktober 2018 von Gudrun Stoll

Fahr lieber mit dem Auto

Ganz bewusst übte ich vorige Woche den Verzicht aufs Auto und löste mit Familienmitgliedern und Nachbarn ein Baden-Württemberg-Ticket, um Staus auf der B 27 und der leidigen Suche nach einem Parkplatz in Stuttgart zu entgehen. Unser Ziel war das Historische Volksfest auf dem Schlossplatz, das nicht nur uns, sondern mehr als eine halbe Million Menschen begeistert hat. Das will was heißen bei Schwaben, denen selten ein Lob über die Lippen kommt.

Doch gemach, auch die Bruddler kamen beim Ausflug voll auf ihre Kosten. Der Deutschen Bahn sei Dank. Der IRE von Aulendorf nach Stuttgart fuhr um die Mittagszeit bereits mit Verspätung im Ebinger Bahnhof ein und musste an jedem Haltepunkt bis Tübingen den Gegenzug abwarten. Letztendlich summierte sich bis zum Hauptbahnhof Stuttgart der ständige Stillstand auf eine satte Verspätung. Zugpersonal war nicht an Bord, die Toilette defekt. Wer dennoch aufs stille Örtchen musste, dem blieb nichts anderes übrig, als an einem der Bahnhöfe in Wagen Nummer zwei umzusteigen. Improvisationstheater, das eine Gruppe junger Leute, deren zünftiges Outfit den Cannstatter Wasen als Ziel verriet, mit Humor nahm. Senioren dürfte ob solcher Zustände das Lachen vergangen sein.

Weil es so schön war auf dem Volksfest, nahmen wir den „Lumpensammler“, um ohne Umstieg von Stuttgart wieder nach Ebingen zu kommen. Aber auch dieser letzte IRE am Abend schaffte die ruckelige Fahrt auf die Alb nicht ohne Verspätung. Wie heißt es so schön im legendären Song von Wise Guys: „Für Ihre Leidensfähigkeit danken wir spontan“ – thank you for travelling with Deutsche Bahn.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Donnerstag, 13. September 2018 von Gudrun Stoll

Am Dialog hapert's

Mit der Einführung der Berufsarmee haben sich viele Türen geschlossen, die in Zeiten der Wehrpflicht offen standen für den Dialog zwischen Militär und Bürgergesellschaft, Bürgermeistern und Kommandeuren. Wohl kaum hätte es in jenen Zeiten derartige Irritationen über die Präsenz von Soldaten gegeben, die sich derzeit in der stillgelegten Zollernalbkaserne in Meßstetten aufhalten.

Diese Gruppe wurde, wie sich gestern mit einem Anruf beim Kommandanten des Truppenübungsplatzes Heuberg klären ließ, in den Räumen eingemietet, weil die Unterkünfte in Stetten a.k.M. aus allen Nähten platzen. Doch allein schon die Nachricht, dass auf dem Geißbühl Truppenbewegungen beobachtet wurden, löste in Meßstetten helle Aufregung aus. In der Stadt reagiert man sensibel auf alle Nachrichten, welche die Bundeswehr betreffen. Zumal die dürftigen Informationen aus den oberen Etagen von Generalität und Ministerium über eine mögliche Reaktivierung des Bunkers und Rückkehrpläne nach Sigmaringen viel Raum lassen für Mutmaßungen.

Dass nun auch noch bekannt wurde, dass ein großes Manöver von Nato und EU startet, dessen Ausläufer sich bis auf den Großen Heuberg erstrecken, hat die Gerüchteküche in Windeseile befeuert. Die Rathäuser auf dem Großen Heuberg rechtzeitig über diese ABC-Abwehrübung zu informieren, wäre Aufgabe und guter Stil des Landeskommandos Süd gewesen.

Vielmehr noch bewegt aber eine ganz andere Frage: Wenn das Heer ist Stetten a.k.M. über den Augenblick hinaus mehr Kapazität benötigt, wieso bringt der Bund dann die Zollernalbkaserne in Meßstetten nicht unverzüglich wieder in Schuss, anstatt Millionen in Neubauten zu stecken? Ein guter Anlass für unseren Abgeordneten, ganz energisch Druck zu machen.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Freitag, 31. August 2018 von Gudrun Stoll

Wer hat an der Uhr gedreht ?

Um's salopp zu sagen: 4,6 Millionen Europäer. Noch nie haben sich so viele EU-Bürger an einer Online-Befragung beteiligt. Mit eindeutigem Ergebnis: 80 Prozent der Teilnehmer sprachen sich für die Abschaffung der Zeitumstellung aus, weil sie das ewige Hin und Her zwischen Frühjahr und Herbst satt haben. Die Teilnehmer konnten auch ankreuzen, ob lieber dauerhaft die Sommer- oder die Winterzeit gelten sollte. Das Pendel schlug klar zugunsten einer ganzjährigen Sommerzeit aus. Kein Wunder, haben sich doch drei Millionen Deutsche an der Umfrage beteiligt. Und wir schätzen halt das Quäntchen mehr an Lebensgefühl, das uns diese eine Stunde im Sommer beschert: Es ist am Abend länger hell, man kann länger draußen sitzen in Gartenwirtschaft oder Park.

Bindend ist diese Erhebung nicht. Doch auf Grundlage der Ergebnisse sowie anderer Studien und Meinungen will die Brüsseler Behörde entscheiden, ob sie dem EU-Parlament einen Vorschlag zur Abschaffung der Zeitumstellung vorlegt. Die Parlamentarier wären sicher gut beraten, auf Volkes Stimme zu hören – und die Umsetzung einheitlich zu regeln. Damit nicht jedes Land für sich entscheidet, welche Zeit genehm ist. Da wären wir Deutschen sicher wieder Klassenprimus im Diskutieren und Abwägen aller Vor- und Nachteile.

In diesem Jahr müssen wir die Uhren nochmals zurückstellen - Sie kennen ja die Eselsbrücke mit dem Cafébesitzer, der am Ende der Saison die Stühle ins Winterquartier bringt. Aber eine rechtsgültige, klare und schnelle Entscheidung fürs Wahljahr 2019 würde die Lust am Urnengang und an Europa steigern.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Samstag, 25. August 2018 von Gudrun Stoll

Nicht nur eine Frage des Alters

Im Panoptikum auf der Hamburger Reeperbahn steht seit wenigen Tagen eine neue Wachsfigur von Bundeskanzlerin Angela Merkel, mit typischer Raute, aber auch ihren Marionettenfalten, die in jüngster Zeit ausgeprägter geworden sind. Die Kanzlerin altert. Wie ein jeder Mensch. Die stete Präsenz auf der Bühne der Weltpolitik hat Spuren hinterlassen. Nun gehört Merkel nicht zu den Frauen, die zum Ausbügeln der Falten zum Schönheitschirurgen rennen oder Botox tanken. Aber charmant ist die öffentliche Darstellung ihres Alterungsprozesses nicht - erinnert sei an die ausgeprägte Eitelkeit von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, der den Streit um seine angeblich gefärbten Schläfen bis vors Bundesverwaltungsgericht (!) trug. Die Kanzlerin weiß sich wenigstens in guter Gesellschaft: Die Ehre, ein zweites Mal in Deutschlands ältestem Wachsfigurenkabinett verewigt zu werden, wurde außer ihr bisher nur Helmut Schmidt zuteil.

Ab wann ein Mensch zu alt ist, um noch Auto zu fahren, diskutieren unsere Leser eifrig in den sozialen Medien, nachdem der Landkreis diese Woche quasi eine Prämie in Form eines Jahresabos für Bus und Bahn in Aussicht stellt, wenn Senioren ihren Führerschein freiwillig abgeben. Nun macht das Alter allein noch lange keinen schlechten Fahrer – trotz spektakulärer und schlimmer Unfälle. Und es wäre gewiss eine Überlegung wert, dem Beispiel einiger EU-Länder zu folgen, in denen die Leistungsfähigkeit von Senioren am Steuer regelmäßig getestet wird. Aber ab wann ist man zu alt zum Autofahren? Diese Frage lassen Landratsamt und Kreisseniorenrat offen. Wie Senioren problemlos und schnell mit dem Bus zum Einkaufsmarkt oder zum Arzt in die Stadt kommen, ebenso. Schade.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.

Dienstag, 21. August 2018 von Gudrun Stoll

Ein Lob mit Gschmäckle

Um mit falschen Vorstellung aufzuräumen: Wenn sich Bundesminister zu einer Sommertour anmelden, ist das weder für die Gastgeber noch für die Presse ein Termin, der mit großem Vergnügen verbunden ist. Für Ursula von der Leyen gilt als Verteidigungsministerin Sicherheitsstufe 1. Sie genießt Personenschutz rund um die Uhr und ist nur in gepanzerten Autos unterwegs. In der Albkaserne konnte sich der Gast aus Berlin relativ frei bewegen, aber ein schützender Abstand blieb. Die Pressevertreter nahmen es gelassen hin, dass ein auf Sprengstoff trainierter Spürhund Kamerarucksäcke und Taschen beschnupperte.

Zündstoff im übertragenen Sinne bot die Sommervisite der Ministerin nicht. Das Resümee: Viel Aufwand für die Außenwirkung, jede Menge Medienvertreter auf der Jagd nach dem perfekten Bild, keine Zeit für bohrende Fragen, keine sensationellen Neuigkeiten. Dass in den Standort Stetten zig Millionen Euro investiert werden, ist hinlänglich bekannt. Einzig die Gästeliste gab Anlass zu Verwunderung. Wohlgemerkt aus lokaler Sicht. Stettens Bürgermeister und die Sigmaringer Landrätin durften am Gespräch hinter verschlossenen Türen teilnehmen. Plus der Bundestagsabgeordnete, der eh über die gesamte Visite im Windschatten der Ministerin und CDU-Parteikollegin segelte.

Diese Drei heimsten auch das ausdrückliche Lob von der Leyens für Gemeinden und Landkreise ein, welche die Bundeswehr schätzen und tragen. Auf der benachbarten, zur Visite nicht geladenen Zollernalb wird man's zur Kenntnis nehmen. Je nach Gemütslage verwundert, perplex oder fassungslos.

Kommentare unserer Leser

Bitte beachten: Ab sofort können nur noch Abonnenten kommentieren. Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren.