Bürkle fordert Trotzreaktion

Balingen, 16.02.2018

HBW-Coach Bürkle fordert Trotzreaktion

Die Krise beim Balinger Bundesliga-Absteiger spitzt sich zu. Die Kritik an Team und Trainer wächst. In Düsseldorf drängt der HBW auf die Trendwende.

von Marcus Arndt  

Intensiv ließ HBW-Trainer Jens Bürkle nach der bitteren Heimpleite vergangene Woche gegen Eintracht Hagen trainieren, arbeitete das 33:37 akribisch auf. Nicht nur Einsatz und Emotionalität vermisste der Sportwissenschaftler.

Nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Eintracht Hagen strebt der HBW Balingen-Weilstetten (im Bild Jona Schoch) nun am Samstagabend gegen die Rhein Vikings zwei Punkte an.
Nach dem enttäuschenden Auftritt gegen Eintracht Hagen strebt der HBW Balingen-Weilstetten (im Bild Jona Schoch) nun am Samstagabend gegen die Rhein Vikings zwei Punkte an. Foto: Moschkon

Auch das Rückzugsverhalten sei erschreckend schlecht gewesen, monierte der ehemalige Bundesliga-Spieler, der unumwunden einräumte: „Verlieren macht keinen großen Spaß.“ Doch Bürkle kennt die Branche gut genug, um zu wissen, „dass der Druck von Niederlage zu Niederlage größer wird – und es immer schwieriger wird, Leichtigkeit reinzukriegen.“ Nicht erst gegen die Südwestfalen brachten die „Gallier von der Alb“ ihr Potenzial nicht auf die Platte und verloren in der Crunchtime einmal mehr komplett die Nerven. War die Negativserie im Dezember gegen die Branchengrößen aus dem Bergischen Land, Lübeck und Bietigheim sowie einen euphorisierten Altmeister aus Essen zumindest erklärbar – der desolate Auftritt gegen den Aufsteiger aus Hagen ist es nicht.

Bürkle spricht mit viel Pathos von „der Liebe zum Verein“, doch einige Protagonisten auf der Platte scheinen nach dem verpassten Wiederaufstieg das Thema HBW bereits ad acta gelegt zu haben, orientieren sich neu. Das will und kann der HBW-Kommandogeber nicht akzeptieren: „Es ist Zeit, dass wir alle unsere Leistung auf die Platte kriegen. Ich erwarte in Düsseldorf eine Trotzreaktion von meiner Mannschaft.“

Ob diese reicht, um am Samstagabend im Castello (19 Uhr) zu bestehen, ist zumindest fraglich – auch wenn der Branchenneuling Rhein Vikings zuletzt beim bisherigen Schlusslicht HSG Konstanz nicht über ein Unentschieden hinauskam. Für Wikinger-Anführer Ceven Klatt war das 24:24 am Bodensee ein Punktverlust. „Wenn man sich den gesamten Spielverlauf anschaut, haben wir aufgrund unserer eigenen Fehler und Nachlässigkeiten sicher einen Zähler liegen lassen“, erklärte der Vikings-Coach. Dabei trat der Branchenneuling aus dem Rheinland in Durchgang eins sehr konzentriert und konsequent auf. Im ersten Spiel nach mehrmonatiger Verletzungspause für Routinier Daniel Pankofer und den Ex-Balinger Alexander Oelze stellte der Tabellenzwölfte im Zusammenspiel mit einem starken Vladimir Bozic (10 Paraden) im Tor eine sehr stabile Defensive.

Auch offensiv überzeugte das Klatt-Team und kam en gros über Christopher Klasmann (sieben Treffer) zu Torerfolgen. Nur logisch, dass die Vikings bis zur Pause über 8:5 (15. Minute) auf 13:9 davonzogen. „In der zweiten Hälfte haben wir dann zu viele Fehler gemacht, nicht mehr gut genug zusammengespielt und in der Abwehr zu viele einfache Gegentore zugelassen, vor allem über unsere rechte Abwehrseite. Insgesamt waren wir gefühlt immer einen Schritt langsamer als die HSG“, analysierte Klatt den Leistungsabfall nach dem Seitenwechsel. Diese Mischung war am Ende ausschlaggebend dafür, dass die Badener, angefeuert von den rund 1100 Zuschauern, vier Minuten vor Schluss erstmals egalisierten: zum 21:21. Als Oelze dann 40 Sekunden vor Spielende zum 24:23 für die Vikings netzte, war der vierte Auswärtserfolg nichtsdestotrotz wieder greifbar. Doch die HSG traf acht Sekunden vor dem Ende per Kempa-Trick zum Remis.

„Das ist natürlich schade, aber wir müssen die Partie jetzt schnell abhaken“, sagte Klatt und fügte hinzu: „In den kommenden beiden Heimspielen gegen Balingen-Weilstetten und Essen wollen wir nun möglichst viele Punkte einfahren . . .“

Personalrochaden in Liga zwei

Beim Balinger Zweitligarivalen TUSEM Essen wird es im Sommer einen Wechsel im rechten Rückraum geben. Der ehemalige HBW-Spieler Michael Kintrup hat seinen Vertrag bei TUSEM nicht verlängert. Als Ersatz holen die Essener den 20-jährigen Rückraumshooter Lucas Firnhaber vom THW Kiel. Bei dem Bundesligisten trainiert Firnhaber seit zwei Jahren mit den Profis. Außerdem hat er ein Zweitspielrecht beim TSV Altenholz in der 3. Liga Nord. 

Anfang der Woche stellte der HC Elbflorenz Dresden mit Gabor Pulay einen sofortigen Neuzugang vor, wenige Tage später wurde dafür der Abschied eines anderen Rückraumspielers bekannt: Wie der Zweitligist mitteilte, verlässt Patrik Hruscak den Klub. Der 28-jährige slowakische Rückraumspieler, der im Sommer vom ThSV Eisenach nach Dresden kam, hat ein höherklassiges Angebot erhalten und wollte dieses wahrnehmen. lb

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