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Ravensburg/Heidenheim, Montag, 12. Februar 2018

Bio-Leuchttürme fürs Land

Baden-Württemberg will den Verbrauchern regionale Öko-Produkte schmackhaft machen. Vier Musterregionen für den ökologischen Landbau zeigen bald, wie das geht.

von ALFRED WIEDEMANN

Bio-Bergkäse aus Österreich angekarrt, Bio-Milch aus Mecklenburg-Vorpommern in der Kühltheke gestapelt? Alltag heute. Bald soll man im Südwesten mehr Bioprodukte aus der Umgebung kaufen können. Bei möglichst vielen Händlern. Das ist ein Ziel der vier Bio-Musterregionen, die im Südwesten an den Start gehen: Ravensburg, Heidenheim, Bodensee/Konstanz und Enz haben das Rennen gemacht im Wettbewerb unter neun Bewerbern.

Das Land fördert vor Ort ein Regionalmanagement, um den Bio-Landbau voranzubringen. Drei Jahre gibt es 75 Prozent der Kosten, jeweils maximal 100 000 Euro, vom Land. Die EU muss noch ihr Häkchen machen, Ende Februar können die Bio-Leuchttürme dann losblinken – und heimische Erzeuger wie Verarbeiter beim Bedienen des wachsenden Bio-Marktes unterstützen, wie Agrarminister Peter Hauk (CDU) sagt. Lob bekommt er dafür von den Naturschutzverbänden Nabu, LNV und BUND. Von mehr Bio aus der Region profitierten Natur, Verbraucher und Betriebe, durch besseres Vernetzen von Bio und Regio könnten mehr in Baden-Württemberg erzeugte Bio-Lebensmittel auch im Land verkauft werden.

100 000 Euro jährliche Förderung ist nicht viel. „Aber es bewegt sich was, da darf man schon jubeln“, sagt Jochen Goedecke vom Nabu in Stuttgart. Der Ausbau der Weiterverarbeitung und der Vermarktungswege sei dringend nötig. Bäcker, Metzger, Einzelhandel und Gastronomie müssten beteiligt werden. „Alle Betriebe, konventionell oder ökologisch, können in den Musterregionen voneinander lernen.“

Im Kreis Ravensburg hat sich der Bauernverband Allgäu-Oberschwaben für die Bio-Region stark gemacht. Sie soll „einen Schub bringen für Erzeuger, Verarbeiter, Vermarkter und Verbraucher“, sagt Waldemar Westermayer aus Leutkirch, der Kreisvorsitzende. „Wenn das Angebot besser wird und die Leute sehen, dass die Kontrollen wirken und die Bioprodukte aus der Region gut sind, sind sie auch bereit, mehr zu zahlen.“

Einzelne Mitglieder hätten den Verbandseinsatz kritisiert, bestätigt Westermayer. Sie sehen nur Biobauern profitieren. Das sei falsch: Gestärkte regionale Märkte könnten auch konventionell wirtschaftenden Landwirte einen Schub bringen. „Wenn die Nachfrage da ist, will mancher vielleicht umstellen auf bio.“ Es müsse endlich aufhören, dass man sich gegenseitig beäugt und missgönnt. „Wir brauchen Lösungen für beide, wir brauchen ordentliche Preise für alle Landwirte“, sagt Westermayer.

„Was wir mit der Bio-Musterregion alles hinkriegen, wissen wir heute noch nicht“, sagt Albrecht Siegel, Chef des Ravensburger Landwirtschaftsamtes. Aber das Ziel ist klar: die schon starke Öko-Landwirtschaft im Landkreis noch stärker machen. 12 000 Hektar Fläche im Kreis sind ökologisch bewirtschaftet, Platz eins im Südwesten. Viel Milchwirtschaft gibt es, Obstbau und Gemüse sind auch wichtig.

Regionales Bio müsse in der Region noch besser verfügbar werden, sagt Siegel. Obst und Gemüse würde schon gut vermarktet. Biofleisch gibt es aber fast nur ab Hof, regionale Biofrischmilch mit einer Ausnahme gar nicht. Nur zwei von vielen Beispielen dafür, dass Kundenpotentiale für Bioprodukte längst nicht ausgeschöpft seien, sagt Siegel.

Auch der Kreis Heidenheim, zusammen mit fünf angrenzenden Ostalbkreis-Gemeinden ebenfalls Bio-Musterregion, hat viel vor. Alle Akteure an einen Tisch zu bringen, das werde „ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit“, sagt Hans-Udo von Wilpert, vertretungsweise verantwortlich für die untere Landwirtschaftsbehörde im Kreis Heidenheim. „In der Vorarbeit kristallisierte sich heraus, dass die Vernetzung zwischen Bio-Produzenten, Verarbeitern und Vermarktern noch nicht zufriedenstellend ist.“

Mehr Öffentlichkeitsarbeit beispielsweise soll helfen, die Nachfrage im Bio-Marktsegment zu steigern. Sie liege noch unter zehn Prozent. Wünschenswert sei auch eine bessere Kennzeichnung regionaler Lebensmittel. Das Angebot an regionalen Produkten „sichtbarer und natürlich erkennbarer“ für Verbraucher zu machen, sei eine Chance für mehr Absatz, so von Wilpert. Speziell Braugerste und alte Dinkelsorten in Bioqualität sollen neue Perspektiven bieten. „Das sind prädestinierte Anbaufrüchte für die mageren Böden und kurzen Vegetationszeiten auf der Alb.“

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