Melodienschöpfer mit Wurzeln in den Siebzigern

Albstadt, 17.10.2018

Melodienschöpfer mit Wurzeln in den Siebzigern

Tobias Conzelmann hat kürzlich sein drittes Soloalbum mit dem Titel „Steine Werfen Asche säen“ veröffentlicht. Am Sonntag wird der Singer-Songwriter ein Benefizkonzert für die Ebinger Martinskirche geben. Mit Video.

von Holger Much  

Tobias Conzelmann ist einer der letzten Singer-Songwriter in und um Albstadt. Handgemachte Musik, der Zauber akustischer Instrumente und die Faszination von packenden Melodien sind es, die ihn schon immer begeistern. Und Tobias Conzelmann macht Musik von Kindesbeinen an. Diesen Sonntag tritt er mit einigen Mitstreitern in der Ebinger Martinskirche auf und wird im Rahmen eines Benefizkonzertes Stücke seines neuen Albums vorstellen sowie Klassiker aus seinem Repertoire. Der Erlös kommt der Gemeindearbeit und damit sicherlich auch der Martinskirche selbst zugute, die ja, wie bereits mehrfach berichtet, ein neues Dach bekommen und auch sonst saniert werden muss.

Essenziell: Der Klang der akustischen Gitarre charakterisiert die Musik von Tobias Conzelmann.
Essenziell: Der Klang der akustischen Gitarre charakterisiert die Musik von Tobias Conzelmann. Foto: Photonic Blues Photography

Wenn der erfahrene Musiker in die Saiten greift, dann tut er es nicht, um irgendwelche aktuellen Trends zu bedienen. Vielmehr geht die unbedingte Schönheit der Musik einerseits und die Bedeutung der Texte andererseits eine untrennbare Verbindung ein. Es sind tiefe, starke Wurzeln, aus denen sich seine musikalischen Vorlieben speisen, allem voran sind hier sicher die Songwriter der 70er Jahre zu nennen, die mit ausgefeilten Melodien und ihren kniffligen Arrangements Conzelmanns Schaffen nachhaltig beeinflusst haben.

Erst vor wenigen Monaten hat er sein neues Album herausgebracht, das den lyrischen und vieldeutigen Titel „Steine werfen, Asche säen“ trägt. Von Mai 2016 bis Mai 2017 entstand im stillen Kämmerlein seines privaten kleinen Studios das musikalische Gerüst der neuen Liedsammlung, die danach mit viel Liebe und musikalischem Wagemut auf Festplatte gebannt wird: „Meine neue CD soll genau so werden, wie ich wirklich will, ohne Einschränkungen, ohne Kompromisse“, formulierte Tobias Conzelmann damals, als er sich noch mitten im Schaffensprozess befand. Und diese Vorsätze hat er umgesetzt.

Melodienschöpfer mit Wurzeln in den Siebzigern

Mit Mitte 30 kann Tobias Conzelmann bereits auf eine lange, abwechslungsreiche musikalische Karriere zurückblicken. So verdiente er sich als Kind seine ersten musikalischen Sporen als Schlagzeuger bei der Musikkapelle Bitz. In einer gänzlich anderen Welt bewegte er sich beispielsweise als Mitglied der Band Deepwater. Dort war er in bedeutend härteren Gefilden unterwegs. Solo begeistert er die Zuhörer seit vielen Jahren natürlich mit feinen Coverversionen von klassischen Bands wie den Eagles oder Lynyrd Skynyrd – alles Zutaten seiner reichhaltigen musikalischen DNA.

Bereits im Jahr 2006 war es, als seine erste Solo-CD mit eigenen Kompositionen erschien. Der Titel war „Wenig und mehr“ und das Cover wurde grafisch vom früheren Bandkollegen Matthias Bäuerle gestaltet. 2009 folgte das Album „Felsen oder Sand“, das ebenfalls ein Cover des mittlerweile international angesehenen Grafikers Bäuerle zierte. Mit diesen Alben stellte der junge Musiker klar, dass auch und vor allem ein begnadeter Songwriter in ihm steckt, ein begeisterter Melodienschöpfer und Lyriker – mittlerweile fast schon sein Alleinstellungsmerkmal.

Kompromisse geht Tobias Conzelmann dabei nicht ein. Dazu weiß er zu genau, was er möchte. Dazu ist er zu sehr Künstler. Es ist ihm mehr denn je wichtig, absolut authentisch zu sein und, wie er sagt, „sein eigenes Ding durchzuziehen“. Dies spiegelt sich auch in seinen Alben wider. Alles klingt so echt und handgemacht, wie es nur irgend möglich ist.

Wenn eine Geige gebraucht wird, kommt die nicht aus dem Computer, sondern wird natürlich live eingespielt. Andererseits hat er keinerlei Scheu, Genregrenzen nonchalant zu ignorieren. So hatte er Lust auf einen Ausflug in Hip-Hop-Gefilde, weil dieser Stil gerade zu einem ganz bestimmten Song passt. Also arbeitete er mit dem Rapper Don 36 aus Balingen zusammen. Das Ergebnis ist frappierend und faszinierend.

Grenzenlose Kreativität statt Berührungsangst ist angesagt. Doch dürfte der Rap-Ausflug vermutlich eher die Ausnahme bleiben, da Tobias Conzelmanns Liebe tendenziell eher Neil Young als Bushido gilt. Dabei gelingt ihm ein ständiger Balanceakt, er schafft es, seine Lieder mit allen möglichen Ausflügen in die eine oder andere Richtung zu würzen, ohne seinen ureigenen Stil deshalb auch nur ansatzweise zu vernachlässigen. Tobias Conzelmann flirtet mit verschiedenen modernen Sounds, ohne sich in aktuellen Deutschrockgefilden zu verlieren. Denn mit diesen seit geraumer Zeit so angesagten Klängen hat er so seine Schwierigkeiten. Zu seicht, zu beliebig erscheint ihm vieles, was es momentan so in die Charts schafft.

Die bis auf eine Ausnahme ausschließlich deutschsprachigen Lieder kommen mit tiefgründigen, zum Teil auch provokanten Texten zu Politik und Gesellschaft daher. „Musik zum Lachen und zum Leben“, sagt der Musiker, möchte er machen, und das ist ihm auch und gerade mit seinem neuen Album „Steine werfen, Asche säen“ gelungen. Hier finden sich Rhythmen zum Tanzen, aber auch stille und unglaublich berührende, große Musikmomente zum Innehalten und zutiefst traurig sein.

Aufgenommen und produziert wurde das Album überwiegend im Tonstudio von Michael Sisto in Memmingen sowie in Conzelmanns privatem Studio in Meßstetten. Mitwirkende am Album sind: Für Drums und Percussions zeichnet Andy Schoy verantwortlich. Einzelne Gitarren, der Bass und einige Backgroundgesänge kommen ebenfalls von Michael Sisto, der mit seiner eigenen Formation „All about Davenport“ erfolgreich ist.

Ansonsten hat Conzelmann nicht nur komponiert und gesungen, sondern auch selbst viele der Instrumente alleine eingespielt: Akustik- und E-Gitarren, Pianos, E-Pianos. Selbstverständlich sind die Arrangements, die Texte und Melodien auch alle von ihm. Tobias Conzelmann ist eben ein Multitalent wie es im Buche steht.

Info

Am Sonntag, 21. Oktober, findet um 18 Uhr in der Martinskirche Ebingen ein Konzert mit Tobias Conzelmann und Band statt. Einlass ist um 17 Uhr. „Steine werfen, Asche säen“ – das neue Album des Sängers und Songschreibers steht im Mittelpunkt des Abends sowie einige Songs der 60er und 70er. Mit dabei: Michael Sisto, Jörg Harsch und Leon Binder. Mehr unter www.tobias-conzelmann.de. Karten gibt es unter anderem in der Tourist-Info im Ebinger Rathaus sowie an der Abendkasse. Der Überschuss aus dem Abend kommt dem Spendenweg „Alles unter einem Dach“ der Martinskirche zugute.

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