Ästhetik der Berge: Auf Hochglanz getrimmte Großfotos ergeben eine ausgesprochen gelungene Bilderparade. Foto: gmg
Ästhetik der Berge: Auf Hochglanz getrimmte Großfotos ergeben eine ausgesprochen gelungene Bilderparade. Foto: gmg

Oberhausen, Montag, 14. Mai 2018

Wo die Götter wohnen

Ausgerechnet im Industriedenkmal Gasometer Oberhausen ruft der Berg: Eine prächtige Fotoschau feiert die heiligen Gipfel unserer Erde. Eine Bilderwelt zum Schwelgen.

von VON BURKHARD MEIER-GROLMAN

Gut, um den Gasometer in Oberhausen zu erklimmen, muss man schon mal 100 Höhenmeter und mehr hinter sich bringen. Im Vergleich mit einem Achttausender im Himalaya kann man aber angesichts dieser verhältnismäßig kleinen Erhebung dann doch wohl nur von Peanuts reden.

Aber wie man die Ruhrpottler kennt, sind die nicht auf den Kopf gefallen. Sie werden sicher nicht auf die Idee kommen, sich mittels Haken und Seil an der stählernen Außenhaut dieses monumentalen Industriedenkmals hinauf zu hangeln, schließlich gibt es in dem ehemaligen Gasbehälter einen bequem erreichbaren Panoramaaufzug, der einen im Eilzugtempo auf 117 Meter Höhe bis zur Aussichtsplattform hievt, von wo man einen unvergleichlichen Blick auf das Revier genießen kann.

Unterhaltsames Geplauder

In den neunziger Jahren wurde der Oberhausener Gasometer der Abteilung Kultur zugeschlagen, und seitdem werden dort mit Großausstellungen Besucherrekorde eingefahren. Rekorde, die hierzulande ihresgleichen suchen. Allein die kürzlich zu Ende gegangene Ausstellung „Wunder der Natur“ feierte bildgewaltig die Flora und Fauna dieses Planeten, und über eine Million Besucher wollten sich diesem Szenario aussetzen. Angespornt von einer solch unglaublichen Publikumsresonanz, haben sich die Gasometer-Macher noch höhere Ziele gesteckt, sie haben sich aufgemacht, die Wohnungen der Götter zu erkunden und diese heiligen Areale möglichst umfassend in ihrem kreisrunden Industriedenkmal vorzuführen.

Da nun alles im Gasometer möglichst spektakulär und medienwirksam daherkommen muss, bringt schon der neue Ausstellungstitel, der Louis Trenkers legendärem Filmschinken von 1938, „Der Berg ruft!“, entlehnt ist, die ersten Gefühlswallungen. Dazu werden all die gerade zur Verfügung stehenden prominenten Bergsteiger-Figuren aufgefahren, und die dürfen dann so unterhaltsam wie möglich aus dem Nähkästchen ihrer alpinen Erfahrungen dampfplaudern, bis den Besuchern Hören und Sehen vergeht. Vorneweg marschiert hier wie nicht anders zu erwarten die Bergfex-Legende Reinhold Messner, der nicht nur die höchsten Gipfel dieser Erde unter seine Fußsohlen genommen hat, sondern der sich auch rühmen kann, die eisige Antarktis samt den staubtrockenen und heißen Wüsten Gobi und Taklamakan durchquert zu haben. Sein Vortrag im Gasometer am 17. Mai über die „Weltberge“ ist natürlich längst ausverkauft.

Wer das Gasometer-Plakat „Der Berg ruft“ studiert, der kann sich auch darauf verlassen, dass drinnen im Behälterrund eben jene Geschichte von der dramatischen Erstbesteigung des wohl grausamsten Berggipfels auf europäischen Boden, dem Matterhorn, erzählt wird, ein Geschehen, das unserem Louis Trenker so ans Herz gegangen ist.

Diesem Matterhorn wird im Gasometer eine unbeschreibliche Huldigung zuteil: Wie ein umgekehrter Weihnachtsbaum hängt hier die riesenhafte und mittels 3D-Aufnahmen quer durch die Tages-und Jahreszeiten getriebene Matterhorn-Spitze, ein Ungetüm, das in allen Farben leuchtet und das sich dann in der Spiegelfläche auf dem Gasometer-Grund wieder als zackige weiße bis dunkelgraue Zipfelmütze zu erkennen gibt.

Dieser Gasometer-Berg hat natürlich auch die international besten Bergfotografen mit all ihren auf Hochglanz getrimmten Großfotos zu einer ästhetisch unglaublich gelungenen und schönen Bilderparade zusammengerufen. Man kann da nur noch schweigend genießen, wenn über dem tibetischen Kloster Ladakh die bunten Gebetsfahnen wehen, wenn über dem Monument Valley ein Gewitter mit Doppel-Blitz und Donner losbricht, wenn der japanische Schneeaffe, der Makake, verwundert in die Welt schaut, wenn in der Mongolei mit Greifvögeln gejagt wird, wenn das berühmte Edelweiß in einer Makroaufnahme aufblüht, und wenn Adnan Bubalo seinen Freund Ivan, der am Matterhorn lebt, wettergegerbt und gezeichnet von Eis und Kälte, für die digitale Ewigkeit ablichtet.

Keine Frage, dass diese „Berg-ruft-Kampagne“ im Oberhausener Gasometer wieder alle Rekorde brechen wird, allein schon, weil es im Ruhrgebiet ja eigentlich nur kleinere Hügel und bestimmt keine größeren Berggipfel zu bewundern gibt.

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