Formschwach: Mario Götze wurde aussortiert. Foto: Maja Hitij/dpa
Formschwach: Mario Götze wurde aussortiert. Foto: Maja Hitij/dpa

Dortmund, Mittwoch, 16. Mai 2018

WM-Held Götze fehlt im Aufgebot für Russland

In dem vorläufigen Kader des Bundestrainers findet der Schütze des goldenen Tores von Rio de Janeiro keinen Platz.

von VON ARMIN GRASMUCK

Die Atmosphäre im spärlich beleuchteten Fußball-Museum zu Dortmund schwankte gut eine halbe Stunde lang zwischen nostalgischer Rückblende, nüchterner Tagespolitik und Zukunftsmusik – dann ging es ratzfatz: Im Sekundentakt rauschten 27 Namen samt kleiner Porträtfotos über den riesigen Bildschirm an der Wand rechts neben dem Podium, auf dem Bundestrainer Joachim Löw Platz genommen hatte.

Neun Weltmeister haben demnach die Möglichkeit, den Titel in Russland zu verteidigen. Doch der Spieler, der die deutsche Nationalmannschaft vor vier Jahren im großen Finale von Rio de Janeiro zum Titel schoss, fehlt: Mario Götze. „Mein Job als Bundestrainer ist es leider auch, Träume platzen zu lassen und harte Entscheidungen zu treffen“, sagte Löw – und zu dem Härtefall Götze konkret: „Es war nicht seine Saison. Er hat nicht seine Form gezeigt, die er bringen kann.“

In dem vorläufigen Aufgebot für die WM, die von 14. Juni bis 15. Juli ausgetragen wird, hat auch Sandro Wagner keinen Platz. Der Mittelstürmer von München zählte zu der deutschen Auswahl, die im vergangenen Jahr den Confed-Cup in Russland gewann. Er traf im Frühjahr regelmäßig und schien davon überzeugt zu sein, das WM-Ticket sicher zu haben. Ein fataler Irrglaube, wie sich nun herausstellte. „Es ist nie gegen einen Spieler, immer im Sinne der Mannschaft und des Gesamterfolges“, so erklärte es Löw.

Aufrichtigen Mannschaftsgeist und die richtige Portion an Anstand und Demut hat Mario Gomez in Reihen des VfB Stuttgart vorgelebt. Der schwäbische Torjäger, der vor vier Jahren verletzt passen musste, scheint in den Planspielen des Bundestrainers eine feste Größe zu sein, wie auch Sturmkollege Timo Werner, geboren in Stuttgart und inzwischen bei RB Leipzig unter Vertrag.

Der entscheidende Faktor auf der vom Bundestrainer proklamierten „Mission Titelverteidigung“ könnte Nils Petersen sein. Völlig überraschend ist der Torjäger des SC Freiburg, der noch kein Spiel für die A-Nationalelf bestritten hat, auf den letzten Drücker nominiert worden. „Nils macht einen starken und fitten Eindruck“, sagte Löw. „Von ihm verspreche ich mir einiges. Er ist auch ein starker Joker.“

Petersen kann sich im Trainingslager für Einsätze in Russland empfehlen. In der Idylle Südtirols bereitet der Bundestrainer seine Mannschaft von 23. Mai bis 9. Juni auf die WM vor. Vier Spieler müssen noch gestrichen werden, bis 4. Juni hat der Deutsche Fußball-Bund dem Weltverband Fifa den 23 Mann starken Kader für Russland zu melden.

Der größte Wackelkandidat bleibt bis zum Ablauf dieser Frist Mannschaftskapitän Manuel Neuer. Nach diversen Brüchen im Mittelfuß und mehr als einem halben Jahr ohne Pflichtspiel scheint der Torwart des FC Bayern seit Beginn dieser Woche im Training wieder voll belastbar zu sein. Die Frage ist, ob er es schafft, in kürzester Zeit höchstes Wettkampfniveau zu erreichen.

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