08.08.2018

Leserbrief

Unsere Demokratie stärken

Leserbriefe sollten 80 Druckzeilen nicht überschreiten. Die Redaktion behält sich Kürzungen vor.

 
Zu: Leserbrief „Es wird zu einer Implosion kommen“ von Karl-Heinz Schlenker
Sehr geehrter Herr Schlenker, der Aufstieg der AfD für sich gesehen ist noch kein Grund, einen Abgesang auf unsere Demokratie einzuleiten. Wohl aber ein ernstes Warnsignal, dass wir alle aufgerufen sind, für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit einzustehen. Was es braucht ist mehr als nur einen kurzen Aufschrei der Anständigen.
Es braucht Menschen, die den Mut haben, innerhalb unserer Demokratie auch langfristig Verantwortung zu übernehmen. Davon gibt es viele in unserem Land, wenngleich nicht genug. Ihre Untergangsszenarien, werter Herr Schlenker, kann ich nicht teilen. Wir sollten unser Land nicht schlechtreden und auch keine Ängste bedienen.
Nein, in unserem Land steht nicht alles zum Besten! Es gibt Unzufriedenheit und es gibt Ungerechtigkeit. Und ja, in vielen Fällen trägt Politik dafür Verantwortung. Aber in unserem Land funktioniert auch vieles sehr gut. Daran sollten wir öfter denken und darüber sollten wir ehrlich sprechen.
Überlassen wir die Meinungsführerschaft über den Befund unseres Landes nicht den Rechts- und Linksradikalen. Den Zustand unserer Demokratie haben zudem nicht nur Parteien zu verantworten. Wie steht es um die Verantwortung eines jeden einzelnen Bürgers? Wir wollen als Bürger den perfekten Staat, sind aber nicht bereit, daran tatkräftig und aufrichtig mitzuwirken.
Ja, es braucht Mut dem Vielklang der Stimmen in unserer Demokratie gerecht zu werden. So kann man sich gegenwärtig des Eindrucks nicht verwehren, dass unser Land an vielen Stellen auseinanderdriftet, dass Spannungen überhandnehmen.
Wenn das so ist, dann brauchen wir dringend eine gemeinsame Idee davon, was dieses Land im Innersten wieder zusammenbringen und fortan zusammenhalten kann. Schuldzuweisungen alleine helfen uns nicht weiter. Und Besserwisser, die einzig mit dem erhobenen Finger auf andere zeigen, tun es auch nicht.
Demokratie, so sagte Willy Brandt einst, „ist keine Frage der Zweckmäßigkeit, sondern der Sittlichkeit“. Lieber Herr Schlenker, bewahren wir uns alle miteinander ein sittliches Denken und Handeln. Warten wir also nicht darauf, dass das System, wie Sie es bezeichnen, explodiert oder implodiert. Verändern wir das System von innen heraus zum Besseren. Stärken wir unsere Demokratie. Ich werde auch morgen wieder aufstehen und einen kleine Beitrag dazu leisten wollen – und viele andere werden das auch tun. Machen Sie mit, Herr Schlenker, oder erheben Sie lediglich den Zeigefinger und warten auf den völligen Zusammenbruch?
Alexander Maute
An der Burgenwand 5, Balingen

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