03.08.2018

Leserbrief

Es wird zu einer Implosion kommen

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
„Die Demokratie ist unter Beschuss“. So äußerte sich die alte und neue CDU-Kreisvorsitzende, laut Bericht des ZAK vom 28.07.2018. Ich behaupte, die Demokratie - sofern es sie je gab - gibt es nicht mehr in Deutschland. Wir leben in einer Oligarchie, genauer gesagt in einer Plutokratie (Herrschaft der Reichen)! Schuldig sind aber nicht die neueren Parteien im linken und rechten politischen Spektrum, sondern die etablierten Parteien, die uns die vergangenen Jahrzehnte regiert haben.
Die Wähler der neueren Parteien sind doch nicht vom Himmel gefallen. Es sind weitestgehend diejenigen, die früher die etablierten Parteien gewählt haben. Somit sind es mehrheitlich auch keine Links- oder Rechtsradikalen. Aber, spätestens bei der sogenannten Finanz- beziehungsweise Bankenkrise hat eine stattliche Anzahl an Wählern begriffen, dass sie jahrelang veräppelt wurden. Egal ob es um Löhne oder Renten ging und geht, immer war und ist beim „kleinen Mann“ sparen angesagt.
Tritt Otto Normalverbraucher eine kleine Erbschaft an, sofort steht das Finanzamt auf der Matte mit der Forderung nach Erbschaftssteuer. Bei großen Erbschaften und riesigen Vermögen, finden die Regierungspolitiker immer Gründe, die Herrschaften nicht zu belangen. Schon seit Jahren findet der Finanzminister immer wieder neue Rechtfertigungen, warum eine Einführung der Finanztransaktionssteuer nicht möglich ist. 100 Milliarden Euro an zusätzlichen Steuern pro Jahr könnten wir einnehmen, wenn Steuerhinterzieher konsequent verfolgt und endlich genügend Finanzprüfer eingestellt würden.
Wir könnten im Geld schwimmen, wenn die Finanzminister - dies betrifft sowohl den neuen, als auch den alten - endlich ihre Arbeit erledigen würden respektive erledigt hätten, anstatt ständig von dieser ominösen schwarzen Null zu schwadronieren. Immer wieder frage ich mich, stellen sich die Politiker der etablierten Parteien nur dumm oder haben sie sich schon so weit von den „normalen“ Menschen entfernt, dass sie deren Probleme nicht mehr wahrnehmen? Leben sie einfach in ihrer eigenen Welt?
Ich würde den Regierungspolitikern raten: Werfen Sie doch einfach einen Blick in das Programm der Partei Die Linke und setzen dieses weitestgehend um, dann werden viele der abgewanderten Wähler zufriedener sein und wieder zu Ihnen zurückkehren. Aber, ob die Regierungsparteien wohl noch zum Umdenken in der Lage sind?
Wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht mehr daran. Vermutlich nicht mal, wenn sich die SPD Richtung fünf Prozent Hürde bewegt und CDU/CSU von der AfD als stärkste Partei im Bundestag abgelöst werden. Vermutlich wird es irgendwann zu einer Explosion oder Implosion des Systems kommen.
Karl-Heinz Schlenker
Gerhart-Hauptmann-Ring 7
Balingen

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