Erfolgreiche Stuttgarter Co-Produktion: Anastasios Donis (links) mit dem 1:0-Schützen Daniel Ginczek. Der frühere VfB-Keeper Sven Ulreich im Münchner Tor war am Schluss viermal bezwungen. Donis selbst traf zum 2:1, Ginczek später noch zum 4:1-Entstand. Foto: Langer/Eibner-Pressefoto
Erfolgreiche Stuttgarter Co-Produktion: Anastasios Donis (links) mit dem 1:0-Schützen Daniel Ginczek. Der frühere VfB-Keeper Sven Ulreich im Münchner Tor war am Schluss viermal bezwungen. Donis selbst traf zum 2:1, Ginczek später noch zum 4:1-Entstand. Foto: Langer/Eibner-Pressefoto

München/Stuttgart, Montag, 14. Mai 2018

Meisterfeier aufgemischt und jetzt Europa im Visier

Die wie entfesselt aufspielende Elf von Trainer Korkut nimmt mit dem famosen 4:1 beim FC Bayern Kurs auf das internationale Geschäft.

von WOLFGANG SCHEERER

Zwei Daten sollten sich VfB-Fans zur Sicherheit schon vormerken: 26. Juli und 2. August. Lassen sich die Münchner Bayern im Pokal-Finale am Samstag gegen Eintracht Frankfurt nicht gleich wieder die Lederhosen ausziehen, starten die Stuttgarter als Bundesliga-Siebter im Sommer in der Europa-League-Qualifikation.

Für die Überraschungsmannschaft der Rückrunde und ihren Überraschungsmann auf der Trainerbank, Tayfun Korkut, ging der Höhenflug mit dem 4:1 (2:1)-Triumph selbst beim deutschen Meisters ungebremst weiter. Vier Tore „dahoam“ hatten die Bayern zuvor letztmals im April 2014 kassiert – im Champions-League- Halbfinale gegen Real Madrid.

Nun mischte ein wie entfesselt spielender VfB die Meisterfeier richtig auf. Als Hauptgrund für den Coup hatte Korkut eine schlichte Erklärung parat: „Weil wir eine Mannschaft sind.“

Vaterfreuden für Mario Gomez

Während die Münchner Stars besonders in der zweiten Halbzeit mit dem Kopf nicht bei der Sache waren (sondern vielleicht schon bei der anstehenden Sause), legten die Gäste furios los. Und das ohne Torjäger Mario Gomez, der am Abend vor dem Spiel zum ersten Mal Papa geworden war und nicht mit nach München reiste. Stürmerkollege Daniel Ginczek traf bereits nach fünf Minuten. Der Vorlagengeber Anastasios Donis schoss nach dem 1:1 durch Corentin Tolisso (21.) die erneute Führung heraus (42.), ehe der Kongolese Chadrak Akolo (52.) und Ginczek (55.) per Doppelschlag die erste Münchner Bundesliga-Heimniederlage der Saison besiegelten. Enorme Effizienz und „lehrbuchmäßiger Konterfußball“ (VfB-Kapitän Christian Gentner) trafen auf eine desolate Vorstellung der Gastgeber.

Nicht nur Bayern-Trainer Jupp Heynckes in seinem letzten Heimspiel wirkte ratlos. Auch die zahlreichen ehemaligen Meisterspieler von Franz Beckenbauer über Dieter Hoeneß und Luca Toni bis zu Michael Ballack, die in der Halbzeitpause entlang eines roten Bandes mit allen Titel-Jahren präsentiert wurden, staunten nicht schlecht.

Nach dem 1:4-Debakel geht es nun nur noch um das „Double“. Ein sichtlich enttäuschter Thomas Müller betonte: „Was Jupp Heynckes für den Verein geleistet hat, ist unbeschreiblich. Wir sind in der Bringschuld, dass wir das im Pokal-Finale noch veredeln. Aber den Drops des VfB müssen wir erst schlucken und das alles abschütteln.“

Eine „Wahnsinns-Rückrunde“

Aus der Stuttgarter Kabine will der eine oder andere derweil „Europapokal“-Rufe gehört haben. Der Aufsteiger macht seit dem Trainerwechsel Ende Januar mächtig Aufsehen. Von 14 Spielen unter Korkuts Regie gewann der VfB neun, vier Mal teilte man sich die Punkte mit dem Gegner, nur in Dortmund verlor die Elf mit dem Brustring. Allein die Münchner (43 Punkte) sammelten 2018 mehr Zähler als der VfB (34). Ginczek schwärmte von einer „Wahnsinns-Rückrunde“.

Für den Stuttgarter Verteidiger Holger Badstuber, der als langjähriger Bayern-Profi vor dem Anstoß mit einem Blumenstrauß geehrt und mit viel Applaus der Anhänger beider Lager bedacht wurde, sagte: „Was wir erreicht haben, ist fast schon surreal.“

Der starke Torhüter Ron-Robert Zieler lobte seine Vorderleute: „Es hat einfach alles geklappt. Das Team hat wirklich einen starken Charakter. Wir freuen uns, dass wir so einen Saisonabschluss hinbekommen haben.“ Bis in die Gruppenphase der Europa League ist es allerdings noch ein gutes Stück. Nach dem Auftakt wären noch eine weitetere Qualifikationsrunde und die Playoffs zu überstehen – dann bereits mit der Doppelbelastung Bundesliga.

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