Strauße sind Fluchttiere und brauchen viel Auslauf.  Foto: Matthias Kessler
Strauße sind Fluchttiere und brauchen viel Auslauf. Foto: Matthias Kessler

Waldburg, Samstag, 11. August 2018

Der mit den großen Vögeln

Erst war es eine spleenige Idee, heute hat Wolfgang Schmid 300 Tiere in seinem Betrieb bei Waldburg in Oberschwaben.

von JULIA RIZZOLO

Wolfgang Schmid hat einen ziemlich großen Vogel. Eigentlich hat er sogar viele große Vögel – in Hinterwiddum bei Waldburg in Oberschwaben: Wo früher eine klassische Landwirtschaft mit 40 Milchkühen und Ackerbau war, tummeln sich heute auf mehr als 300 000 Quadratmeter je nach Jahreszeit bis zu 300 Strauße.

Mit fünf Tieren fing alles an. „Als Hobby“, wie der Straußenzüchter erzählt. Etwas mehr als eine spleenige Idee war es wohl damals schon. Weil Straußenhaltung genehmigungspflichtig ist, musste der 38-Jährige ein Sachkunde-Seminar in München besuchen – für mehrere hundert Euro.

Eigentlich hätten die ersten Hennen aufgrund ihres Alters noch keine Eier legen dürfen. Haben sie aber trotzdem. So wurden im ersten Jahr aus fünf Straußen 36 und im folgenden Jahr mehr als 70. „Zu dem Zeitpunkt hatten wir mehr Strauße als Rinder“, sagt Schmid. „Wir haben dann schnell ein gewisses Potenzial erkannt.“ Als Exot unter den Landwirten musste er aber erst einmal Banken von seiner Straußenfarm überzeugen. In den letzten Jahren hat er viel investiert. Nicht nur Zeit und Mühe, sondern vor allem Geld: „Wir hatten sehr viel Arbeit damit, den landwirtschaftlichen Betrieb so umzubauen, dass die optimale Haltung der Tiere sowie die Vermarktung möglich ist,“ sagt Wolfgang Schmid. Genaue Umsatzzahlen zu nennen, ist für ihn daher schwierig. Der finanziellen Sicherheit wegen arbeitet er immer noch halbtags als Konstrukteur.

Generell ist die Zahl der Straußenhalter in Deutschland aber rückläufig, berichtet Ralph Schumacher, Vorsitzender des Bundesverbands deutscher Straußenzüchter. In den 90er-Jahren hätten viele mit dem Züchten begonnen, weil man es „für sehr rentabel gehalten“ habe. Inzwischen seien viele dieser Pioniere im Rentenalter und finden keinen Nachfolger. Also schafften sie die Tiere langsam ab, hätten vielleicht noch „drei Tiere im Garten“, so Schumacher. Wirkliche Straußenfarmen gebe es in ganz Deutschland vielleicht noch 50.

Für Wolfgang Schmid wurde vor allem die Suche nach einem Schlachtbetrieb immer schwieriger. Darum gibt es seit 2017 eine zertifizierte Metzgerei auf dem Gelände. 200 000 EUR steckten Schmid und seine Familie in diese Erweiterung. Ein Projekt, das durch die vielen Auflagen „sehr, sehr viel umfangreicher ist, als sich ein Laie das vorstellt. Mit persönlichen Interessen oder Wünschen hat das nicht viel zu tun“, erklärt er.

Steak, Filet, Braten, Gulasch, Wurst, Straußeneier, Eierlikör, Eier-Nudeln, Deko-Artikel: Seine Produkte verkauft Schmid nicht nur im eigenen Hofladen und dem Verkaufsautomaten, sondern auch bei kleineren Handelspartnern und an Gastronomie-Betriebe.

Sein Ziel ist es, von 2019 an auf 200 Schlachttiere pro Jahr zu kommen – jedes mit rund 100 Kilogramm. Ein Kilo Straußen-Filet kostet im Hofladen rund 39 EUR. Theoretisch kann ein Strauß fast vollständig verwertet werden, auch Hals, Haut und Federn. Doch für Wolfgang Schmid ist das nur bedingt ein Vorteil: „Wir können nur das verkaufen, was der Kunde auch kaufen will“, erklärt er. „Welche junge Hausfrau kocht heute noch Herz oder Leber? Oder kauft Straußenhals-Stücke, um Fleischbrühe zu machen? Dies sind Produkte, die wir nur schwer zu Geld machen können.“

Ewige Konkurrenz für den Landwirt aus Waldburg (Landkreis Ravensburg) sind Supermärkte und Discounter: „Wir stehen im permanenten Konkurrenzdruck zu Wurst aus Schweinefleisch. Diesen Preis können wir nicht halten, schon weil unsere Art der Haltung ganz andere Kosten verursacht. Und nur weil wir Straußenfleisch verkaufen, können wir das nicht im Zehn-Kilo-Paket anbieten. Der Kunde möchte das so, wie er es aus dem Supermarkt kennt“, sagt Schmid.

Die anfängliche Kritik vieler, ob das süddeutsche Klima vor allem in Winter nicht schädlich für die Tiere sei, ist weniger geworden. Für viele andere Landwirte ist Wolfgang Schmid nicht mehr nur ein „Spinner“. Auch sein Vater hat erkannt, dass es Hand und Fuß hat, was sein Sohn sich da ausgedacht hat.

Schmids nächstes Projekt ist der Ausbau des touristischen Bereichs. „Wenn die Leute kommen, müssen wir ihnen auch etwas bieten“, sagt Schmid – und brütet schon die nächsten Ideen aus.

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