Wetter fürs Geschichtsbuch: der meteorologische Jahresrückblick

Zollernalbkreis, 04.01.2019

Wetter fürs Geschichtsbuch: der meteorologische Jahresrückblick

Ein ungewohnt leerer Stausee, zehn zu trockene Monate nacheinander und viel mehr Sonnenstunden als im Durchschnitt – das Jahr 2018 geht in die Aufzeichnungen der Meteorologen als Jahr der Extreme ein. 

Auch Karl-Heinz Jetter dokumentierte die ungewöhnlichen Werte an seiner Wetterstation in Heselwangen. Zwischen minus 17,3 Grad und plus 34,5 Grad war alles dabei, vor allem aber Dürre und Hitze.

So war das Wetter im Dezember

Der Dezember war zu warm, dunkel und nasser als üblich, das gesamte Jahr extrem trocken und warm – so lautet die Kurzbilanz, die Balingens Wetterfrosch Karl-Heinz Jetter in seinem Jahresrückblick zieht.

Der Dezember 2018 begann mit milden Temperaturen und mit Regen, und es windete dazu. Am 3. Dezember wurde der Monatshöchstwert von 13,4 Grad erreicht. Nach der ersten Woche ging es mit der Temperatur aber erstmals in Richtung Winter, weiter begleitet von Wind und Regen. Jeder Tag wurde nun zum Frosttag, mindestens für einen Moment am Tag ging die Temperatur unter den Gefrierpunkt zurück. Am 15. wurde dann die tiefste Temperatur im Monat, mit minus 6,3 Grad in der Luft und minus 7,6 Grad am Boden, registriert. Die ersten Schneeflocken fielen ab dem 10. Dezember. Eine geschlossene Schneedecke bildete sich auf Stationshöhe aber nur dünn und für Stunden aus. Am Sonntag, 16. Dezember, gab es vier Zentimeter Neuschnee. Am nächsten Tag waren davon aber nur noch Reste übrig.

Das Wetter im Dezember als Grafik von Wetterfrosch Karl-Heinz Jetter.
Das Wetter im Dezember als Grafik von Wetterfrosch Karl-Heinz Jetter.

Danach begann es erneut zu regnen und zu winden. Am 21. Dezember war der astronomische Winteranfang mit dem kürzesten Tag und der längsten Nacht. Etwa Mitte Dezember kommt es fast regelmäßig zunächst zu einem Kaltluftvorstoß und Schneefall. Doch kurz vor dem Fest ist die weiße Pracht dann meist wieder dahin, milde atlantische Luft strömt in dieser Zeit von Westen heran. Das Weihnachtstauwetter ist eine sogenannte Wettersingularität – ein Witterungsregelfall, der mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 70 Prozent regelmäßig eintritt.

2018 war Heiligabend durchweg im Plusbereich mit einer Tageshöchsttemperatur von 10,7 Grad. Tags zuvor hatte es kräftig geregnet – 18,2 Liter. Am Weihnachtstag selbst war es auf Stationshöhe den ganzen Tag über nebelig. Der zweite Weihnachtstag war dann auch in tieferen Lagen recht sonnig, 7,1 Stunden an der Station und 7,9 Stunden auf Bronnhaupten. Die restlichen Tage im Dezember wurden durch ruhiges Hochdruckwetter (bis 1037 Hektopascal) bestimmt. Es war für die Jahreszeit zu mild, obwohl sich die Sonne nur gelegentlich sehen ließ. Das Jahr 2018 endete mit einem wolkenverhangenen Himmel und mit plus 3,7 Grad um Mitternacht.

Die Durchschnittstemperatur des Dezembers betrug plus 3,4 Grad. Im Vorjahr lag sie bei plus 2,1 Grad, und im Durchschnitt der Vergleichsperiode (1981 bis 2010) war es bei uns im Dezember plus 1,2 Grad warm/kalt. Frosttage wurden im Dezember 14 registriert, Eistage gab es drei. Regentage mit einem oder mehr als einem Liter Niederschlag wurden 15 registriert, in der Summe kamen 83,5 Liter zusammen. Der Wind frischte an zehn Tagen auf Windstärke 6 (39 und mehr km/h) auf. Die Sonne schien an der Beobachtungsstation 53,9 Stunden lang.

2018 im Zeichen des Klimawandels

Das Jahr 2018 insgesamt betrachtet stand ganz im Zeichen des Klimawandels. Es präsentierte sich als das wärmste und sonnigste Jahr seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen. Auch gehörte es zu den niederschlagsärmsten Jahren seit 1881. Von April bis November verliefen alle Monate ausnahmslos zu warm, zu trocken und sonnenscheinreich.

In Heselwangen (573 Meter über dem Meer) war es in der Vergleichsperiode aus 30 Jahren (1981-2010) übers Jahr durchschnittlich 8,7 Grad Celsius warm und an Niederschlag (Regen, Schnee, Hagel usw.) fielen zusammengerechnet durchschnittlich 871,6 Liter auf jeden Quadratmeter Erdboden bei der Messstation. Im Durchschnitt der Jahre 1991 - 2010 schien die Sonne an der Beobachtungsstation 1825 Stunden.

Das Jahr 2018 weist gegenüber diesen Werten eine Jahresdurchschnittstemperatur von plus 10,6 Grad Celsius und eine Niederschlagssumme von 646,2 Liter pro Quadratmeter aus. Die Sonne schien im zu Ende gegangenen Jahr stolze 2079,8 Stunden. Mit diesen Werten wurde das Jahr 2018 auch an der Station zum wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1979.

Richtig winterlich wird es erst im Februar

Der Winter dauert für die Meteorologen von Dezember bis Februar. Ein Winter mit Schnee und strengem Frost begann aber erst im Februar 2018. Die Wintermonate Januar und Dezember waren viel zu warm und schneearm.

Am Monatsersten war es im Dezember 2017 am kältesten, an Silvester am wärmsten, ansonsten recht wechselhaft mit Schnee, Frost, Wind, wenig Sonne aber vielen Regentagen. Auch der Januar 2018 war viel zu warm – der wärmste an der Station seit 1979. Der Monat zeigte sich wenig winterlich, dafür sehr stürmisch mit Spitzenböen während der Sturmtiefs „Friederike“ und „Burglind“ auf der Alb mit über 100 km/h.

So richtig winterlich wurde es erst im Februar. Dann gab es aber Schnee satt, wie der dreieinhalb Meter große Schneemann des Erlaheimers Thomas Brobeil beweist.
So richtig winterlich wurde es erst im Februar. Dann gab es aber Schnee satt, wie der dreieinhalb Meter große Schneemann des Erlaheimers Thomas Brobeil beweist. Foto: Theresa Schaitel

Der Februar konnte Schnee und klirrenden Frost vorweisen. Im zurück liegenden Jahr blieb der Februar mit einer Mitteltemperatur von minus 2 Grad um 2,8 Grad unter dem langjährigen Mittel, es gab 27 Frosttage und 17 Tagen mit einer geschlossenen Schneedecke. Im Februar war auch der kälteste Tag im Jahr – am 28. Februar wurden minus 17,3 Grad gemessen. Die Wintermonate waren mit plus 1,6 Grad um 0,9 Grad wärmer als der Durchschnitt, Schnee kamen nur 39 cm zusammen, der auf Stationshöhe an 29 Tagen zu sehen war. 182,2 Liter/Quadratmeter Niederschlag brachte der Winter und 181,5 Sonnenscheinstunden.

Der Frühling ließ auf sich warten. Im März wurde es erst im letzten Monatsdrittel etwas wärmer und freundlicher. Zuvor zeigte sich der Winter in seiner ganzen Stärke. Am Tag des Frühlingsanfanges ging die Temperatur auf minus 7,1 Grad zurück und an 10 Tagen lag noch eine geschlossene Schneedecke.

Rekordwerte im April

Der April schrieb Wettergeschichte. Er war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes der wärmste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Zudem war der Monat überaus sonnig aber auch bedenklich trocken. Mit dem April begann der Sommer, denn er brachte schon 5 Sommertage mit 25 Grad und mehr hervor. In der Bilanz war der April um 5,2 Grad zu warm, brachte nur 21,1 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, aber auch 245,6 Sonnenscheinstunden.

Es folgte ein ebenso warmer Mai. In der Gesamtbilanz war der Monat um 2,7 Grad zu warm, fast durchschnittlich sonnig, doch wiederum etwas zu trocken. Die Eisheiligen gab es nur dem Namen nach. Auffällig: Im Frühjahr fehlten rund 100 Liter Niederschlag in den Monaten März bis Mai.

Im Witterungsverlauf war der Juni ein Sommermonat mit dem man zufrieden sein konnte. Über den gesamten Monat betrachtet fiel der Juni aber gleich den Vormonaten zu trocken aus.

Ab dem 6. Juni wurde es für rund eine Woche gewitterig. Gleich zum Auftakt zog ein Gewitter von Südwesten her ins obere Eyachtal. An der Meßstation in Heselwangen fielen lediglich 6,5 Liter pro Quadratmeter, an der DWD Station Bronnhaupten 24,6 Liter, in Weilstetten und weiter talaufwärts hagelte es und die Meteogroup-Wetterstation auf dem Degerfeld meldete nach diesem Gewitter 40,7 Liter Niederschlag.

Ein Sommer für die Geschichtsbücher

Zwei Tage darauf hagelte es in Rosenfeld, und noch ein paar Tage später – am 12. Juni – regnete es an der Station 29,8 Liter. Am 21. Juni war der astronomische und kalendarische Sommeranfang. An diesem Tag bleibt die Sonne bei uns bei unverstelltem Horizont 16 Stunden und vier Minuten über dem Horizont und strahlt zum Mittag in einem Winkel von 65 Grad ein. Das ergibt bei wolkenlosem Himmel optimale Erwärmung. Und so kletterte bereits am 20. Juni die Quecksilbersäule des Thermometers auf den Monatshöchstwert von 29.3 Grad. Am Sommeranfang selbst waren es dann nur 26,1 Grad, und es begann eine kurze kühlere Zeit. Eine Mini-Schafskälte hatte eingesetzt.

Der Juli war um rund zwei Grad zu warm, kann 22 Sommertage vorweisen, verwöhnte mit Sonnenschein und hatte längere trocken Phasen. Am wärmsten wurde es im letzten Monatsdrittel des Julis, es gab die ersten Tage mit 30 und mehr Grad – fünf sollten es im Juli werden. Der heißeste Tag im Juli und Jahresspitzenreiter war der Monatsletzte mit 34,5 Grad Celsius.

Im Rückblick auf das Augustwetter werden in der Auswertung 22 Sommertage und elf heiße Tage angezeigt. 13 Sommertage und 3 heiße Tage sind es durchschnittlich. Mit einer Durchschnittstemperatur von 20,2 Grad Celsius war der August gegenüber seinem Mittelwert um 2,9 Grad zu warm.

Als hätte jemand den Stöpsel gezogen: Der Schömberger Stausee hatte wegen der Dürre im Sommer so wenig Wasser wie nie zuvor.
Als hätte jemand den Stöpsel gezogen: Der Schömberger Stausee hatte wegen der Dürre im Sommer so wenig Wasser wie nie zuvor. Foto: Daniel Seeburger

Der Sommer 2018 wird in die Geschichtsbücher der Klimatologen eingehen. Der Deutsche Wetterdienst vermeldete, dass seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 der diesjährige Sommer nach dem Sommer von 2003, der zweitheißeste war.

Fast 100 Sonnenstunden mehr als üblich

Auch in Heselwangen war der Sommer 2018 gegenüber seinen Durchschnittswerten mit 19,3 Grad um 2,3 Grad zu warm und mit nur 212,1 Litern pro Quadratmeter gegenüber durchschnittlich 277,2 Litern auch deutlich zu trocken. Beim Sonnenschein konnte der Sommer ebenfalls auftrumpfen – hier steht dem Durchschnittswert von 695,5 Stunden eine Sonnenscheindauer von 793,9 Stunden gegenüber.

Mit einem mehr sommerlichen als herbstlichen September ging der Sommer in den kalendarischen Herbst über. Der Monat war gegenüber seinem Durchschnittswert bei uns um 2,4 Grad zu warm, mit einem Sonnenscheinrekord versehen, aber auch viel zu trocken. Mit der Gesamtsumme von 256,1 Sonnenscheinstunden wurde er zum Sonnenscheinreichsten seit Bestehen der Station. Beim Niederschlag sah es gänzlich anders aus – da kamen in der Summe nur 29,6 Liter zusammen – 68,6 Liter sind es im Schnitt. Pünktlich zur Umstellung von Sommerzeit auf die Winterzeit am 28. Oktober setzte auch der Winter mit Schnee und Frost ein. Davor war der Oktober viel zu warm, golden und extrem trocken.

Golderner Herbst

Zudem gab es im Oktober noch drei Sommertage mit über 25 Grad Celsius. Mit diesen kamen im ganzen Jahr 87 Sommertage zusammen. Am 22. Oktober endete die frostfreie Zeit, die in diesem Jahr 198 Tage dauerte, durchschnittlich sind es 170 Tage. Die anhaltende Trockenheit setzt sich auch im November fort, der der zehnte zu trockene Monat in Folge war.

Die Jahresmitteltemperatur des Jahres 2018 betrug plus 10,6 Grad und an Niederschlag fielen 646,2 statt durchschnittlich 871,6 Liter/Quadratmeter. In der Summe hatte das vergangene Jahr 96 Regentage. Der Wind frischte das Jahr über an 56 (96) Tagen bis mindestens zur Windstärke sechs (39 km/h und mehr) auf und blies vorwiegend aus südwestlicher Richtung. An 24 Tagen wurden Gewitter, an 20 Tagen Nebel registriert. Die Sonne schien am Beobachtungsort stattliche 2079,8 Stunden. Im Durchschnitt des Vergleichszeitraumes 1991-2010 waren es 1825 Stunden.

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