Freitag, 27. Juli 2018 von Gudrun Stoll

Das ist des Pudels Kern

Die Welt ist ein Tollhaus, ein Krise jagt die nächste. Und doch gibt es immer wieder Momente, die einen glücklich und froh stimmen. Um auf des Pudels Kern zu kommen: Die Polizei in Baiersbronn hat wohl zum ersten Mal seit Menschengedenken mit einem Foto nach einem Hund gefahndet. Der Vierbeiner hat weder einem unangenehmen Zeitgenossen in die Waden gebissen noch an einen Laternenpfahl gepinkelt.

Timmi ist am Samstag nach dem Öffnen der Haustür einfach seinem 82-jährigen Frauchen entwischt. Sie hatte ihn erst zwei Tage zuvor für ihren vor kurzem verstorbenen Hund bei sich aufgenommen. Die Suche nach dem sechs Jahre alten Pudel blieb erfolglos, in ihrer Not wandte sich die Seniorin schließlich an die Polizei. Diese erwies sich als Freund und Helfer und schrieb Timmi samt Foto zur Fahndung aus. Und siehe da: Wunder gibt es immer wieder. Der braungelockte Vierbeiner hatte irgendwann genug vom Herumstreunen und schloss sich mit feiner Nase am Mittwoch einer Wandergruppe an, die eine Gaststätte ansteuerte. Da Zeitungsleser einfach mehr wissen, wurde der Pudelmann anhand des Fahndungsfotos sofort erkannt. Timmi ist mittlerweile wieder zu Hause. Ende gut, alles gut.

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Mittwoch, 25. Juli 2018 von Gudrun Stoll

Wo geht's denn hin?

Sind die Koffer schon gepackt? Baden-Württemberg startet am Donnerstag in die Schulferien. Als vorletztes Bundesland. Wohin es die Schwaben zieht, hat das Online-Reisebüro „Ab in den Urlaub“ aus den bereits gebuchten Reisen ausgewertet. Wenn es um die schönsten Tage im Jahr geht, lassen sich die Menschen ihre Urlaubspläne weder vom Fußballdebakel, der Rassismusdebatte, den peinlichen Herren aus dem DFB-Elfenbeinturm noch vom Alleinherrscher am Bosporus vermiesen: Ganz oben auf der Liste der Ziele steht die türkische Riviera. Dorthin zieht es 15,8 Prozent der Reisenden.

Obwohl die Mallorquiner die Invasion der Touristen und deren Feierexesse gründlich satt haben, belegt die Baleareninsel im Sommer 2018 Platz zwei auf der Beliebtheitsskala.

Gerne verbringen die Badener und Württemberger den Sommer auch in den ägyptischen Badeorten am Roten Meer oder fliegen auf eine der zahlreichen griechischen Inseln. Auf Korfu oder Kreta, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen, gelten Touristen nicht als lästige Plage. Die Einheimischen schreiben Gastfreundschaft und Freundlichkeit groß.

Ein Klassiker bleibt Italien. Und wer gerne zu Hause ausspannt, braucht sich nicht zu verstecken: Auch das Ländle ist „besonders“. Und man muss nicht mal Hochdeutsch können.

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Mittwoch, 18. Juli 2018 von Gudrun Stoll

Bruno in der Postmoderne

Um Himmels Willen nein: Ich will im Juli nicht in weihnachtliche Themen abschweifen. Man kann ja froh sein über jeden sonnigen und warmen Tag, der Lust macht auf Freibad, Freizeit und die bald beginnenden Ferien. Aber bis der letzte Schultag endlich naht und auch in den Firmen und Handwerksbetrieben die Arbeit für kurze Zeit ruht, heißt die Parole: Mindestens einmal am Tag ganz langsam bis Zehn zählen, den Stress wegatmen und die Gehirnzellen mal kurz durchlüften. Kurz vor der Sommerpause herrscht eine Hektik und Terminfülle, wie man sie aus den so gern als besinnlich verbrämten Tagen kennt, bis sich am 24. Dezember das letzte Türchen am Adventskalender öffnet – womit wir wieder beim Thema wären. . .

Gemeinderäte und Kreistag packen in ihre letzten Sitzungen vor der Sommerpause eine Themenfülle, die jegliches Maß sprengt. Der Veranstaltungskalender fürs anstehende Wochenende ist angehäuft mit Events, die ausreichen würden für ein Monatsprogramm. Dann folgt die Saure-Gurken-Zeit, früher ein Fall für Nessie, Problembär Bruno oder Kaiman Sammy. Heute stopfen Selfies und aufgepeppte Onlinenachrichten die scheinbare Langeweile des Sommerlochs.

Schade, denn wir gönnen uns auch in der Sommerfrische keine Ruhe mehr. Dabei hätten wir diese Zeit der Reflexion über diese irre gewordene Welt und ihre aus dem Ruder laufenden Politiker bitter nötig.

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Mittwoch, 27. Juni 2018 von Gudrun Stoll

Albtraum im Dreivierteltakt

Mehr als 30 Millionen Touristen nehmen jährlich Venedig ein. In der einst auf 118 künstlichen Pfahlinseln erbauten Lagunenstadt herrscht Tag für Tag Belagerungszustand. Die Reiseführer halten mit hoch in den Himmel gereckten Schirmen und Täfelchen ihre Gruppen in Schach, damit die Gäste aus aller Herren Länder in den drangvoll engen Gassen nicht verloren gehen. Der Markusplatz ersäuft in der Masse Mensch. Der von Napoleon einst als schönster Festsaal Europas bezeichnete Platz ist fest in der Hand von Touristen, Tauben – und jener erschreckend schnell wachsenden Spezies von Mensch, die am Selfie-Wahn leidet und sich vor dem Dogenpalast für das Selbstpotrait in Pose stellt. Wenn die Gondoliere ihre Barken vertäuen, kehrt Ruhe ein in den Kanälen und Seitenstraßen. Doch der abendlich illuminierte Markusplatz wartet mittlerweile nicht nur zur Winterzeit mit einem Phänomen auf, das die Touristen ebenso fasziniert wie die historischen Bauten. Flut und Scirocco drücken das Wasser der Adria landeinwärts, der nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegende Platz wird daher immer wieder überflutet.

Zuerst sprudelt das Wasser aus den Abflusskanälen, dann bilden sich Inseln, die sich nach und nach zu einer großen Wasserfläche vereinen. Ein packendes Schauspiel, das viele Nachtschwärmer in Plastikstiefeln genießen oder barfuß, sich im Dreiviertaltakt und feurigen Tangorhythmen der in den Lokalen aufspielenden Kapellen wiegend. Ein Tanz auf dem Vulkan, entzündet vom langsam steigenden Meeresspiegel, dem sinkenden Baugrund und dem Tribut an den Massentourismus, der durch die Invasion der Kreuzfahrtschiffe noch beflügelt wird. Venezia, die Stolze und Schöne, kämpft gegen den Untergang. Aber Venedig gehört zu jenen Orten, die man einmal im Leben gesehen haben muss. So wie ich. Auch wenn's zum Albtraum wird.

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Donnerstag, 24. Mai 2018 von Gudrun Stoll

Lieber Malle statt pauken

Mit allem hätten die Passagiere wohl gerechnet, aber wohl kaum mit einer Schulschwänzer-Razzia der bayerischen Polizei. Den Gesetzeshütern gingen auf den Flughäfen Nürnberg und Memmingen 20 Familien ins Netz, die lieber in den Pfingsturlaub flogen, als ihre Kinder in den Unterricht zu schicken.

Das Erstaunen über die klare Kante der Polizei ist groß, die reflexartig folgende öffentliche Diskussion hingegen war zu erwarten – und macht wieder einmal sprachlos. Bundeselternrat und die Lehrergewerkschaft GEW üben den Schulterschluss und kritisieren den Einsatz der Polizei als übertrieben. Verständnis wird geäußert an der Haltung der Eltern, die ihren Kids Freibriefe fürs Schulschwänzen ausstellen, weil die Flüge kurz vor dem Urlaub billiger und die Straßen weniger verstopft sind. Obwohl sie ganz eindeutig gegen Regeln verstoßen. Schöne Vorbilder.

Ja wo leben wir eigentlich? Ich ging samstags noch regelmäßig zur Schule, Pfingstferien kannten wir gar nicht. Wer als Familie früher in den Sommerurlaub starten wollte, weil sich die Möglichkeit bot zu einer Reise in ferne Länder, die Kindern kulturell und auch sprachlich ganz neue Horizonte öffnete, holte sich das Einverständnis von Klassenlehrer und Schulverwaltung ein. So, wie es sich gehört. Ein Totschlagsargument aus längst vergangenen Tagen? Mag sein. Aber Lehrerverbände, die Nachsicht dafür zeigen, dass sich Eltern Regeln so zurecht biegen, wie es gerade in ihre Urlaubsplanung passt, überspannen den Bogen. Null Verständnis erntet diese Haltung meinerseits. Zumal wir in Deutschland eh über Autoritätsverlust klagen. Müssen wir uns noch wundern?

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