Samstag, 29. September 2018 von Rosalinde Conzelmann

Wie in der Achterbahn

Haben Sie schon Heizöl getankt? Dann sind Sie zu beneiden. Ich habe zwar noch eine Reserve im Tank, dieser Tage aber für die Nachbarn die gemeinsame Bestellung organisiert, weil deren Bestände zur Neige gehen. Außerdem wird es einem Schwaben ja auch mulmig, wenn zum einen ein kalter Winter prophezeit wird und der Tank nicht randvoll sind, zum anderen man dauernd die Preise vergleichen muss, um ja den richtigen, sprich preisgünstigsten, Zeitpunkt nicht zu verpassen. Also wir haben ihn wahrscheinlich verpasst, denn ich habe vorgestern bestellt. Weil mich das sonst kirre macht und mich Trumps „Zündeleien“ auf dem weltweiten Ölmarkt maßlos aufregen. Mit dem Sprit ist es ja das selbe Theater. Als ich gestern nach Feierabend an die Zapfsäule fuhr und voll machte, meinte die nette Verkäuferin, dass es vor einer halben Stunde noch zehn (!!!) Cent günstiger gewesen ist. Ableiten ließe sich daraus aber überhaupt nichts: „Heute Nachmittag ist es stündlich rauf und runter.“ Ich weiß schon, warum ich auf dem Rummel nie mit der Achterbahn fahre.

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Donnerstag, 27. September 2018 von Rosalinde Conzelmann

Der letzte (Blüten)-Zauber

Nach dem wunderbaren Sommer und den heißen Tagen und Nächten atmet mein Garten wieder auf – und ich auch. Denn ich habe die langen, warmen Sommerabende ausgekostet, jede Sekunde. Ich bin nun „sonnensatt“ und bereit für die neue Jahreszeit, die ihren eigenen Zauber hat. Bevor aber der Raureif meine Stauden überziehen wird und ich den Winterschnitt machen werde, genieße ich noch jede freie Minute im Garten. Die Regentage haben die Pflanzen nochmals erblühen lassen. Besonders die auf den ersten Blick unscheinbare Fetthenne und die leuchtenden Herbstastern wirken zauberhaft. Noch immer habe ich reichlich Besuch von Bienen und Wespen, die sich an den zuckersüßen Weintrauben laben. Schade nur, dass mir wenig Zeit für diesen Anblick bleibt, denn wenn ich von der Arbeit heim komme, ist es schon kühl und ruckzuck dunkel. Aber der goldene Herbst hat ja erst begonnen und der Zauber wirkt noch eine Weile.

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Freitag, 24. August 2018 von Rosalinde Conzelmann

Vuole un caffè?

H at man Ihnen beim Lebensmitteleinkaufen schon einmal einen Kaffee angeboten? Mir ist dies zum ersten Mal dieses Jahr im Urlaub passiert. In unserem kleinen Lebensmittelladen in dem verwinkelten ligurischen Dörfchen Costarainera habe ich morgens immer Pane und duftende Brioche geholt und wurde jedes Mal freundlich willkommen geheißen. An einem Morgen plauderten die beiden Betreiberinnen mit einer Kundin, jede hielt eine kleine Kaffeetasse aus Plastik in der Hand. Auf mein „Buon giorno“ folgte ein Lächeln und die Frage, ob ich nicht auch ein Tässchen möchte: Voule un caffè , Signora? Ich habe dankend abgelehnt, die Geste aber hat mich richtig gefreut. Bei uns werden die Lebensmittelmärkte immer größer und anonymer; während es in Italien nahezu in jedem Dörfchen noch einen Tante-Emma-Laden gibt. Dort ist die Auswahl zwar nicht riesig, aber man findet wirklich alles für den täglichen Bedarf. Auch wenn man viel Zeit mitbringen muss, denn die netten Mitarbeiter lassen sich weder beim Schinkenaufschneiden noch beim Abwiegen der Pfirsiche aus der Ruhe bringen, hat mir dieses Einkaufserlebnis gut gefallen. Und beim nächsten Mal werde ich annehmen: Volentieri!

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Mittwoch, 11. Juli 2018 von Rosalinde Conzelmann

Zehn Worte für eine Welt

Es ist dieser eine Satz, der mir nicht aus dem Kopf geht und der heute mehr denn je gehört werden sollte. In einer Zeit, in der Europa und unsere Regierung am Asylstreit zu zerbrechen drohen. Der große Knall ist zwar vorerst aus Machtkalkül ausgeblieben, aber der Kompromiss, der glücklicherweise nun doch noch gefunden wurde, ist zerbrechlich und spaltet unser Land weiter. „Wir sind alle Kinder Abrahams, ob wir wollen oder nicht.“ Zehn Wörter nur, die die Lösung sein könnten. Der, der sie spricht, ist der Oberhirte der katholischen Weltkirche. In der Dokumentation „Ein Mann seines Wortes“ von Wim Wenders sagt Franziskus diesen Satz – eindringlich, schlicht, mit einem Lächeln auf den Lippen. Zuvor hat man den Pontifex auf einem Schiff in Lampedusa, in einem Flüchtlingslager in Lesbos gesehen. Mitfühlend und verständnisvoll für die Schicksale dieser Heimatlosen schaut er nicht weg. Die mächtige Kirche kann ja helfen mit ihrem auf Kosten anderer angehäuften Reichtum, mit ihrer Scheinheiligkeit, werden Kritiker sagen. Ja, das kann sie. Aber wir können es auch, denn: „Wir sind alle Kinder Abrahams, ob wir wollen oder nicht“ – und, ob uns dieser Satz gefällt oder nicht.

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Dienstag, 5. Juni 2018 von Rosalinde Conzelmann

Ein toter Wal zu viel

Es war ein qualvoller Tod für den Kurzflossen-Grindwal. Der stolze Meeressäuger verendete an mehr als 80 Plastiktüten im Magen in einem Kanal an der thailändischen Grenze zu Malaysia. Zuvor erbrach er fünf Plastiktüten. Vergeblich hatten Retter versucht, sein Sterben zu verhindern. Das Tier hat schlicht keine nährstoffhaltige Nahrung mehr aufnehmen können, sagen Biologen. Der tödliche Mageninhalt wog acht Kilogramm. Das Erschreckende daran: Es ist kein Einzelfall. Jährlich verenden zahlreiche Tiere, Schildkröten und Delfine, am Plastikmüll unserer Zivilisationsgesellschaft. Der Mensch vermüllt seinen eigenen Lebensraum; die Weltmeere verkommen zu Plastikgruben, das Wort Recycling klingt wie Hohn. So sinnlos und grausam der Waltod ist, vielleicht schreckt er die Menschen auf, ihr Verhalten zu ändern. Es gibt Projekte, wie den Quadrimaran zum Säubern der Meere des Schweizers Yvan Bourgnon. Diese sollten wir unterstützen und Wegwerfplastik aus unserem Alltag verbannen.

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