Samstag, 12. November 2016 von Karl-Otto Müller

Vorgeschmack auf Stuttgart 21

Bahn und die Provinz, historisch eng verbandelt. Schuf doch einst die Schiene enge Bande zwischen Stadt und Land. Heute? Na ja! Über Nachfrage kann sich Bahnchef Grube eigentlich nicht beklagen – die Züge, im Albstädter oder in Balingens Bahnhof scheinen bestens ausgelastet. Ja, in Waggons zusammengepferchte Fahrgäste sprechen gern von Überlastung. Sie üben sich bescheiden in Geduld – wohl auch im Zeitalter der Dienstleistung dankbar, überhaupt befördert zu werden. So dringt die Klage über der Bahn neuesten Streich nur schüchtern in die Redaktionsstube: Ob die Bahn wohl mit neuem Fahrplan ihre Fahrgäste von der Zollernalb bereits daran gewöhnen möchte, wenn Stuttgart 21 erst mal fertig ist, in Tübingen umzusteigen?

Künftig jedenfalls führt die morgendliche IRE-Verbindung fahrplangemäß von Balingen nach Stuttgart über Herrenberg, dann mit der S-Bahn in die Landeshauptstadt. Macht inklusive zweifachem Umsteigen eine Fahrzeit von über zwei Stunden. Statt schon bisher nicht gerade rekordverdächtigen 75 Minuten. Aulendorfer gar stellen sich auf dreieinhalb Stunden Fahrzeit ein!

Der Flixbus-Chauffeur lacht sich schon jetzt ins Fäustchen.

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Freitag, 4. Dezember 2015 von Karl-Otto Müller

Nur peinlich!

Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine kleine Spedition. 66 Lastwagen, viele, viele Chauffeure. Und plötzlich sogar einen Auftrag: Sechs Lastzüge nach Norddeutschland. Na gut, das klappt gerade so, weil zwar nur 29 ihrer 66 Lastwagen fahrtüchtig sind, sie aber auch nur sechs benötigen. Ihre Spedition? Eigentlich längst pleite! Nicht viel anders klingt die Nachrichten lage aus unserem Verteidigungsministerium: 66 Tornados, 29 sind flugtüchtig, das genügt, weil unsere Bundeswehrsoldaten für ihren Syrieneinsatz ja nur sechs benötigen.

Eigentlich eine Bankrotterklärung! Unsere Bundeswehr – tatsächlich der bestbehütete Schrottplatz im Land? An dieser Stelle wollen wir über Sinn und Zweck dieser Syrien-Mission gar nicht reden, allein das Wie lässt uns den Kopf schütteln.

Wie solche Nachrichten in der weiten Welt wirken, darüber wollen wir gar nicht nachdenken.

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Mittwoch, 10. Juni 2015 von Karl-Otto Müller

Und nach mir die Gönner?

Also, ich kann mir morgendliche Begegnungen angenehmer vorstellen, als jene am Samstag auf Rosenfelds Ursulamarkt. Ein Händler beklagte bei seiner Nachbarin den kargen Besuch zu früher Stunde, ja, sorgte sich bereits um einen „vertanen Samstag“. Als diese ihn wohl aus eigenem Erfahrungsschatz aber mit despektierlichem Blick auf den einsamen frühmorgendlichen Besucher zu ermuntern versuchte: „Es ist ja noch früh am Tag, jetzt kommen erst einmal die Geier mit ihren Dollarzeichen in den Augen – sie hoffen auf das Schnäppchen . . .“

Mich traf's degengleich in die Brust. Ob ich denn hier etwas Unanständiges, gar Verwerfliches wollte?

Erst beim anschließenden Frühstück fragte ich mich, wer denn wohl nach mir, zu späterer Stunde auf den Rosenfelder Flohmarkt ginge, ob das wohl nur noch Gönner, Spender und Wohltäter wären?

Habe ich womöglich Sinn und Zweck des Flohmarktsbesuchs über Jahrzehnte hinweg falsch verstanden? Dann, liebe Rosenfelder Händlerin, sage ich Ihnen an dieser Stelle von Herzen: Danke!

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Samstag, 23. Mai 2015 von Karl-Otto Müller

Nachtigall, ick hör dir . . .

Rottweil oder Meßstetten? Der Knast treibt uns um. Sensibel sind unsere Antennen bei diesem Thema, hinter jeder Silbe versuchen wir die Antwort zu erheischen, erst recht, wenn sie aus Ministermund erschallt. Wie in dieser Woche. Das Projekt „Großgefängnis in Meßstetten“ könnte mitnichten dortige Infrastrukturprobleme lösen, wehrte der Justizminister den Hinweis auf erhaltenswerte Bundeswehr-Sportanlagen ab. Und tags darauf in Rottweil soll derselbe Minister mit dem Hinweis für seinen Großknast geworben haben, sporttreibende Vereine könnten selbstverständlich auch die Anlagen der Justizvollzugsanstalt nutzen.

Nachtigall, ick hör dir trapsen. Ob der Minister mehr weiß?

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Freitag, 22. Mai 2015 von Karl-Otto Müller

Ihren Ausweis, bitte!

Balinger mussten draußen bleiben. Als ob sie das Gefängnis in Meßstetten nichts anginge. Es waren nicht wenige Nicht-Meßstetter, die ebenfalls am Mittwochabend von Justizminister Stickelberger quasi Informationen aus erster Hand über das mögliche Großgefängnis in Meßstetten hören wollten. Des Ministers Kommen war ja laut genug angekündigt.

Vor Ort aber wurden Albstädter, Balinger, Schömberger rüde abgewiesen: Halt, Ihr Ausweis, bitte! Und wenn darauf als Adresse nicht die Stadt Meßstetten ausgewiesen war, dann durfte, nein musste man draußen bleiben.

Die Ausweiskontrolle zur Infoveranstaltung, sie fand einerseits der Sicherheit wegen statt, mehr aber noch sollten am Mittwoch die Plätze den Menschen vorbehalten bleiben, die unmittelbar von LEA und Knast tangiert sind, eben Meßstetter. Die Themen sind heikel genug, da tut die Politik gut daran, den Menschen sensibel zu begegnen. In diesem Fall scheint dies in Meßstetten ein weiteres Mal gelungen – von Vernunft getragene Politik, ganz gleich, ob der Knast kommt oder nicht, ob die LEA geht oder bleibt.

Natürlich geht das in Balingen, in Albstadt ebenso an, unter diesen Umständen aber haben wir Verständnis – und, in aller Bescheidenheit: die objektive Zusammenfassung Stickelbergers Informationen im ZAK.

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