26.07.2016

Leserbrief

Bis zum nächsten Störfall

 

Mittwoch im Dotternhausener Gemeinderat: Es war Gemeinderat Siegfried Rall, der zuvor vergeblich versucht hatte, per Antrag „noch genauere Informationen zu erhalten und die Entscheidung zu vertagen“. Das Reizwort Dioxin wurde ausgesprochen. Holcims Werkleiter Schillo sagt sichtlich verärgert „Um selbstkritisch zu ergänzen, dass man im Jahr 2013 ein einziges Mal bekanntermaßen minimal erhöhte Dioxinwerte im Werk gemessen habe, die aber noch weit unter dem gesetzlichen Grenzwert lagen“.

Schillo kennt offensichtlich seinen Umweltbericht von 2013 nicht oder lügt. Laut Umweltbericht: Bei einer externen Überprüfung der Abgase im August 2013.

Laut der Messwerttabelle des Verbands der Deutschen Zementindustrie wurde der gesetzliche Dioxingrenzwert um 40 Prozent überschritten. Wie lange der Wert überschritten war? Ungeklärt. Die letzte Kontrolle war acht Monate davor. Erst 2014 wurde der Störfall im Umweltbericht 2013 Seite 9 ganz klein gedruckt bekannt gemacht.

Dioxin und andere hoch giftigen Stoffe werden nur an drei Tagen im Jahr kontrolliert. Bei der nächsten Kontrolle war alles verdächtig gut, man kann sich ja darauf einstellen, was verheizt wird.

Weiter im Umweltbericht: „Mit Unterstützung der Behörden und Beratung durch externe Experten konnten wir die Ursache für die erhöhten Wert ermitteln“. Holcim darf giftbringenden Müll verbrennen und hat nicht einmal die Fachkompetenz, die Grenzwerte einzuhalten. Das ist ein Skandal.

Sicher würde das Einsparpotenzial an Brennstoffen ausreichen, um zig Experten einzustellen und auch geeignete Filter nachzurüsten. Doch solange es allerdings ohne geht, steigen die Gewinne weiter. Das ist Verantwortungslos.

Aber wo bleibt die Verantwortung vom Regierungspräsidium Tübingen? Man mag es nicht glauben, das Amt hat die Bürger auch nicht gewarnt. Ich würde eher sagen, man hat beim Vertuschen geholfen. So wie damals in Seveso. Sehr bedenklich, denn der Dioxinausstoß 2013 bei Holcim hätte gereicht, um einige Millionen Menschen mit der maximalen Tagesdosis zu versorgen.

Hat das System bei den Schweizer Konzernen, jeden Störfall zu vertuschen? So wie 1976 in Seveso bei Mailand, im Chemiewerk vom Schweizerischen Roche Konzern, eine ganze Region wurde mit Dioxin vergiftet. Tausende leiden noch heute unter den Folgen. Auch Roche wollte den Störfall vertuschen und dementierte tagelang.

Was bleibt da noch übrig, von der sauberen Weste des Herrn Werkleiters?

Sollten Sie jetzt Interesse an Holcims Umweltberichten haben, Internet Suchtext „Holcim Umweltbericht 2013“ sehr interessante Lektüre.

Bis zum nächsten Störfall.

Martin Stussak
Römerweg 2
72355 Schömberg

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