Duisburg, Samstag, 11. August 2018

Ruhrtriennale startet mit viel Beifall

Nach reichlich Streit im Vorfeld wird William Kentridges Prozessionstheater zum Auftakt bejubelt.

von DPA

Der Beifall ist einhellig und demonstrativ: Nach 90 Minuten multimedialem Trommelfeuer erhebt sich das Premierenpublikum in der riesigen Duisburger Kraftzentrale von den Sitzen, um William Kentridges Kreation „The Head and the Load“ zu feiern. Die Erleichterung darüber, dass das Festival nun endlich begonnen hat, ist förmlich mit Händen zu greifen.

Denn seit Wochen steht Stefanie Carp, die neue Intendantin des renommierten Edel-Festivals im Zentrum einer kontrovers geführten politischen Debatte, über der künstlerische Fragestellungen weit in den Hintergrund gerückt sind. Carp hatte durch ihren wankelmütigen Umgang mit der israelkritischen Edinburgher HipHop-Band Young Fathers und ihr desaströses Kommunikations-Management für immer neue negative Schlagzeilen gesorgt.

So viel politischen Trubel hatten die Macher der Ruhrtriennale wohl kaum im Sinn, als sie das Festival unter das Motto „Zwischenzeit“ stellten und die stark politisch aufgeheizten Themen Rassismus, Postkolonialismus, Migration und Vertreibung in den Fokus des Programms nahmen. Exemplarisch dafür steht nun tatsächlich „The Head and the Load“ („Kopf und Last“) zur Eröffnung, eine Produktion, die bereits in der Londoner Tate Modern zu sehen war und die nun in Duisburg ihre Deutschlandpremiere feiert. Auch das ein Novum bei der Ruhrtriennale, die sonst stets mit exklusiven Eigenproduktionen eröffnet wurde.

Rassismus und Apartheid

Der aus Südafrika stammende Kentridge variiert damit einmal mehr seine Lebensthemen Rassismus und Apartheid. Mit seinem mächtigen Strom parallel ablaufender Filmbilder, Live-Aktionen, Projektionen und Tonspuren reflektiert er die Rolle Afrikas im Ersten Weltkrieg. Dass damals auch in Afrika Krieg herrschte und Afrikaner von den Kolonialmächten rekrutiert und zumeist als Träger gigantischer Lasten buchstäblich verheizt wurden, ist bis heute kaum bekannt.

Kentridge bespielt mit seinem gigantischen Bilderbogen eine etwa 50 Meter breite Bühne, an deren Rückwand Filme und Projektionen ablaufen. Eine Schar von Instrumentalisten des Ensembles „The Knights“, ein Vokalensemble, Gesangssolisten und ein Schauspielensemble agieren ruhelos auf dieser Bühne in einer Art endloser Prozession.

Das Publikum kann aufgrund der immensen Breite des Tableaus niemals alles erfassen, was sich dort abspielt, zumal die rückwärtig ablaufenden Filme und Bilder die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Ein starker Auftakt dieser Ruhrtriennale unter ungünstigen Vorzeichen. dpa

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