02.09.2016

Leserbrief

Lasche Grenzwerte bei der Müllverbrennung verhindern Verbesserung der Luftqualität

 

Vom Regierungspräsidium wird bessere Luft versprochen, wenn erst einmal Fahrverbote und Pförtnerverkehr eingeführt sind. Das wurde den Bürgern in Reutlingen und Ulm auch versprochen. Was ist die Realität? Nichts, nahezu nichts haben die Fahrverbote gebracht, teilweise stieg sogar die Belastung durch Stickstoffdioxid an. Warum Reutlingen und Ulm? Beide Städte haben südlich von ihnen gelegen Zementhersteller und die Hauptwindrichtung aus Süd-Südwest dürfte die Luftschadstoffe schön in ihre Richtung blasen. Bei den Produktionssteigerungen, bedingt durch die Konzentration der Zementwerkstandorte der letzten Jahre, braucht sich keiner zu wundern, dass es mit den Schadstoffen nach oben geht. Sicher nicht überall ist die Zementproduktion für steigende Luftbelastung verantwortlich, grundsätzlich tragen nahezu alle Industriebetriebe mit steigendem Einsatz von fossilen Brennstoffen bei.

Die Autos sind sauberer geworden, abgesehen von ein paar schwarzen Schafen. Diese schwarzen Schafe gibt es auch bei den Zementherstellern. So schaffte es Holcim in Dotternhausen den Schadstoffausstoß in wenigen Jahren teilweise um rund 130 Prozent zu steigern. Was bringt eine grüne Zone, wenn Holcim ca. 60 Prozent mehr Schadstoffe ausstößt als der gesamte Verkehr im Raum Balingen. Der Anteil von Fahrzeugen mit roter und gelber Plakette beträgt in etwa fünf Prozent und die sollen es bringen – lächerlich.

Solange die Regierungspräsidien Tübingen und Freiburg, Holcim Sondergenehmigungen und lasche Grenzwerte für die Verbrennung von circa 300 000 Tonnen Müll und 400 000 Tonnen Ölschiefer erteilen, können eine grüne Zone und Pförtnerverkehr keine nennenswerte Verbesserung der Luftqualität bringen, sondern nur Einbußen beim Einzelhandel. Eine hart erkämpfte, qualitativ hochwertige und führende Position des Balinger Einzelhandels. Gefährdet durch blinden Aktionismus des Regierungspräsidiums, weil sich diese nicht an die großen Konzerne heranwagen, sprich an die eigentlichen Übeltäter. Weiter werden viele Kleinunternehmer und finanziell schwache Bürger durch Fahrzeugneuanschaffungen an den Rand des Ruins getrieben. Würde man Holcim moderne Katalysatoren für die Müll- und Schieferverbrennung vorschreiben, könnte man sicher einiges an den zirka 1156 Tonnen pro Jahr an Stickstoffdioxid einsparen. Aber solange Bürgermeister, Landratsamt und Regierungspräsidien nur Lobeshymnen auf Holcim singen, wird vom eigentlichen Problem abgelenkt. Leider wurde bis dato das Informationsangebot der BI Pro-Plettenberg in den Bürgergremien von den Oberhäuptern verhindert. Stehen diese etwa den multinationalen Konzernen näher als ihren Bürgern oder hat es andere Gründe?

Martin Stussak
Sprecher BI Pro-Plettenberg
Römerweg 2, Schömberg

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