Adrian Schlegel

Albstadt, 21.11.2018

Kreisliga A statt Weltcup: Adrian Schlegel beendet seine Karriere

Der Albstädter Adrian Schlegel hat seine Karriere als Buckelpistenfahrer beendet und spielt nun Fußball. Mit Kommentar

Adrian Schlegel stand vor dem nächsten großen Schritt. Der Buckelpistenfahrer des Freestyle-Clubs Zollernalb sollte diesen Winter erstmals im Weltcup starten. Doch stattdessen beendete er seine Karriere.

Der Albstädter Buckelpistenfahrer Adrian Schlegel beendet im Alter von 20 Jahren seine sportliche Karriere.
Der Albstädter Buckelpistenfahrer Adrian Schlegel beendet im Alter von 20 Jahren seine sportliche Karriere. Foto: Harald Marbler

Im April schien die sportliche Laufbahn von Schlegel steil bergauf zu gehen. Nach der Weltmeisterschaft der Junioren, bei denen Schlegel zweimal unter die Top 30 fuhr, bat ihn Harald Marbler zum Gespräch. Der damalige Trainer des Weltcup-Teams wollte den 20-Jährigen in seinen Kader holen. Zwei bis fünf Weltcups sollte der Albstädter zum Einstieg fahren.

Abgang des Weltcup-Trainers als Wendepunkt

Zudem hatte Schlegel einen Ausbildungsplatz bei einem großen Unternehmen in Tieringen in Aussicht, der ihm weiterhin ermöglicht hätte, seinem Sport nachzugehen. „Es sah alles gut aus und ich war sehr motiviert für die nächste Saison“, erzählt Schlegel.

Dann verließ Marbler jedoch den Deutschen Skiverband (kurz: DSV), wechselte nach Schweden. Schlegel gibt dafür dem DSV die Schuld, der im Sommer keine Aussage getroffen habe, wie es mit der Förderung der Buckelpistenfahrer in diesem Winter aussehe.

Der Abgang des Weltcup-Trainers war für den angehenden Industriekaufmann der Wendepunkt. „Harald war die Person, die alles zusammengehalten hat“, sagt Schlegel. Marblers Wechsel brachte den Albstädter schließlich dazu, seine Karriere zu beenden.

„Anstatt jetzt drei Jahre weiterzumachen und dann vielleicht wegen einer Verletzung Olympia zu verpassen oder die Qualifikation für eine WM, möchte ich mich lieber meiner beruflichen Laufbahn widmen“, erklärt Schlegel seine Entscheidung.

Er beende seine sportliche Laufbahn nach seiner erfolgreichsten Saison (deutscher Vizemeister bei den Herren, erster  bei der Dm der Junioren und Eurooacup-Platzierungen unter den besten Zehn) und daher mit einem guten Gefühl.

Auch der Buckelpiste war Adrian Schlegel lange zu Hause. Diesen Winter hätte er  im Weltcup starten sollen.
Auch der Buckelpiste war Adrian Schlegel lange zu Hause. Diesen Winter hätte er im Weltcup starten sollen. Foto: Harald Marbler

Ganz offen sprach der Freestyler aus Laufen auch mit seinem Heimtrainer Armin Weiß über seinen Entschluss. „Er war natürlich enttäuscht“, berichtet Schlegel, „es fiel uns auch beiden nicht leicht, wir haben schließlich zehn Jahre lang zusammen trainiert und bis dahin alles getan, was hier in Albstadt möglich war.“ Der 20-Jährige ist Weiß dankbar: „Ohne Armin wäre ich nicht der Athlet geworden, der ich heute bin.“

Fußball als Ersatz

Beim Trampolintraining, das für die Albstädter Freestyler die Basis ist, war Schlegel seit seinem Karriereende erst einmal, möchte im Winter aber wieder öfter vorbeischauen. Es sei schwer, das nun als Hobby anzuerkennen, sagt er. Früher habe er ein Ziel gehabt, das er erreichen wollte, das fehle ihm jetzt.

Nun widmet sich der 20-Jährige dem Fußball, spielt für die Spielgemeinschaft Erzingen/Roßwangen/Endingen in der Kreisliga A 1. Noch fehle ihm etwas das Ballgefühl, da er zehn Jahre lang kein Fußball gespielt habe, so Schlegel. In der Winterpause will der Albstädter wieder auf Skiern stehen und vielleicht auch das ein oder andere Buckelpistenrennen fahren.

Kommentar: Entscheidung der Vernunft

Was wäre, wenn ich weitergemacht hätte, diese Frage wird sich Buckelpistenfahrer Adrian Schlegel sicher in den kommenden Jahren das ein oder andere Mal stellen. Die Antwort kann ihm keiner geben. Doch eines ist sicher: Selbst wenn der 20-Jährige es geschafft hätte, sich im Weltcup zu etablieren, in Deutschland wäre er nicht mehr als eine Randnotiz.

Vielleicht wäre es den Fernsehsendern einen kurzen Beitrag wert, sollte er zu Olympischen Spielen fahren. Während der Übertragung des Wettkampfes betont dann der Kommentator ein paar Mal, dass die deutschen Athleten alles aus der eigenen Tasche bezahlen. Kurz danach sind die Buckelpistenfahrer dann wieder aus dem Rampenlicht verschwunden.

Auch der Deutsche Skiverband scheint wenig Interesse daran zu haben, diese Sportart mehr in den Fokus zu rücken. Sicherlich auch deshalb, da es nur eine Handvoll Athleten in Deutschland gibt und nur wenige davon Chancen auf vordere Plätze bei einer WM, Olympia oder im Weltcup haben.

Mit 20 Jahren seine Karriere zu beenden ist dennoch eine drastische Entscheidung. Schlegel hat sie nicht getroffen, weil er nicht an sein Potenzial glaubt. Wenn man mit ihm spricht, spürt man seinen Ehrgeiz, seine Lust seine Sportart auszuüben – und zwar nicht nur zum Zeitvertreib, sondern um etwas zu erreichen. Zehn Jahre lang hat er hart dafür gearbeitet, um eines Tages im Weltcup starten zu dürfen, um sich nach vorne zu arbeiten.

Viel Zeit und Geld hat der Albstädter investiert und nun so kurz vor dem Durchbruch ist alles vorbei. Er sieht keine Perspektive für den Buckelpistensport in Deutschland, malt ein extrem düsteres Bild. Aus seiner Sichtweise ist es da nachvollziehbar, die Reißleine zu ziehen. Denn auch wenn er in seiner Disziplin vorne mitmischen würde, leben könnte er davon nicht. Und so ist die Entscheidung wohl auch eher eine der Vernunft und nicht des Herzens.

ZAK-Redakteurin Anna Wittmershaus
ZAK-Redakteurin Anna Wittmershaus

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