Die Bauhaus-Architektur in Tel Avivs Zentrum wird jetzt mit deutscher Hilfe saniert. Foto: dpa
Die Bauhaus-Architektur in Tel Avivs Zentrum wird jetzt mit deutscher Hilfe saniert. Foto: dpa
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Die Bauhaus-Architektur in Tel Avivs Zentrum wird jetzt mit deutscher Hilfe saniert. Foto: dpa

Tel Aviv, Samstag, 11. August 2018

Die weiße Stadt wird zum Jubiläum herausgeputzt

Tel Avivs Stadtkern gehört zum Weltkulturerbe. 100 Jahre Bauhaus werden auch dort gefeiert.

von DPA

Die Sonne sticht. Sharon Golan Yaron sucht nach dem passenden Schlüssel und drückt gegen die schwere Tür. Sie klemmt. Das alte Holz hat sich im Mittelmeerklima verzogen. „Das bringen wir auch noch in Ordnung“, sagt sie lachend und stemmt die Tür auf. Die in Deutschland geborene Architektin ist Programmdirektorin des Zentrums Weiße Stadt, das sich dem Erhalt der Gebäude im Bauhausstil von Tel Aviv verschrieben hat – eine Mammutaufgabe.

Sie führt hinein ins Max-Liebling-Haus. Es ist eines von etwa 4000 ursprünglich eher sandfarbenen Gebäuden im internationalen Stil, die als „Weiße Stadt“ das Zentrum von Tel Aviv prägen. Und es ist eine Baustelle. Seit dem vergangenen Jahr wird das Max-Liebling-Haus renoviert. Hier soll im kommenden Jahr das deutsch-israelische Zentrum Weiße Stadt dauerhaft unterkommen.

2003 wurden große Flächen Tel Avivs von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt. Ein Status, der auch zum Erhalt verpflichtet. Das schwül-heiße Klima mit der salzigen Meeresluft hat vielen Gebäuden zugesetzt. Die Fassaden bröckeln, dazu lag früheren Umbaumaßnahmen nicht unbedingt ein architektonisches Credo zugrunde. „In diesen Gebäuden leben Menschen, das sind keine Museen“, sagt Yaron.

Von außen erstrahlt das Max-Liebling-Haus bereits in gleißendem Weiß. Pünktlich zum 100. Geburtstag des Bauhauses im Jahr 2019 soll es Besucher über das Vermächtnis dieses architektonischen Stils informieren, den Walter Gropius in Weimar entwickelt hat: „Israel und Deutschland besitzen eine gemeinsame historische und baukulturelle Vergangenheit“, heißt es aus dem Bundesbauministerium, welches das Projekt mit drei Millionen Euro über den Zeitraum von 2015 bis 2025 bezuschusst. Während der Nazi-Diktatur in den 1930er Jahren flohen viele europäische Juden in das damalige Palästina. Unter ihnen waren auch einige Architekten, die basierend auf der Idee und dem Know-how des Bauhauses neuen Wohnraum schufen. „Mit der Machtergreifung der Nazis wurde der Entwicklung des Bauhauses in Deutschland ein Riegel vorgeschoben“, analysiert Ronny Schüler von der Bauhaus-Universität Weimar die Historie. „Das Bemerkenswerte ist: In Tel Aviv setzten sich dann aber die Ideen der Moderne fort.“

An den Erhalt des gemeinsamen Kulturerbes knüpft auch der Austausch von Handwerkern zwischen Deutschland und Israel an. Für die denkmalgerechte Sanierung holt man sich beim Zentrum Weiße Stadt gerne die Expertise aus Deutschland. Das nahende Jubiläumsjahr sorgt für Bewegung. „Man spürt deutlich, wie die Bemühungen zur Renovierung der Bauhaus-Gebäude in Tel Aviv zugenommen haben“, meint auch Golan Yaron. Alte Fassaden, die wieder herausgeputzt werden – auch mit deutscher Hilfe. dpa

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