Schleuse Obertürkheim: Der Neckar ist auf weite Strecken aufgestaut. Damit heizt sich das Wasser schneller auf als anderswo. Hohe Temperaturen killen aber die Fische. Foto: Franziska Kraufmann/dpa
Schleuse Obertürkheim: Der Neckar ist auf weite Strecken aufgestaut. Damit heizt sich das Wasser schneller auf als anderswo. Hohe Temperaturen killen aber die Fische. Foto: Franziska Kraufmann/dpa
Schleuse Obertürkheim: Der Neckar ist auf weite Strecken aufgestaut. Damit heizt sich das Wasser schneller auf als anderswo. Hohe Temperaturen killen aber die Fische. Foto: Franziska Kraufmann/dpa
Schleuse Obertürkheim: Der Neckar ist auf weite Strecken aufgestaut. Damit heizt sich das Wasser schneller auf als anderswo. Hohe Temperaturen killen aber die Fische. Foto: Franziska Kraufmann/dpa

Kochendorf, Mittwoch, 13. Juni 2018

Wenn Fischen die Luft ausgeht

Ist es längere Zeit heiß, heizt sich das Wasser im Neckar stärker auf als in Rhein oder Donau. Die Folge: Der Sauerstoffgehalt sinkt.

von ALFRED WIEDEMANN

Gerade noch die Kurve gekriegt: Heftige Regenfälle in der Nacht auf Dienstag und die Abkühlung danach haben den Sauerstoffgehalt im Neckar und anderen Flüssen im Südwesten wieder steigen lassen. Dadurch seien die Fischbestände jetzt „nicht mehr in Gefahr“, sagt Uwe Bergdolt, Leiter des Referats Fließgewässerökologie der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) in Karlsruhe.

Tags zuvor war es noch brenzlig. Die Hitze der letzten Wochen hatte den Sauerstoffgehalt im Neckarwasser bei Kochendorf auf einen kritischen Wert sinken lassen. Die LUBW-Fachleute, die dem Neckar mit Online-Messstellen zwischen Wendlingen und Mannheim Tag und Nacht den Puls füllen, griffen ein. Das Wehr einer Wasserkraftwerk-Staustufe wurde abgesenkt. Dadurch, dass mehr Wasser strömen konnte, bekamen die Fische wieder mehr Sauerstoff ab.

Die Wassertemperaturen seien bereits wieder am Sinken, sagt Bergdolt. Immerhin reichte gestern um 12 Uhr die Skala noch von 18,6 Grad bei Wendlingen bis 23 Grad Celsius in Mannheim.

Anfang Juni sei immer eine besonders kritische Zeit für den Neckar, weil da eine bestimmte Algenart absterbe, sagt Bergdolt. Das verstärke negative Hitzeeffekte beim Sauerstoffgehalt noch. Jetzt gilt aber: Entwarnung. „Allerdings nur bis zur nächsten Hitzewelle“, sagt der LUBW-Experte. „So schnell die Temperaturen fallen, so schnell steigen sie auch wieder.“

Tag und Nacht überwacht

Weil der Neckar über viele, viele seiner 362 Kilometer breit aufgestaut ist und das Wasser so nur langsam fließe, kann die Sonne dem Fluss mächtig einheizen – viel mehr als dem Rhein oder der Donau. „Je wärmer das Wasser, desto weniger Sauerstoff.“ Wenn dann der Sauerstoff fehlt, wird die Luft dünn für die Fische. Dann verendet Art um Art, bis schließlich alle kieloben treiben.

Die Messstellen-Überwachung der Landesanstalt ist dazu da, dass das nicht passiert. Und arbeitet dazu mit den Kraftwerksbetreibern am Neckar zusammen. „Das klappt sehr gut“, sagt Bergdolt. Um Flusswasser mit Sauerstoff anzureichern, können nicht nur Wehre gesenkt werden. Erreicht die Wassertemperatur 28 Grad, können ganze Kraftwerke abgeschaltet werden. Die heizen durch Kühlwasser den Fluss zusätzlich.

2003, im Tropen-Sommer, führte die Extremhitze zu einem Fischsterben im Neckar. Wegen der Staustufen fehlen auch Verwirbelungen, die ebenfalls für Sauerstoff sorgen. Damals gingen aber trotz 28 Grad Wassertemperatur keine Kraftwerke vom Netz. Die Behörden setzten den Abschalt-Grenzwert herauf – für Klimaanlagen in Kliniken und Altenheimen sollte der Strom nicht ausgehen.

Inzwischen hilft die Energiewende den Neckar und seinen Fischen, sagt Bergdolt: Das Atomkraftwerk Obrigheim pumpt schon lange kein Kühlwasser mehr ab. Am Fluss produziert nur noch Neckarwestheim II Atomstrom. Alte Kohlekraftwerke sind ebenfalls abgeschaltet worden. Zudem sind Kläranlagen im Neckar-Einzugsgebiet, und nicht nur da, aufgerüstet worden. Sinkende Phosporwerte helfen ebenfalls gegen den Sauerstoffmangel im Wasser.

Allerdings: Längere Hitzeperioden lassen die Wassertemperaturen weiterhin steigen. Und der Klimawandel bringt dem Südwesten sicher mehr extreme Hitzeperioden, nicht weniger.

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