08.09.2017

Leserbrief

Von Platterberg war nie die Rede

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
 

Zu: Diskussionen über die geplante Süderweiterung des Plettenbergs.

 

Neues aus dem Westen Liebe Leute, so langsam, das werdet ihr gleich selbst zugeben, ist es aber gar nicht mehr arg lustig: Erst bekomme ich eine verkehrs(schild)bürgerliche Todesfalle auf dieser 'Blaulichtmeile' präsentiert und jetzt habe ich durch Zufall vernommen, dass mir auch noch mein Hausberg geklaut werden soll.

Jemand, der mir von Bundestagswahlkampfplakaten herab stimmenerheischend zulächelt, soll dem Vernehmen nach ernstlich diese seine Meinung kundgetan haben, der Plettenberg sei doch aber überhaupt nicht so wichtig. Solche Äußerung lässt meine Augen feucht werden, denn sie bezeugt allenfalls 'geohydrologisches Flachwissen'. (Zitat meines Bekannten, dieses Polizeioberrates a.D.) Das Plettenbergmassiv ist ein Naturwasser-Großverteilungsregler, es sammelt die Niederschläge und reguliert ihren Ablauf: Jeweils ein Drittel der Niederschläge fließt sogleich oberirdisch ab, ein zweites versickert, und das letzte Drittel verdunstet, so eine Faustregel der Hydrologen. Ich habe auf Grund meiner damaligen Recherchen zur Albwasserversorgung grundlegend Kenntnis, sowohl was den geologischen Aufbau der Alb als auch was ihre Feuchtgebiete betrifft, habe Niederschlagskarten studiert und weiß, dass die oberen Schichtstufen der Alb zwar an sich als Kompaktformation wasserundurchlässig sind (Massenkalk), dass das Wasser gleichzeitig aber dieses Gestein angreift, es abbaut und dadurch Klüfte und Höhlen schafft.

Da dieser Vorgang reversibel ist, kann der gelöste Kalk dann unterhalb in und als Tropfsteinhöhlen wieder aufgebaut werden. Wenn nun der obere Teil dieses ausgewogenen Geo-Hydro-Aufbaues verschwindet, kann das Plettenbergmassiv diesen zur Zeit mengenmäßig überzähligen Niederschlag nicht mehr natürlich-vernünftig regulieren: Das gesamte Schlichemtal wird zum überfluteten Houston, auch ohne jeglichen 'Harvey'.

Außerdem: Da habe ich nun meinen Schülern jahrzehntelang beigebracht, dass diese Erhebung da im Süden der heimatliche Plettenberg sei. Von Platterberg war nie die Rede.

Wilhelm Isert

Hainbuchenstraße 2, Balingen

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Plettenbergabbau.

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