14.02.2017

Leserbrief

Ein ganzer Berg wird ausgehöhlt

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
Zu: Bürgerentscheid in Dotternhausen am Sonntag, 19. Februar, zum Kalksteinabbau auf dem Plettenberg.
Beinahe ist man ja ein wenig an „Erin Brockovich“ erinnert: Eine Gruppe engagierter Bürger gegen den scheinbar übermächtigen Konzernriesen LafargeHolcim Ltd., der zurzeit also nicht an den Fronten des Kartellamts, oder gegen Klagen aus den USA wegen Umweltverschmutzung kämpft, sondern nun im Kleinen seine Felle davonschwimmen sieht. Hier geht es aber nicht um ein Drehbuch oder David gegen Goliath, und eigentlich auch nicht um emotional aufgeladene Debatten.
Versuchen wir, sachlich zu bleiben, und nicht Umweltschutz gegen Arbeitsplätze aufzuwiegen oder sich gar für eins der beiden zu entscheiden. Der Bürgerentscheid steht bald an, und wir Hausener, so unbedeutend wir sein mögen, hoffen, dass die Dotternhausener wissen, welche Bürde mit dem Entscheid auf ihnen lastet: Natürlich gehört euch der Berg, aber auch wir sehen ihn jeden Tag, sind auf sein Mikroklima angewiesen und schätzen, gemeinsam mit den vielen Wanderern und Touristen, das Konzept der „Abenteuer Stille“, das unsere Gegend doch so lebenswert macht.
Die Entscheidung, die ihr trefft, hat nun einmal auch für viele andere Menschen in der Region Auswirkung. Und auf die nächsten Generationen. Es wird eben ein ganzer Berg ausgehöhlt und der Zahnkranz auf einer Seite komplett abgerissen, das ist schlicht und einfach nie wieder rückgängig zu machen.
Aber vermutlich ist es an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt nicht mehr angebracht, über Fakten, Argumente, Verträge oder Strategien zu diskutieren. Das wurde schon ausgiebig getan. Wir haben unsere Stimme über unseren Gemeinderat und unseren Bürgermeister an die Vertretung der Dotternhausener herangetragen. Auch wenn keine Rückmeldung kam, hier erneut unsere schlichte Bitte an euch, die ihr die Entscheidung treffen müsst: Es geht hier um den dritthöchsten Berg der Schwäbischen Alb mit einer Silhouette, die auch auf der „hinteren Seite“ des Berges markant, beeindruckend schön und schützenswert ist.
Bei einem derartig wunderbaren Landschaftsschutzgebiet sollte man eigentlich über eine umfassende Erhaltung reden. Und nicht von einer Reduzierung. Vor allem nicht im 21. Jahrhundert. Übrigens: Bei Erin Brockovich ist am Ende der Konzern PG&E weder Pleite gegangen, noch wurden Mitarbeiter entlassen. Es handelt sich nach wie vor um einen der größten Energieversorger in den USA.
Christine und Hans Edelmann
Junkergarten 9
Hausen am Tann

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Politik, Plettenbergabbau.

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