27.07.2016

Leserbrief

Ein Schelm, der Böses dabei denkt

 

Zumindest die Überschrift des Artikels ist richtig. Allerdings sieht eine sachliche Berichterstattung anders aus.

Bei der Projektvorstellung bei Holcim wurde mit keiner Silbe erwähnt, dass sich beim Abkühlprozess Dioxin bildet. Da es sich um keinen Verbrennungsprozess handelt, war dies für mich damals auch völlig glaubhaft.

Erst zwei Wochen später stand in einem Forschungsbericht des Vereins Deutscher Zementwerke zur Thematik des Ausschleusens und Abkühlens von Heißsand klar und unmissverständlich, dass sich bei dem Abkühlungsprozess in einem bestimmten Temperaturfenster Dioxin bildet. Dieser Bericht trifft genau auf die jetzige geplante Maßnahme von Holcim zu.

Diese Mitteilung habe ich bei einer nachfolgenden Veranstaltung ausführlichst mit den dafür zuständigen Abteilungsleitern bei Holcim besprochen. Die Informationen kamen am Anfang zwar zögerlich, nach Erwähnen des Forschungsberichtes war aber schnell klar, dass sich beide Experten in dieser Problematik wirklich hervorragend auskannten.

Der entscheidende Punkt, nämlich das Abführen und Unschädlichmachen des dioxinhaltigen Luftgemenges, wurde nicht zufriedenstellend geklärt. Um diese Einzelheiten muss sich eigentlich ein Mitglied des Gemeinderates nicht kümmern. Die Ausarbeitung und Prüfung des immissionsschutzrechtlichen Antrages gehört zum Aufgabenbereich des Regierungspräsidiums Tübingen.

Weder war diese Problematik in der Sitzungsvorlage des Gemeinderats, noch bei der Vorstellung des Projektes in der besagten Gemeinderatssitzung von Herrn Schillo erwähnt worden.

Es gehört selbstverständlich zu den Aufgaben eines jeden Gemeinderates, bei mängelbehafteten Sitzungsunterlagen in einem solchen sicherheitsrelevantem Fall zusätzliche Informationen und ein Verschieben des Tagesordnungspunktes auf die nächste Sitzung zu fordern. Also wahrlich nichts dramatisches, sondern schlichtweg ein normales Demokratieverhalten. Absolut unverständlich, weswegen dann eine solche Stigmatisierung erfolgt.

Übrigens: Bei oben genannter Gemeinderatssitzung hat der ebenfalls anwesende Leiter der Ersatzbrennstoffe Herr Wimmer auf die Frage welche Kunststoffsorten eigentlich verbrannt werden, trotz mehrfacher Nachfrage, keine zufriedenstellende Antwort gegeben. Dies wurde in dem Zeitungsbericht nicht erwähnt.

Leider kann der interessierte ZAK-Leser den oben genannten Forschungsbericht des VDZ im Internet seit etwa zwei Wochen nicht mehr aufrufen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Siegfried Rall
Degenhartstr. 5, Dotternhausen

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