17.02.2017

Leserbrief

Pro und Kontra anhören

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
Offiziell geht es um die Größe der Erweiterungsfläche, doch verfolgt man die Diskussion, wird klar, hier geht es um deutlich mehr. Holcim bringt seine Marketingabteilung auf Hochtouren und verlangt von seinen Mitarbeitern Loyalitätsbeweise. Plakate vor Privathäusern mit hinterfragungswürdigen Statements, Neujahrsempfang mit Bockwurst und Sekt mit offenkundiger Ja-Bitte, Vorträge in Vereinen, denen man künftig nicht mehr so viel monetär entgegenkommen könne, wenn man nicht das Ja bekäme. Der Infostand beim Bäcker, bei dem die Holcim-Azubis Glückskaffee verkaufen und um ein Ja werben. Am Valentinstag ein Tulpenmarsch von Haus zu Haus mitsamt der Ja-Botschaft und ich würde mich nicht wundern, wenn am Sonntag vor dem Wahllokal noch eine letzte Aktion stattfindet.
Die Aktion kostet Holcim sicherlich einige tausend Euro. Wenn man bedenkt, was eine Filteraufrüstung auf dem Stand einer offiziellen Müllverbrennungsanlage kostet und eine angemessene Pachtgebühr für die nächsten Jahrzehnte, ist das mit der sogenannten Portokasse gleichzusetzen. Sicherlich aber gewinnt man durch solche Aktionen tatsächlich Wählerstimmen, hier und da zwar auf armselige Art und Weise, aber so ist das eben. Bei manchen braucht es nicht mehr.
Giftmüll soll bald zu 100 Prozent verbrannt werden und die Filter filtern nicht so gut wie die in Müllverbrennungsanlagen. Die Gemeinden um Dotternhausen herum stehen dem Vorhaben deutlich skeptischer gegenüber. In der näheren Nachbarschaft klirren die Gläser unmittelbar nach Sprengungen, aber offiziell hat das mit Rissen im Haus ja nichts zu tun, geschweige denn von der Lärmbelästigung.
Ich hoffe, dass sich nicht allzu viele in Dotternhausen für Wurst oder Tulpe die Stimme kaufen lassen. Bei solch entscheidenden Dingen muss man sich Pro und Kontra anhören können und dann sachlich für sich und seine Nachkommen entscheiden, ob nicht ein Nein die bessere Wahl wäre. Jetzt entscheiden wir über die nächsten 40 Jahre, alles was nach dieser Wahl mit „Ja-Ausgang“ sich noch ändern sollte, hat meines Erachtens kaum noch wesentliche Bedeutung. Ohne die Arbeit der BI wäre längst schon alles im Sinne des Megakonzerns von den Gemeindevertretern abgesegnet worden. Ein Milliardenkonzern wird allein durchs Bitten kein wesentliches Entgegenkommen mehr zeigen.
Bruno Zöld
Joh.-Seb.-Bach-Str.9
Dotternhausen

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