Motorradfahrer der Biker Union gaben Verkehrsminister Winfried Hermann gestern eine Kostprobe des Fahr-Feelings am Lochen. Hermann saß im Beiwagen eines Motorrads. Foto: Marijan Murat
Motorradfahrer der Biker Union gaben Verkehrsminister Winfried Hermann gestern eine Kostprobe des Fahr-Feelings am Lochen. Hermann saß im Beiwagen eines Motorrads. Foto: Marijan Murat

Balingen, Samstag, 14. April 2018

Das Ziel ist, Leben zu retten

Das Land erhöht die Sicherheit auf beliebten Motorrad-Strecken. Zum Beispiel werden Leittafeln aus Metall durch Schilder aus Kunststoff ersetzt.

von PETRA WALHEIM

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In der Motorrad-Saison 2017 sind 101 Biker tödlich verunglückt. Das sind 42 Prozent mehr als im Vorjahr. 2016 starben 71 Biker auf den Straßen des Landes. Nach Auskunft des Innenministeriums ist die Ursache fast immer zu schnelles Fahren. Das hat sich auch am vergangenen Wochenende beim Start in die Motorrad-Saison 2018 gezeigt. Die Polizei musste etliche Unfälle, manche mit tödlichem Ausgang, aufnehmen. Weil die Raserei offenbar nicht in den Griff zu bekommen ist, investiert das Land auf beliebten Biker-Strecken im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und am Bodensee verstärkt in Nachrüstungen, die Motorradfahrerinnen und -fahrern das Leben retten sollen.

Aktuelles Beispiel ist die Auffahrt zum Lochen-Pass bei Balingen (Zollernalbkreis). Dort hat gestern Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) vorgestellt, was für die Sicherheit der Biker getan wurde: Die bisher starren rot-weißen Kurven-Leittafeln aus scharfkantigem Metall wurden durch abgerundete Tafeln aus nachgiebigem Kunststoff mit Reflexfolie ersetzt. Auch wurden die harten Metallpfosten, auf denen die Tafeln montiert waren, von weicheren Leitpfosten abgelöst. Stürzt ein Motorradfahrer auf diese Tafeln, geben sie nach, und er verletzt sich eventuell nicht ganz so schwer wie an den Metall-Tafeln.

Außerdem wurden auf einer Länge von einem Kilometer die Leitplanken erneuert. Auf mehr als 2,5 Kilometern wurde ein Unterfahrschutz für Motorradfahrer montiert. „Die Pfosten der Leitplanken sind für Motorradfahrer regelrechte Killer-Instrumente“, sagte Hermann gestern. Der Unterfahrschutz verhindere, dass bei einem Sturz Gliedmaßen abgerissen werden.

Das Land hat an dieser Stelle für die 50 neuen Kurven-Leittafeln, die Leitplanken und den Unterfahrschutz mehr als 120 000 Euro investiert. Der ADAC hat das Anbringen des Unterfahrschutzes mit 5000 Euro gefördert. Landesweit werde das Anbringen von Unterfahrschutz pro Jahr mit 25 000 Euro unterstützt, betonte Dieter Roßkopf, Vorstandsvorsitzender des ADAC Württemberg.

Das Land gebe jährlich eine halbe Million Euro für die Sicherheit der Biker aus, betonte der Minister. „Wir tun das unsere, um Unfälle und die oft tödlichen Folgen zu verhindern. Aber die Biker müssen mit ihrer Fahrweise auch das ihre dazu tun.“

Die erste Strecke, auf der die Tafeln aufgestellt wurden, ist die beliebte, kurvige Biker-Route zwischen Grafenberg (Kreis Reutlingen) und Tischardt (Kreis Esslingen). Auf der Schwarzwaldhochstraße wurden die Kunststoff-Tafeln 2015 aufgestellt. „Seit dem sind die Unfallzahlen signifikant zurück gegangen“, sagt Projektleiter Martin Pozybill vom Verkehrsministerium. In Zahlen: Von 2012 bis 2014 wurden auf der B500 bei Unterstmatt 14 Motorrad-Unfälle mit schweren Personenschäden verzeichnet. Von 2015 bis Ende 2017 waren es vier. Landesweit sind bislang 2200 dieser Kunststoff-Tafeln aufgestellt.

Auch dem Innenministerium bereiten die mehr werdenden Motorrad-Unfälle. Die Entwicklung im vergangenen Jahr sei „dramatisch“ gewesen, heißt es in einer Pressemitteilung. Deshalb werde ein „5-Punkte-Plan zur Bekämpfung von Motorrad-Unfällen aufgelegt“. Der beinhaltet eine Überwachungs-Offensive, verstärkte Prävention, kostenlose Technik-Checks, eine offensive Öffentlichkeitsarbeit und die Entschärfung gefährlicher Strecken.

Knapp zwei Drittel der 101 Motorradfahrer, die von März bis Oktober 2017 bei Unfällen starben, haben diese nach Auskunft des Innenministeriums selbst verursacht. Davon waren wiederum zwei Drittel zu schnell unterwegs.

Auffällig ist, dass knapp 42 Prozent der tödlich verunglückten Biker älter als 50 Jahre waren. Ihnen sollen über das Präventions-Programm „Ü50“ die Gefahren bewusst gemacht werden.

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